VonJana Stäbenerschließen
Im ARD-Sommerinterview sagt die AfD-Fraktionsvorsitzende, sie sei „nicht queer“. Sie lebe nur mit einer Frau zusammen, mit der sie gemeinsame Kinder habe. Bitte was?
Die Co-Chefin der AfD, Alice Weidel spricht im ARD-Sommerinterview darüber, dass man bei den hohen Zustimmungswerten für die AfD, gerade in Ostdeutschland, „natürlich auch den Führungsanspruch stellen“ werde und über eine mögliche Kanzlerkandidatur der Partei nachdenke. Als sie mit der „offenen Queerfeindlichkeit“ der AfD konfrontiert wird, und gefragt wird, wie sich das für sie als homosexuelle Frau anfühlt, sagt Weidel: „Ich bin nicht queer.“
Sie sei nur „mit einer Frau verheiratet, die ich seit 20 Jahren kenne, wir haben zwei gemeinsame Kinder“, erklärt die AfD-Vorsitzende. Sie fühle sich nicht diskriminiert – „warum auch?“ Die Gender-Politik der Ampel-Koalition und das neue Selbstbestimmungsgesetz, das viel Geld einsparen wird, nannte sie hingegen „bescheuert“. Man solle sich „jetzt einmal im Jahr das Geschlecht aussuchen können“, behauptete Weidel im Sommerinterview.
AfD-Vorsitzende Alice Weidel sagt, sie ist „nicht queer“ – ist das ein schlechter Witz?
Mit solchen Aussagen beweise Alice Weidel, dass sie „nicht verstanden“ habe, worum es im Selbstbestimmungsgesetz gehe, schreibt die LGBTIQIA+-Aktivistin Janka Kluge auf X (ehemals Twitter). Andere auf der Social-Media-Plattform werfen ihr gar vor, ihre eigenen Leidensgenoss:innen zu verleugnen und nicht zu verstehen, dass „sich niemand vor sie stellen wird, sobald der Faschismus sich IHR zuwendet?“
Alice Weidel bekennt nichts verstanden zu haben.
— Janka Kluge (@JankaKluge) September 11, 2023
Andere, die genauso wenig verstanden haben worum es im geplanten Selbstbestimmungsgesetz geht werden ihr jetzt wieder zujubeln.https://t.co/JoacLiie9B
Das Wort „queer“ nutzen Menschen früher in einem abwertenden Kontext und bezeichnete Personen als „sonderbar, suspekt“ und „pervers“. Seit etwa Mitte der 1990er Jahre wird es zunehmend als positive Selbstbezeichnung für sexuelle Orientierungen verwendet, die nicht heterosexuell sind, sowie Geschlechtsidentitäten, die nichtbinär oder nicht-cisgender sind.
Dass Alice Weidel, die auch Greta Thunbergs Protest nicht versteht, als offen homosexuell lebende Frau behauptet, „nicht queer“ zu sein, fühlt sich für einige an wie ein schlechter Witz. Oder erinnert zumindest an andere absurde Aussagen, bei denen wir ganz genau wussten, dass irgendwas nicht stimmt. So wie diese sieben, die wir von BuzzFeed News Deutschland nochmal für dich gesammelt haben.
1. Als Trump sagte, er hat die Wahl 2020 gewonnen.
„Ich habe die Wahl gewonnen, 71.000.000 legale Stimmen erhalten“, twitterte er im November 2020, obwohl bereits seit einem Tag klar war, dass Joe Biden und Kamala Harris die Wahl gewonnen hatten. Das war noch absurder, als diese sieben Aussagen von Trump zu seiner Verurteilung.
2. Als die Polizei sagte, es sei kein Löwe, sondern ein Wildschwein.
Warum hatte dann der Sohn eines Berliner Clans davon gesprochen, dass es um eine Löwin gehe, die er kenne? Und warum glaubt eine Tierärztin nicht, dass es sich bei der Löwin um ein Wildschwein handelt?
Die Spurenanalyse von Kot und Haaren deutete am 24. Juli 2023 jedenfalls daraufhin, dass es sich um ein Wildschwein handele. Mit absoluter Sicherheit lasse sich dies zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen. Das endgültige Ergebnis von Laboranalysen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung steht noch aus, da es sich zum Teil um sehr komplexe und langwierige Untersuchungsvorgänge handele.
3. Als Luis Rubiales sagte, es sei ein „kleiner, einvernehmlicher Kuss“ gewesen.
Luis Rubiales, der Präsident des spanischen Fußballverbandes RFEF, hatte die Spielerin Jenni Hermoso nach dem siegreichen Finale bei der Frauen-Fußball-WM ungefragt auf den Mund geküsst. Dieser Kuss sorgte für viel Kritik und brachte ihm ein Disziplinarverfahren der FIFA und eine Suspendierung ein. Bis zum Schluss (am 10. September kündigte Rubiales seinen Rücktritt an) war er überzeugt, Opfer einer „medialen Hetzkampagne“ zu sein. Bei einer Pressekonferenz sprach er davon, dass es nur „ein kleiner einvernehmlicher Kuss“ gewesen sei – hier sechs Ausreden, die genauso dämlich sind wie diese von Rubiales.
4. Als Kylie Jenner behauptete, sich nicht die Lippen aufgespritzt zu haben.
Ist klar.
5. Als sich die AfD beschwerte, als Partei Russlands bezeichnet zu werden.
Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Alternative für Deutschland (AfD) in einer Regierungsbefragung im Juli 2022 als „Partei Russlands“. Daraufhin twitterte das AfD-Mitglied Bernhard Zimniok, EU-Abgeordneter aus München: „Wer sich für deutsche Interessen einsetzt, wird als rechtspopulistisch und Partei Russlands diffamiert. Und das vom Bundeskanzler. Eindrucksvoller könnte man den desolaten Zustand der Bundesregierung kaum darstellen.“ Dabei zeigen diese zwölf Beispiele, warum die AfD wohl wirklich „die Partei Russlands“ ist.
6. Als Friedrich Merz sagte, er sei „gehobene Mittelschicht“.
Viele Menschen ordnen sich fälschlicherweise der Mittelschicht zu, zeigt eine Studie. CDU-Chef Friedrich Merz, der in einem Interview mit der Bild-Zeitung 2018 sagte, dass er ein Millionenvermögen besitzt und sich in der „gehobenen Mittelschicht“ sieht, gehört da wohl dazu. Hier sammeln wir weitere Momente, in denen Friedrich Merz an sich selbst gescheitert ist.
7. Als Harry und Meghan sich „aus der Öffentlichkeit“ zurückzogen.
Im Januar 2020 gaben Prinz Harry und Meghan Markle aus der britischen Königsfamilie bekannt, nach Nordamerika ziehen zu wollen und ihre royalen Pflichten aufzugeben. Sie sagte, sich damit auch aus dem Fokus der Medien herausziehen zu wollen. Nur um danach eine Autobiografie über Harrys Leben als Royal zu schreiben, eine Netflix-Serie zu produzieren und Meghan tausende Interviews geben zu lassen. Ist klar.
Mehr zum Thema: Warum queere Menschen die AfD wählen
(Mit Material der dpa)
Rubriklistenbild: © IMAGO/M. Popow, Alex Brandon/dpa, Collage








