VonChristina Denkschließen
Der ukrainische Sicherheitsdienst hat offenbar ein russisches Telefonat abgefangen. Ein Soldat erzählt darin von der Sprengung des Staudamms – durch russische Saboteure.
Kachowka – Nach der Zerstörung des Kachowka-Damms im Kriegsgebiet Cherson ist weiter unklar, wie es zu der Katastrophe im Ukraine-Krieg kam. Russland beschuldigt die Ukraine, den Damm teils gesprengt zu haben. Die Ukraine wirft Russland vor, den Damm vermint und zerstört zu haben. Ein abgefangenes, russisches Telefonat soll nun die Schuld Russlands beweisen. Was steckt dahinter?
Zerstörung des Kachowka-Damms: Ukrainischer Sicherheitsdienst fängt Telefonat ab
Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat auf Telegram am Freitag einen eineinhalbminütigen Audioclip veröffentlicht, berichten Reuters und The Guardian übereinstimmend. Es soll sich dabei um einen abgefangenen Telefonanruf aus Russland handeln. Zwei Männer besprechen offenbar auf Russisch die Folgen der Kachowka-Katastrophe.
Einer der Männer, der von der SBU als Teil des russischen Militärs beschrieben wird, soll bestätigen, dass nicht die Ukraine, sondern eine russische Sabotagegruppe für die Zerstörung des Damms verantwortlich war. „Unsere Leute haben es getan. Es waren nicht ihre, sondern unsere“, übersetzt The Guardian das Gespräch. Und weiter: „Unsere Sabotagegruppe ist dort. Sie wollten mit diesem Damm Angst verbreiten. Es lief nicht nach Plan. Es lief mehr als geplant“, sagt demnach der gleiche Mann. Der Gesprächspartner war von diesen Informationen offenbar überrascht, so die Berichte. Unabhängig überprüfen ließ sich die Herkunft und Echtheit des Clips nicht.
- Die Geschehnisse um die Zerstörung des Kachowka-Damms:
- Der Kachowka-Damm liegt im russisch besetzen Gebiet.
- Er war in der Nacht zum Dienstag teilweise zerstört worden. Anwohner hörten Explosionen.
- Große Mengen Wasser traten aus und überfluteten weite Gebiete der Südukraine.
- Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
- Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig für die Explosion verantwortlich.
Nach Sprengung des Kachowka-Damms: SBU leitet Ermittlungen ein – gegen Putin und einfache Täter
Der SBU veröffentlichte zwar den Audio-Clip und ein kurzes Statement, ordnete aber nicht weiter ein, um wen es sich bei den beiden Männern handelt. Der SBU gab nur an, strafrechtliche Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen eingeleitet zu haben. „Die Invasoren wollten die Ukraine mit der Sprengung des Staudamms erpressen und inszenierten im Süden unseres Landes eine von Menschen verursachte Katastrophe“, heißt es bei der SBU auf Telegram.
Kachowka-Staudamm in der Ukraine gesprengt: Erste Fotos zeigen die schlimmen Folgen




Russland habe damit bewiesen, dass es eine „Bedrohung für die gesamte zivilisierte Welt“ sei, wird SBU-Chef Wasyl Maljuk in der Erklärung zitiert. Nicht nur die „Führer des Putin-Regimes, sondern auch die einfachen Täter“ sollten vor Gericht gebracht werden. Russland äußerte sich bislang nicht zum Inhalt des Videos.
Russland, Ukraine oder Unfall? Drei mögliche Ursachen für Zerstörung des Kachowka-Damms
Zum aktuellen Zeitpunkt (9. Juni) stehen drei Möglichkeiten im Raum, wie es zur Zerstörung des Damms, die auch für Russland Probleme bringt, kam. Die Ukraine und viele internationale Experten halten Russland für verantwortlich. Kiew ist davon überzeugt, dass der Aggressor damit die geplante Gegenoffensive der Ukraine behindern wollte. Manche Experten spekulieren, dass der Staudamm durch äußeren Beschuss gar nicht zerstört werden konnte und vermuten daher eine Manipulation durch Russland.
Moskau weist das zurück und schiebt indes die Schuld auf die Ukraine. Auf Antrag Moskaus befasst sich der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) seit Donnerstag mit den Vorwürfen zur Beschädigung des Kachowka-Staudamms. Ein Urteil des IStGH wird erst in einigen Monaten oder sogar Jahren erwartet. Experten halten es nach der Analyse von Satellitenbildern auch für möglich, dass der Staudamm während der Besetzung durch Russland schlecht gewartet wurde und daher unter dem Druck der Wassermassen geborsten ist. Alle Entwicklungen rund um den Staudamm Kachowka gibt es im News-Ticker. (chd/dpa/AFP)
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