VonPatrick Mayerschließen
Die Ukraine stellt dem Kosovo die Anerkennung als Republik in Aussicht. Prompt folgt wütender Protest von Wladimir Putins Fürsprecher aus dem serbischen Belgrad.
Belgrad/Pristina – Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat mit scharfer Wortwahl auf eine mögliche Anerkennung des Kosovo durch die Ukraine reagiert. Ein außenpolitisch gewichtiger ukrainischer Abgeordneter hatte laut Ukrainska Pravda zuvor einen Appell an die Regierungen westlicher Staaten unterzeichnet, in dem zu einer Überprüfung der Politik gegenüber Belgrad und Pristina aufgefordert wird.
Serbien erbost: Ukraine deutet Anerkennung des Kosovo an
Der Brief, der demnach von den Vorsitzenden von zehn parlamentarischen Ausschüssen für auswärtige Angelegenheiten und von mehr als fünfzig Abgeordneten verschiedener europäischer Parlamente unterzeichnet wurde, fordert konkret, den Druck auf Serbien im nicht gelösten Kosovokonflikt zu erhöhen.
Initiiert wurde das Schreiben von der britischen Abgeordneten Alicia Kearns. Oleksandr Merezhko, der Vorsitzende des Ausschusses für Außenpolitik der Werchowna Rada, also des ukrainischen Parlaments aus Kiew, schloss sich den Forderungen des Briefes an.
Serbien: Putin-Partner Aleksandar Vučić poltert wegen Kosovo gegen die Ukraine
Das gefiel Vučić, dessen Regierung bis heute trotz des Ukraine-Kriegs als Partner Russlands gilt, offensichtlich gar nicht. Der Vorsitzende der Serbischen Fortschrittspartei SNS beschwerte sich bei einer Pressekonferenz am Dienstag (8. August), dass sich der Brief gegen sein Land richte.
„Die Ukraine ist ein freundliches Land zu uns. Ich denke, Selenskyj (Präsident Wolodymyr Selenskyj, d. Red.) ist klüger als Merezhko. Denn stellen Sie sich vor: Wenn die Ukraine die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennt, wird sie an einem Tag alles verlieren“, erklärte der serbische Regierungschef laut Ukrainska Pravda, ohne zu präzisieren, was er mit seiner Warnung meinte. Er werde das Recht Serbiens, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, verteidigen, bekräftige Vučić laut dem Bericht.
Stellen Sie sich vor: Wenn die Ukraine die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennt, wird sie an einem Tag alles verlieren.
Ukraine-Krieg: Serbien trägt viele Sanktionen gegen Russland nicht mit
Vučić Regierung trägt in Zeiten des russischen Angriffkriegs gegen die Ukraine viele Sanktionen gegen Moskau nicht mit. Serbien ist weder Teil der Europäischen Union (EU) noch der westlichen Verteidigungsallianz Nato und erkennt seinerseits die Unabhängigkeit des Kosovo nicht an, um die beide Länder zwischen Februar 1998 und Juni 1999 den blutigen Kosovokrieg führten, der mit der Bombardements serbischer Städte durch die Nato endete.
Der oder das Kosovo erklärte sich schließlich 2008 für unabhängig. Zuvor war das Land mit seinen heute rund 1,8 Millionen Einwohnern eine Provinz Serbiens und davor Teil Ex-Jugoslawiens, das maßgeblich durch Belgrad geprägt war. Der Kosovo wird zum Großteil von albanisch-stämmigen Kosovaren bewohnt, der Anteil der serbischen Minderheit im Norden soll nur rund acht Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Dennoch beansprucht Belgrad das Gebiet weiter für sich, weswegen der Konflikt immer wieder aufflammt. 115 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen die Republik Kosovo mittlerweile als unabhängigen Staat an – die Ukraine zählt bislang nicht dazu.
Kosovo: KFOR-Soldaten nach Ausschreitungen militanter Serben verletzt
Im Mai wurden etwa 30 italienische und ungarische Soldaten der internationalen Friedenstruppe KFOR bei Ausschreitungen militanter Serben im Kosovo verletzt. Auch 50 Serben erlitten bei den Randalen Verletzungen. Daraufhin schickte die Nato 700 weitere Soldaten in das kleine Land, in dem zuvor bereits 3800 Soldaten der Nato-geführten Schutztruppe KFOR stationiert waren. (pm)
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