Umfrage vor Kirk-Trauerfeier: Stimmung in den USA schlägt um
VonBabett Gumbrecht
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Seit den Schüssen auf Kirk ist die Lage in den USA angespannt. Republikaner fordern von Trump schärfere Maßnahmen gegen extrem linke Bewegungen.
Glendale/Washington DC – Elf Tage nach dem tödlichen Attentat auf den ultrarechten US-Aktivisten und Podcaster Charlie Kirk findet am Sonntag (21. September) in Glendale im US-Bundesstaat Arizona eine Trauerfeier statt. Dazu werden unter anderem US-Präsident Donald Trump und sein Vize JD Vance erwartet. Die Stimmung vor dem Ereignis, welches um 20 Uhr (11 Uhr Ortszeit) startet, ist angespannt.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Denn der Anschlag auf Kirk zieht in den USA große Kreise. Laut einer neuen Umfrage ist die Mehrheit der Republikaner inzwischen der Ansicht, dass sich die Vereinigten Staaten in die falsche Richtung bewegen. Der Grund: Die negative Stimmung hat nach der Ermordung des konservativen Aktivisten Kirk zugenommen. Laut Newsweek sagten in einer Umfrage von AP-NORC im September, direkt nach Kirks Tod, 51 Prozent der Republikaner, das Land sei auf dem falschen Weg. Zum Vergleich: Im Juni waren es noch 29 Prozent. An der Umfrage nahmen 1183 Erwachsene teil. Die Fehlerspanne liegt bei plus/minus 3,8 Prozentpunkten.
Kirk-Attentat spaltet USA: Experten warnen vor zunehmender Radikalisierung durch Hass im Netz
Zum Hintergrund: Am vergangenen Mittwoch (10. September) war auf dem Campus einer Universität in Utah auf Kirk geschossen worden, als dieser dort vor zahlreichen Menschen sprach. Auf Videos in sozialen Medien war der Schuss zu hören. Zu sehen war, wie der 31-Jährige tödlich getroffen wurde. Menschen warfen sich auf den Boden, schrien, rannten weg. Kirk starb wenig später im Krankenhaus.
Kirks Tod entfaltet in den USA eine enorme politische Schlagkraft. Der Trump-Unterstützer war eine prägende Stimme der US-Rechten und erreichte ein Millionenpublikum, vor allem junge Männer. 2012 gründete er die Jugendorganisation Turning Point USA, die heute an zahlreichen Highschools und Hochschulen aktiv ist. Als prominenter Vertreter der MAGA-Bewegung verschaffte er Trump wichtige Stimmen junger Konservativer. Kirk galt als enger Vertrauter von Vizepräsident JD Vance und von Trumps ältestem Sohn, Donald Trump Junior.
Das Attentat reiht sich ein in eine Serie politisch motivierter Gewalttaten in den USA. Vor wenigen Monaten wurden im Bundesstaat Minnesota eine demokratische Politikerin und ihr Ehemann erschossen. Auch auf Trump war im vergangenen Jahr bei einem Wahlkampfauftritt geschossen worden. Behörden und Experten warnen seit Langem vor zunehmender Radikalisierung – befeuert durch Hass im Netz und eine zunehmend aggressive Rhetorik.
Trump-Regierung nutzt Kirk-Attentat: Gewaltprobleme sollen Phänomen der „radikalen Linken“ sein
Die Trump-Regierung streitet allerdings ab, politisch motivierte Gewalt sei ein Problem beider Seiten, und stellt sie primär als Phänomen der „radikalen Linken“ dar. Seit dem Attentat nutzen der Präsident und sein Umfeld die enorme Reichweite von Kirks Organisationen und Medienplattformen nicht nur, um an den Aktivisten zu erinnern – sondern auch, um eigene politische Botschaften zu platzieren.
Die neueste Meinungsumfrage verdeutlicht den tiefen Zorn der Republikaner bezüglich Kirks Ableben. Sie verlangen schärfere Maßnahmen gegen extremistische linke Bewegungen und aufwiegelnde Sprache. Trump verkündete etwa, die Antifa offiziell als Terrororganisation zu klassifizieren. Bürgerrechtsorganisationen warnen jedoch vor Eingriffen in die Meinungsfreiheit und kritisieren eine zunehmend restriktive Regulierung der freien Rede. Als Beispiel führen sie die Kontroverse um den Moderator Jimmy Kimmel an, dessen jüngste Aussagen zur vorläufigen Einstellung seiner ABC-Talkshow führten.
Überblick: Daten und Fakten zur Trauerfeier von Charlie Kirk
Höchste Sicherheitsstufe (vergleichbar mit Super Bowl)
Motto
„Ein Vermächtnis schaffen - In Erinnerung an Charlie Kirk“
Veranstalter
Turning Point USA (von Kirk gegründete Organisation)
Hauptredner
Donald Trump (US-Präsident), J.D. Vance (Vizepräsident), Erika Kirk (Witwe von Charlie Kirk)
Die Erhebung von AP-NORC zeigt einen zunehmenden Pessimismus der Republikaner bezüglich der nationalen Entwicklung. Der Prozentsatz der Erwachsenen, die das Land für fehlgeleitet halten, ist seit Juni um 13 Prozentpunkte von 62 Prozent auf 75 Prozent angestiegen. Diese Veränderung zeigt sich hauptsächlich bei republikanischen Wählern. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir Sorgen über den sich verschlechternden politischen Diskurs und nun über die beunruhigenden Attentate zu machen“, sagt Chris Bahr, ein 42-jähriger Republikaner aus Houston, gegenüber Associated Press.
Kluft zwischen Republikanern wird größer: Trump macht US-Medien für schlechte Stimmung verantwortlich
Der Vertrauensverlust der Republikaner bezüglich des Landes wird voraussichtlich die künftigen politischen Diskussionen und Trumps Strategien beeinflussen. Die bereits bestehende Kluft innerhalb der Republikanischen Partei zwischen Befürwortern kompromissloser Maßnahmen und Politikern, die auf Respekt und nationale Geschlossenheit setzen, dürfte sich weiter vertiefen, so Newsweek.
Trump setzt zudem seinen Feldzug gegen Medien fort, die kritisch über ihn berichten. Er nannte es „wirklich illegal“, dass US-Medien überwiegend negativ über ihn und seine Regierung berichten würden. Laut der OrganisationReporter ohne Grenzen ist seit dem Mordanschlag auf Kirk eine weitere massive Verschärfung des Vorgehens gegen Trump-kritische Journalisten bemerkbar.
Die Trauerfeier von Kirk, auf der auch Trump eine Rede halten soll, könnte die Spaltung noch vorantreiben. Die Gedenkveranstaltung findet am Sonntag (21. September) in einem Football-Stadion im Bundesstaat Arizona statt, wo Kirk zuletzt mit seiner Familie lebte. Es werden Zehntausende Gäste erwartet. Neben Witwe Erica Kirk, Trump und dessen Stellvertreter JD Vance wollen auch weitere Regierungsvertreter und Trumps ältester Sohn, Don Jr., teilnehmen. (Quellen: dpa, Newsweek, Associated Press) (bg)