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Die Rolle der Frau gehört im Vatikan zu den großen Debatten. Der Vertraute von Papst Franziskus hat diese Diskussion mit Aussagen wieder neu angestoßen.
Rom – Im Vatikan wird die Stellung der Frau in der katholischen Kirche schon seit Langem diskutiert. Die Debatte über die Machtfrage oder zumindest das Nachdenken über die Rolle der Frau hat der künftige Leiter der obersten Glaubensbehörde des Heiligen Stuhls mit seinen neuerlichen Aussagen nun erneut auf den Plan gerufen.
„Wenn das Nachdenken über die Rolle der Frauen in der Kirche keine praktischen Konsequenzen hat“, sagte der zukünftige Glaubenspräfekt, Erzbischof Victor Fernandez, der italienischen Tageszeitung La Repubblica, „wenn man nicht die Frage nach der Macht in der Kirche stellt und wenn man nicht in der Lage ist, den Frauen Bereiche zu geben, in denen sie mehr Einfluss haben, dann wird dieses Nachdenken immer unbefriedigend bleiben.“
Machtfrage im Vatikan: „Verarmung dieser Idee“ – Vertrauter von Papst Franziskus äußert sich zur Rolle der Frau
Was zunächst nach einem drastischen Vorhaben klingt und als Bruch einer jahrhundertealten Tradition im Vatikan aufgefasst werden könnte, ließ der Vertraute von Papst Franzikus und bald wohl zweitwichtigste Mann im Kirchenstaat aber nicht so stehen.
Denn Fernandez, der sich Attacken von „extremen Gruppen“ im Vatikan ausgesetzt sieht, sprach sich jedoch mit deutlichen Worten dagegen aus, die Frage auf den Zugang von Frauen zu Weiheämtern zu beschränken: „Das wäre eine Verarmung dieser Idee.“
Beschwerde an den Vatikan: Kirchentreue Frauen empört über Nichtbeachtung bei Weltsynode
Und dennoch skizzierte der argentinische Erzbischof mögliche Gedankenspiele, die im Vatikan existieren könnten, um Frauen mehr in der Kirche einzubinden und zunehmend in wichtige Positionen zu bringen. Allerdings passt eine Entscheidung aus den vergangenen Wochen so gar nicht ins Bild der Aussagen von Fernandez. Jedenfalls nicht aus der Sicht gewisser Kreise in Deutschland.
Denn auch wenn ein Siebtel der Teilnehmer an der Weltsynode Frauen sind, ist die Empörung der Teilnehmerinnen des sogenannten Forums der Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche des synodalen Wegs gegenüber dem Vatikan groß. So groß, dass sich ehemalige Mitglieder genötigt sahen, einen offenen Brief an verschiedene Persönlichkeiten in Rom zu senden. Der Auslöser für das Schreiben war, dass die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, nicht als Teilnehmerin für die im Oktober stattfindende Weltsynode berücksichtigt, sondern ihr Stellvertreter, Thomas Söding berufen wurde.
Affront vom Vatikan: Nichtberücksichtigung stößt aber nicht allen übel auf
In dem Schreiben kritisieren die Unterzeichner die Auswahl der Teilnehmer der Weltsynode in Rom. Von den deutschen Teilnehmern der Kontinentalsynode in Prag sei Irme Stetter-Karp als stimmberechtigtes Mitglied der Weltsynode vorgeschlagen worden. Bekanntlich wurde Stetter-Karp nicht berücksichtigt. Diese Entscheidung empfinde man, so die Unterzeichnerinnen, als Affront.
Doch nicht überall stößt die Nichtberücksichtigung von Stetter-Karp bei der Weltsynode in Rom auf Empörung. Vonseiten der konservativen Laieninitiative „Maria 1.0“ heißt in einer Pressemitteilung, dass man „die Entscheidung begrüßt, Frau Dr. Irme Stetter-Karp nicht als stimmberechtigtes Mitglied benannt zu haben, da sie (…) immer wieder gezeigt hat, dass sie kein ehrliches Interesse an einer wahrhaft synodalen Kirche hat“.
Weltsynode des Vatikans: Papst Franziskus will die Dialog über strittige Themen mit allen Lagern
Auch abseits der Kritik aus Deutschland und der andauernden Diskussionen über die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wird die Weltsynode des Vatikans mit Spannung erwartet. Denn sie könnte der Auftakt für Reformen werden. Deshalb will Papst Franziskus, der eine Reise nach Russland zu Putins Patriarchen Kyrill angeboten hat, offenbar alle Lager einbinden, um den Dialog über strittige Themen anzukurbeln. Dabei könnte es sich auch um das Verbot der Segnung homosexueller Paare drehen, das die Glaubensbehörde im 2021 formuliert hatte.
„Ich glaube, es ist weiterhin möglich, diese Aussage zu präzisieren, zu ergänzen und zu verbessern – und sie hoffentlich besser von den Lehren von Papst Franziskus erhellen zu lassen“, deutete Fernandez im Interview mit La Repubblica an. Nach den aufreibenden Wochen um die Abschiebung von Georg Gänswein durch Papst Franziskus, dessen Ankunft und neuen Aufgaben in Freiburg oder die Befürchtung, dass der Pontifex das Erbe von Papst Benedikt XVI. zerstört sowie die neuen Anschuldigungen im Vermisstenfall von Emanuela Orlandi, wären positive Schlagzeilen wohl eine willkommene Abwechselung für den Vatikan.
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