Renten-Streit eskaliert

Nach Arbeitgeber-Eklat: CSU watscht „Klassenkampfparolen“ von Bas ab – „Verstörend“

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Von Klarstellung bis Rücktritt: Ihre Arbeitgeber-Kritik in der Renten-Debatte wird für Bärbel Bas zum Bumerang. Die CSU wird besonders deutlich.

Berlin – Der aktuelle Rentenstreit ist längst zur Existenzfrage für die schwarz-rote Koalition geworden, und damit auch für Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Denn Bas steht seit Tagen für ihre Aussagen zum Rentenpaket und ihre Kritik an den Arbeitgebern auf dem Juso-Parteitag in der Kritik. „Was wir von Frau Bas in diesen Tagen hören, ist höchst verstörend. Das passt gar nicht zusammen und trägt auch nicht dazu bei, die Diskussion zu beruhigen, im Gegenteil“, rügt Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, im Interview mit dem Tagesspiegel.

Der CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, findet Bärbel Bas’ Aussagen „höchst verstörend“.

Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Christian von Stetten (CDU), spricht sogar von einer „Fehlbesetzung im Amt“ wegen Bas’ Klassenkampfparolen auf Juso-Treffen. Zur Einordnung: Bas hatte am Wochenende (29./30. November) auf dem Juso-Bundeskongress gesagt, ihr Auftritt auf dem Arbeitgebertag in der vergangenen Woche sei „ein Schlüsselerlebnis“ für sie gewesen. Es sei „da besonders deutlich“ geworden, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“.

Streit um Rente: Bas-Kritik an Arbeitgeber erzürnt die CSU

Laut Holetschek ist es befremdlich, wenn „ausgerechnet die Arbeitsministerin tönt, nun wisse sie, ‚gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen‘“. Statt „Klassenkampfparolen“ in der Renten-Debatte zu verbreiten, sollte die Arbeitsministerin zusammenführen. Laut dem CSU-Politiker müsse es Bas’ Ziel sein, Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaften an einen gemeinsamen Verhandlungstisch zu bringen: „Das wäre die Aufgabe von Frau Bas, und nicht die Spaltung des Landes.“

Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann kritisierte Bas’ Äußerungen. Nach der Präsidiumssitzung berichtete er von „sehr vielen Nachrichten zu diesem Thema“ und mahnte, die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften habe Deutschland groß gemacht. „Ich würde mich freuen, wenn es eine Klarstellung der Bundesarbeitsministerin gibt“, sagte Linnemann.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bislang gab es diese nicht. Die Parteichefin ging bisher eher in die Defensive. „Ich bin diejenige, die gerade voll im Feuer steht. Ich bin die gefühlte Transformationsfläche, die diesen Sozialstaat noch hochhält, der eigentlich für viele in diesem Land wegmuss“, verteidigte sich die Ministerin zu der Kritik, zum Beispiel zu den schärferen Sanktionen für die Bürgergeld-Reform, beim Kongress in Mannheim. Sie wolle „jetzt kein Mitleid oder so“, aber sie stehe gerade nicht nur im Wind, sondern im Orkan. 

Nach Auftritt beim Arbeitgebertag: FDP-Chef fordert Rücktritt von Bas wegen „Verhöhnung“

Sie habe sich bei ihrem Auftritt beim Deutschen Arbeitgebertag am 25. November, „dafür starkgemacht, auch diejenigen Menschen nicht zu vergessen, die nur von der gesetzlichen Rente leben“ und die „Steuerfinanzierung des Rentenniveaus angesprochen“. Dafür sei sie „ausgelacht worden“, fuhr Bas fort. Das habe ihr „gezeigt, wo die Linien in diesem Land wirklich verlaufen“. FDP-Chef Christian Dürr forderte sogar die Entlassung der Arbeitsministerin. Die SPD-Politikerin verhöhne „all jene, die in Deutschland etwas leisten und Arbeitsplätze schaffen“, sagte er dem Nachrichtenportal web.de.

Diese Aussagen sorgten nicht nur für Kritik aus der Politik. Auch Arbeitgeberpräsident Dulger rügte die Äußerungen als „Aufruf zum Kampf gegen Arbeitgeber“, der „in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos“ sei. Mittelstandschef Ahlhaus erklärte, die Arbeitsministerin betreibe „im Juso-Sandkasten von Mannheim jungsozialistische Folklore und Unternehmer-Bashing“. Was man jetzt brauche, seien an der Realität orientierte Lösungen für die Rente und „keine warmen Fußbäder für reformscheuen Parteinachwuchs“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Übersicht: Fünf Fakten zu Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)

Herkunft und AusbildungGeboren am 3. Mai 1968 in Duisburg, Hauptschulabschluss 1984, Ausbildung zur Bürogehilfin bei der DVG Duisburg
Berufslaufbahn14 Jahre bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft, später Betriebskrankenkasse, zuletzt Leiterin Personalservice
Politischer EinstiegStadtrat Duisburg (1994-2002), parallel Betriebsrätin und Gewerkschaftsarbeit
Bundestag-KarriereMdB seit 2009, Gesundheitsausschuss, Parlamentarische Geschäftsführerin, stellv. Fraktionsvorsitzende
Spitzenämter2021 bis 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages; Seit Mai 2025 Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Neben Patzer durch Klassenkampfparolen: Bas auch im Rentenzoff mit Junger Union

Neben ihren kontroversen Aussagen gegen Arbeitnehmer kämpft Bas auch gegen den Widerstand junger Unionsabgeordneter. Die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe lehnen das von Bas geschnürte und von der Bundesregierung beschlossene Rentenpaket ab. Das darin angepeilte Rentenniveau – also das Verhältnis der gesetzlichen Rente eines Standardrentners mit 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst aller Erwerbstätigen – von 48 Prozent über 2031 hinaus würde ihrer Überzeugung nach inakzeptable Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen.

Eigentlich plant Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Abstimmung im Bundestag für diesen Freitag (5. Dezember) Selbst wenn in der Probeabstimmung am Dienstag (2. Dezember) noch Stimmen fehlen sollten, wären noch drei Tage Zeit, um die Mehrheit zu sichern. Wenn alles schiefläuft, dann steckt die Koalition ganz tief in einer existenziellen Krise. Einen Plan B scheint es bisher nicht zu geben.

Bas-Rhetorik schadet Koalition: Zukunft der Merz-Regierung steht wegen Rentenstreit auf der Kippe

Bas warnte im November vor einem Bruch der Koalition. „Ich würde es nicht verstehen, wenn die Koalition an einem technischen Detail bei der Rente scheitert“, so Bas im Interview mit dem Tagesspiegel. Sie fügte hinzu: „Profitieren würde davon nur eine Partei, nämlich die AfD“. Ob Bas’ kämpferische Rhetorik der SPD hilft oder schadet, wird sich spätestens am Freitag zeigen – wenn über das Schicksal des Rentenpakets und möglicherweise der gesamten Koalition entschieden wird. (Quellen: dpa, Tagesspiegel) (bg)

Rubriklistenbild: © Rolf Poss/Bernd Elmenthaler/IMAGO/Montage

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