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Die Angst vor Altersarmut ist für viele real. Es gibt aber Möglichkeiten, sich mit ein paar Euro pro Monat abzusichern. Wichtig ist: früh anfangen.
Riester-Rente, Lebensversicherungen oder die klassische Immobilie, Möglichkeiten für das Alter vorzusorgen gibt es einige. Die Riester-Rente, eine private Vorsorge mit staatlicher Bezuschussung, die vor einigen Jahren noch sehr beliebt war, gilt heute als gescheitert. Denn während die Beitragskosten für Versicherte stetig steigen, sinken die Chancen auf interessante Renditen. Und für den schlanken Geldbeutel von Berufseinsteiger:innen sind die anderen Optionen nicht geeignet. Da die gesetzliche Rente für viele nicht ausreichen wird, ist Altersarmut das Thema, das vor allem jüngere Generationen wie Millennials und Gen Z bewegt.
Besonders Frauen haben eine schlechte Beziehung zu Finanzen und Rente und sind stärker gefährdet, in die Altersarmut zu rutschen. Expert:innen raten vom Sparen ohne Strategie ab, da Zinsen nicht mehr so hoch seien wie früher. Im Gegenteil, wer sein Geld auf die hohe Kante legt, müsse wegen anhaltender Inflation mit Wertverlust rechnen. Es gibt aber noch andere Wege, um mit kleinem Budget für das Alter vorzusorgen. Eine Finanzexpertin hat uns verraten, wie viel du für die Rente zurücklegen solltest.
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ETF: Wie man Geld günstig auf dem Kapitalmarkt anlegt
ETF ist die Abkürzung für „Exchange-Traded Fund“. Übersetzt bedeutet das: börsengehandelter Fonds. Das Ziel eines Fonds ist es, Anlagen (Geld) möglichst gewinnbringend zu investieren. ETF ist eine spezielle Variante der Investmentfonds, die einen bestimmten Börsenindex wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (DAX) nachbilden, und wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Expert:innen empfehlen, ETFs auf einen internationalen Aktienindex anzulegen, zum Beispiel den MSCI World, der 1600 Aktien enthält (der DAX dagegen nur 30). Denn je mehr Firmen dabei sind, desto stabiler bleibt der Wert deiner Anlagen, auch wenn es einzelnen Unternehmen finanziell schlecht geht.
Bei allen Fonds, ob herkömmlich oder ETFs, zahlen viele Anleger:innen in einen gemeinsamen Topf ein. Dieses Kapital wird je nach Fonds-Strategie in ein Projekt investiert. Wichtig: Dein ETF-Anteil entwickelt sich in der Regel so, wie der Index, den er abbildet. Wenn du also den Börsenindex, den dein ETF abbildet, regelmäßig verfolgst, weißt du, wie sich deine Anlage entwickelt.
Der Vorteil bei ETFs: Man kann auch schon mit sehr kleinen Beträgen einsteigen und die Verwaltungskosten sind sehr niedrig. Allerdings muss man eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen, denn garantiert ist nichts. Das Geschäft mit Fonds ist außerdem sehr dynamisch, da sie jederzeit gekauft und verkauft werden können, das heißt du kannst sie leichter zu Bargeld machen, als herkömmliche Fonds. Trotzdem empfehlen Expert:innen, über mehre Jahre (mindestens zehn) zu investieren.
Direktbanken und Fondsvermittler:innen bieten ETF-Sparpläne an. Du investiert in ein ETF den Betrag deiner Wahl. Die Anbieter reinvestieren die Gewinne und du profitierst von Zinsen. Auf einen langen Zeitraum angelegt kann das ein sinnvoller Weg sein, um günstig für das Alter vorzusorgen. ETF-Sparpläne gibt es schon ab 25 Euro monatlich.
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Betriebliche Altersvorsorge: Mit dem Arbeitgeber für die Rente sparen
Unter die betriebliche Altersvorsorge (bAV), auch bekannt als „Betriebsrente“, fallen alle finanziellen Leistungen, die ein Arbeitgeber zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung zur Altersvorsorge seiner Arbeitnehmer:innen leistet. Dazu gehören auch die Hinterbliebenenversorgung (falls nach dem Tod der versicherten Person ein Ehe- oder Lebenspartner in eingetragener Lebenspartnerschaft oder Kinder zurückbleiben) und in manchen Fällen Invaliditätsversorgung, die eintritt, sollte man beispielsweise wegen Krankheit berufsunfähig werden.
Die betriebliche Altersvorsorge funktioniert so, dass der Arbeitgeber einen Vertrag mit einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds oder einer Direktversicherung abschließt und einen festgelegten Betrag dorthin überweist. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Dein Arbeitgeber finanziert die Betriebsrente alleine, oder du steckst einen Teil deines Gehalts in die bAV und dein Arbeitgeber gibt einen Zuschuss. Letzteres ist relativ neu, denn seit 2019 müssen sich Arbeitgeber mit 15 Prozent am Bruttobeitrag beteiligen.
Der Vorteil bei dieser Art von Altersvorsorge: Du kannst direkt einen Teil von deinem Gehalt in deine Rente einzahlen lassen und im zweiten Fall auch noch einen Bonus mitnehmen. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass diese Rente versteuert werden muss. Deswegen lautet der bekannte Spruch für die bAV: „Heute sparen, morgen zahlen“. Ob sich das für dich lohnt, hängt unter anderem auch von deiner Steuerklasse ab.
Private Rentenversicherung: Aus eigener Tasche zahlen
Die private Rentenversicherung funktioniert ähnlich wie die gesetzliche, nur dass du die monatliche oder jährliche Leistung bei einem privaten Anbieter einzahlst. Wie hoch diese Leistungen sind und wie lange du sie zahlst, wird vor Vertragsabschluss festgelegt. Dabei rechnet der Anbieter dir in der Regel vor, wie viel Rente du im Alter bekommst. Sicher ausgezahlt wird dir als Einzahler:in aber nur ein Mindestbetrag der Rente, der dir vorab mitgeteilt wird. Der andere Teil, die sogenannte „Gewinnrente“, wird nicht garantiert und hängt von äußeren Faktoren ab. Zum Beispiel vom Geschäftserfolg des Anbieters.
Der Vorteil: Du kannst selbst entscheiden, wie viel du zahlen möchtest. Auch mit wenig Budget ist diese Art der Altersvorsorge also möglich. Allerdings fällt der Rentenbeitrag dementsprechend auch niedriger aus. Bei kleiner Einzahlung ist die Laufzeit entscheidend, denn je früher du beginnst, desto mehr bekommst du am Ende ausgezahlt. Wenn du eine Langzeitstrategie fahren
Eine andere Variante der privaten Rentenversicherung ist die fondsgebundene Rentenversicherung. Dabei investiert die Versicherung dein Geld in verschiedene Fonds. Damit kann sich die Chancen auf eine bessere Rendite, also höhere Auszahlungen, steigern, sodass deiner kleinen Einzahlung große Auszahlungen folgen können. Aber je nach Investitionsgeschick der Versicherung und der Marktlage kann sich deine Ausschüttung auch verringern, deswegen gilt die fondsgebundene Rentenversicherung als deutlich riskanter.
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