VonJana Stäbenerschließen
Fast 80 Prozent aller Frauen werden in Altersarmut rutschen, wenn sie sich nicht um ihre Rente kümmern. Woher kommt diese Ablehnung gegenüber Finanzen?
Eine Umfrage von Appinio* zeigt: Männer haben mehr und öfter Geld auf der hohen Kante, das sie für ihre Rente sparen können. Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, weniger als 1000 Euro gespart zu haben, bei den Frauen sind es 26 Prozent. Problematisch sind diese Zahlen deswegen, weil heute eigentlich niemand mehr darum herumkommt, für die Rente zurückzulegen. Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland hat uns die Finanzexpertin Susanne Krehl verraten, wie viel du für die Rente zurücklegen solltest.
Krehl hat die App Fabit gegründet, mit der User:innen Ausgaben und Einnahmen tracken können, um so Sparpotenziale fürs Alter zu entdecken. Besonders wichtig für Frauen. Denn laut Schätzungen werden rund 80 Prozent aller Frauen in Deutschland im Alter am Existenzminimum leben, wenn sie nicht anfangen, sich gezielt und systematisch um ihre Altersvorsorge zu kümmern, schreibt die Bundesagentur für Arbeit.
Frauen und Finanzen: Warum ist diese Beziehung so schwierig?
„Es gibt Studien, dass Frauen weniger Vertrauen in ihre Finanzkenntnisse haben – trotz gleichem Wissen“, sagt die Finanzapp-Gründerin Susanne Krehl, die mit ihrer Finanzapp helfen will, die Rente von Frauen zu verbessern BuzzFeed News Deutschland. Die traditionelle Rollenverteilung spüre man beim Thema Finanzen bis heute. „Frauen managen eher das tägliche Budget im Haushalt, während Männer langfristige Anlagen tätigen.“
Aber warum ist das so, fragen wir Krehl, die als 37-jährige Frau aus der Fintech-Branche eigentlich genau das Gegenteil lebt. „Ich glaube, das liegt nicht nur an dem typischen Bild des Mannes als Familienernährer, sondern auch an der mangelnden Repräsentation von Frauen in der Finanzwelt“, sagt Krehl.
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Welche Auswirkungen hat der Gender-Pay-Gap auf den weiblichen Umgang mit Finanzen?
Dass Männer laut Appinio häufiger riskantere Finanzprodukte wie Kryptowährungen, Aktien und ETFs als Frauen besitzen, und die beim Sparkonto führen, führt Krehl auch noch auf einen weiteren Punkt zurück. „Vielleicht hat es auch kulturelle Hintergründe: Kleine Jungs werden eher ermutigt, zu klettern und über Gräben zu springen. Selbst in jüngeren Generationen hält sich das mentale Konzept, dass Männer eher die Freiheit haben, was auszutesten.“
Das merke man dann in der Finanzwelt: Männer seien auch dort risikofreudiger, verlieren zwar mehr, setzen aber auch eher auf gute Kandidaten. „Diese Prägung ist sicher ein großer Faktor.“ Auch der Gender-Pay-Gap wirke sich hier aus. „Wenn ich mehr Kapital habe, dann kann ich mehr machen“, so Krehl. „Frauen verdienen rund 18 Prozent weniger als Männer, klar führt das auch dazu, dass sie nicht so viel investieren können.“
Wichtig sei jedoch zu wissen: „Es gibt keine Untergrenze beim Anlegen.“ Auch wer wenig verdient, sollte, wenn möglich, 20 Prozent seines Einkommens zurücklegen. Um für die Rente vorzusorgen, müsse sich jede Frau ihre Rentenlücke berechnen, indem sie sich ihre Renteninformation anschaut. Dann wisse sie ganz genau, wie viel Geld sie im Alter zusätzlich brauche und dann gehe es darum, passende Finanzprodukte (private Rentenversicherungen, ETFs, Festgeldkonten oder auch Aktien) zu finden, um die Rentenlücke zu schließen. Am wichtigsten sei bei der Wahl die Risikostreuung, so Krehl.
*Die Umfrageteilnehmer:innen von Appinio wurde mithilfe einer App rekrutiert. Hier kann es also zu Verzerrungen kommen, für die auch eine Umfrage zu Gewalt bei Männern kritisiert wurde.
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Rubriklistenbild: © Pond5/IMAGO, Michael Gstettenbauer/IMAGO, Collage

