VonGiorgia Grimaldischließen
Neben der klassischen Altersvorsorge, werden auch nachhaltige, also „grüne“ Investitionsmöglichkeiten immer relevanter. Was es damit auf sich hat und wie du einsteigen kannst.
Deutschland ist unzufrieden mit dem aktuellen Rentensystem, das hat eine Umfrage gezeigt. Demnach ist für 83 Prozent der Befragten die Rente seit Jahren das „mit Abstand dringlichste Thema“, das die Politik durch eine Reform angehen sollte. Der Versuch, über die Einrichtung eines öffentlich verantworteten Fonds zu diskutieren, scheiterte.
Viele Menschen suchen weiter nach privaten Vorsorgemöglichkeiten. Wie viel du für die Rente zurücklegen solltest, hat uns eine Finanzexpertin verraten.
Neben den klassischen privaten Investitionsmöglichkeiten wie Immobilien oder Aktien spielen auch nachhaltige Fonds eine Rolle, die für junge Menschen, die sich um ihre Rente sorgen, interessant sein können. Laut des Marktberichts des Forums nachhaltige Geldanlagen (FNG) wächst dieser ursprüngliche Nischenmarkt stärker als andere, sowohl international als auch in Deutschland. So betrug die Gesamtsumme nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland am 31. Dezember 2022 578,1 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 15 Prozent.
Wenn du bis hier nur Bahnhof verstanden hast, solltest du dir unser Renten-Lexikon mit den acht wichtigsten Begriffen durchlesen, damit du durchblickst.
Was bedeutet „nachhaltiger Fonds“?
Grüne Fonds bündeln mehrere, oft hunderte ökologisch nachhaltige Anleihen. Mit einer Anleihe leiht sich der Herausgeber, zum Beispiel Staaten oder Unternehmen (auch „Emittenten“ genannt) Geld von den Anleger:innen (den Menschen, die einzahlen) und zahlt diesen dafür einen festen Zins. Diese Zahlungen nennt man auch „Renten“, daher der Name „Rentenfonds“.
Grüne Anleihen sind in Struktur, Rendite und Risiko meist ähnlich gestaltet wie herkömmliche Fonds, nur dass das Geld, das die Emittenten damit einsammeln, nachhaltigen Zwecken dient. Oft wird in drei Hauptkategorien unterschieden, bei denen die Anleihen umweltfreundliche oder soziale Projekte finanzieren. Das Geld kann aber auch in Banken, Unternehmen oder Staaten fließen, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.
1. Green Bonds
Unter „Green Bonds“ versteht man ein festverzinsliches Wertpapier, das zur Kapitalbeschaffung für Umweltschutz oder für die Reduzierung von Umweltschäden dient. Zielt das Projekt konkret auf Klimaschutz ab, ist manchmal auch von „Climate Bonds“ die Rede. Die Frankfurter Börse hat mittlerweile ein eigenes Green Bond Segment, das mehr als 400 Öko-Anleihen umfasst. Mit solchen Geldern können Elektromobilität, der Ausbau von erneuerbaren Energien oder der Bau energieeffizienter Gebäude gefördert werden.
Mehr zum Thema: 10 Fehler, die junge Menschen bei der Rente machen
2. Social Bonds
Social Bonds umfassen Anleihen, deren Erlöse anteilig oder vollständig zur Finanzierung sozialer Projekte verwendet werden. Sie werden an den Social Bond Principles der ICMA („International Capital Market Association“) ausgerichtet, die auch Richtlinien für Green Bonds vorgibt. Mit den Geldern können Projekte für den Gesundheitssektor oder Hilfen für Arbeitssuchende geschaffen werden. Aber auch der Ausbau der sozialen Infrastruktur wird über Social Bonds finanziert.
3. Staats- oder Unternehmensanleihen
Wird in Anleihen von Staaten, Banken oder Unternehmen investiert, beziehen sich die Kriterien (ökologisch oder sozial nachhaltig) nicht auf ein konkretes Projekt, sondern auf den Emittenten selbst beziehungsweise dessen Geschäftstätigkeit. Die beteiligten Unternehmen sollten nicht in die Rüstungsindustrie investieren oder mit anderen umstrittenen Branchen zusammenarbeiten. Staaten, deren Anleihen als nachhaltig gelten, können ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet oder den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen haben.
Der erste Schritt als Anleger:in
Als ersten Schritt empfehlen Expert:innen meist ein Beratungsgespräch, beispielsweise bei der Bank, die entsprechende Finanzprodukte anbietet. Seit August 2022 schreibt eine EU-Regel Anlageberater:innen sogar vor, ihre Kundschaft zu fragen, ob sie ihr Geld auch in nachhaltige Produkte stecken wollen.
Du kannst auch auf eigene Faust recherchieren und nach sogenannten ETFs (Abkürzung für „Exchange-Traded Fund“) suchen. Diese börsengehandelten Fonds können eine von mehreren Möglichkeiten sein, mit wenig Geld für das Alter vorzusorgen. Sie stellen eine Variante der Investmentfonds dar, die einen bestimmten Börsenindex wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (DAX) nachbilden.
Wenn du nur in sozial oder ökologisch wertvolle Anlagen investieren willst, kannst du dich in Zukunft am offiziellen Nachhaltigkeitssiegel für Anleihen der EU orientieren. Die Einführung dieses Labels wurde im März dieses Jahres beschlossen. Oder du suchst dir direkt Aktienindizes heraus, die dementsprechende Wertpapiere nachzeichnen, wie diese hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).
| DAX 50 ESG | Die 50 nachhaltigsten Unternehmen aus dem DAX |
|---|---|
| DJSI World | Aus dem Dow Jones World Index (2.500 Aktien) werden die nachhaltigsten Aktien gewählt |
| EURO STOXX Sustainability 40\t | Aus dem EURO STOXX 600 Index (600 Aktien) werden die 40 nachhaltigsten Titel ausgewählt |
| Natur Aktien Index | 30 explizit nach ethisch-ökologischen Kriterien ausgewählte Unternehmen |
Mehr zum Thema: Für unsere Autorin sollten Aktien als Investition für die Rente nicht nur eine Option, sondern Pflicht sein.
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