VonMaximilian Gangschließen
Die Asiatische Hornisse breitet sich auch bei uns aus. Das Insekt wird vor allem zur Nestverteidigung aggressiv. Wer gestochen wird, sollte schnell handeln.
Hamm – Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse ist nicht mehr aufzuhalten. An vielen Stellen befindet sich die Forschung noch in den Kinderschuhen, doch bei dieser Frage sind sich die Experten einig. Derzeit kommen fast täglich neue Sichtungen hinzu, teilweise sogar gleich mehrere innerhalb von 24 Stunden. Vielen Imkern bereitet das Sorgen, denn das invasive Insekt frisst Bienen und andere Bestäuberinsekten. Die Folgen für das heimische Ökosystem sind derzeit noch nicht abzusehen. Wer ein Nest entdeckt, sollte jedoch nicht selber versuchen, es zu entfernen – zum eigenen Schutz.
LANUV warnt: Asiatische Hornisse markiert Mensch beim Stich als „Angreifer“
Wer von einer Asiatischen Hornisse gestochen wird, sollte „sich schnellstens in einem geschlossenen Raum in Sicherheit bringen“, sagt Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) aus NRW, auf Nachfrage von wa.de. Das klingt drastisch, immerhin ist der einzelne Stich für Menschen ohne besondere Allergien zwar schmerzhaft, aber ungefährlich. Allerdings setzt das Insekt beim Stich eine Duftmarke, die den Gestochenen als „Angreifer“ kennzeichnet und ein aggressives Verhalten von Artgenossen auslöst.
„Das bedeutet, auch wenn dieser sich vom Nest zurückzieht, wird er von weiteren Tieren verfolgt und mehrfach - auch abseits vom Nest - gestochen.“ Im Vergleich zur heimischen Hornissenart verteidigt der „schwarze Jäger“, wie das Asiatische Pendant aufgrund seiner Färbung auch genannt wird, sein Nest deutlich vehementer. „Bekannt ist inzwischen, dass die Tiere bei Nestentnahmen, der Annäherung an das Nest und Erschütterung des Nests angreifen“, erklärt Kaiser de Garcia. Da die Völker der Asiatischen Hornisse aus bis zu 2000 Tieren bestehen, muss mit einer erheblichen Gegenwehr gerechnet werden.
Sichtungen der Asiatischen Hornisse sollten immer gemeldet werden
Für den Einzelnen bedeutet das: „Die Entnahme von Nestern sollte unbedingt von sachkundigen Schädlingsbekämpfern beziehungsweise Wespen- und Hornissenberatern vorgenommen werden“, appelliert die LANUV-Sprecherin. Als Laie sollte man zu seinem eigenen Schutz niemals versuchen, selbst tätig zu werden. Auch, wenn man nicht selbst an der Entnahme beteiligt ist, sollte man sich dem Nest nicht ohne lückenlose Schutzkleidung nähern. Selbst durch reguläre Insektenanzüge kann der rund sechs Millimeter lange Stachel der Asiatischen Hornisse durchdringen.
Wie kann man die Asiatische Hornisse von der heimischen unterscheiden?
Es gibt einige Merkmale, an denen man die Asiatische Hornisse vom heimischen Pendant unterscheiden kann:
► Während bei der Europäischen Hornisse der Kopf rötlich bis schwarz gefärbt ist, hat die Asiatische Hornisse einen schwarzen Kopf mit orangener Stirn.
► Der Thorax der Europäischen Hornisse ist rotbraun mit einer schwarzen, V-förmigen Zeichnung. Bei der Asiatischen Hornisse ist er hingegen einfach schwarz.
► Der Hinterleib der Asiatischen Hornisse ist dunkler als bei der heimischen Art. Die vorderen Segmente sind schwarz, nur die Spitze ist orangegelb. Bei der europäischen Hornisse sind die vorderen Segmente hingegen rotbraun und schwarz und weisen zur Spitze hin die wespentypische, schwarze Zeichnung auf gelben Grund auf.
► Während die Europäische Hornisse dunkle Beine hat, ist die asiatische Variante gut an ihren gelben Beinen zu erkennen.
Quelle: Naturschutzbund Deutschland
Jede Sichtung sollte zudem an das Neobiota-Portal oder an die Untere Naturschutzbehörde gemeldet werden – nach Möglichkeit mit Foto und bei einzelnen Tieren der Abflugrichtung. Neben der eigenen Sicherheit hilft das den zuständigen Behörden auch dabei, die weitere Ausbreitung der Asiatischen Hornisse im Blick zu behalten. Schon jetzt erreicht das invasive Insekt im Wochentakt neue Städte und Regionen. Kürzlich wies beispielsweise die Stadt Dortmund auf einen Fund der Asiatischen Hornisse hin. Den letzten bestätigten Fund in NRW gab es laut LANUV am Sonntag, 2. Juni, in Bönen.
Funde der Asiatischen Hornisse in NRW sind 2023 explodiert
An den Funden aus den Vorjahren lässt sich gut erkennen, wie rasch sich die Asiatische Hornisse in Deutschland weiterverbreitet. Experten vermuten, dass das Tier aus dem bereits größeren Vorkommen in Belgien nach NRW eingewandert ist. 2020 gab es den ersten Fund im Kreis Heinsberg, es sollte der einzige in diesem und dem nächsten Jahr bleiben. 2022 waren es neun, 2023 dann bereits ganze 396 amtlich bestätigte Sichtungen. Laut Experten sei dabei womöglich nur ein Bruchteil der Nester gefunden worden, viele werden wohl erst 2024 entdeckt. Eine Trendumkehr ist demnach nicht zu erwarten. (mg)
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