VonMaximilian Gangschließen
Die Asiatische Hornisse breitet sich rasant in Deutschland aus. Immer mehr Menschen wenden sich besorgt an Umweltschützer – und machen dabei einen Fehler.
Hamm – Sie ist winzig klein. Und trotzdem muss die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse genau beobachtet werden. Der neue „Bewohner“ frisst Bienen und andere Bestäuberinsekten. Welche Auswirkungen dieser Speiseplan auf das heimische Ökosystem haben werden, ist noch nicht abzusehen. Damit das Problem nicht unbemerkt ausufert, sollte jede Sichtung an die Behörden gemeldet werden. Doch häufig scheitert das bereits an einer grundlegenden Frage: Ist das überhaupt eine Asiatische Hornisse?
„Echter Hype“ um die Asiatische Hornisse – aber Insekt wird oft verwechselt
Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in NRW und Deutschland hält auch die Verantwortlichen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) auf Trab. Immer häufiger wenden sich alarmierte Menschen an die Umweltschützer. In circa der Hälfte aller Fälle seien es jedoch Falschmeldungen, wie die Bienenexpertin Sabine Holmgeirsson der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Aktuell werde alles Mögliche für eine Asiatische Hornisse gehalten – „ein echter Hype“. Die Leute „kennen sich einfach nicht mehr aus.“
Wie kann man Asiatische Hornissen von der heimischen Art unterscheiden?
Doch wie kann man die Asiatische Hornisse von anderen Insekten unterscheiden, insbesondere vom streng geschützten heimischen Pendant? Ein auffälliger Unterschied seien die Füße, wie die Expertin erklärt: Sind die Beine dunkel, sei es die europäische Art. Der „Einwanderer“ sei zudem nur tagsüber aktiv: „Wenn also nachts eine Hornisse in ihrer Wohnung fliegt, dann ist es eine Europäische. Mein Tipp: Licht aus und Fenster auf, Hornissen sind im Dunkeln unterwegs und werden von Licht angezogen.“
Auf den ersten Blick seien die Asiatischen Hornissen zudem etwas kleiner und deutlich schwarz gefärbt. Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von bis zu 2,5 Zentimetern, Königinnen werden bis zu drei Zentimeter groß. Damit sind sie ein wenig kleiner als das heimische Pendant. Arbeiterinnen erreichen hier eine Körperlänge von bis zu drei Zentimetern, Königinnen erreichen gut und gerne mal 3,5 Zentimeter. Die europäische Art fällt zudem durch ihren gelb-schwarz gemusterten Hinterleib auf.
Nest der Asiatischen Hornisse selbst entfernen? Eine ganz schlechte Idee
Auch der Nestbau sei eine gute Unterscheidungsmöglichkeit, erklärt die Nabu-Expertin. Das Gründungsnest wird im Frühjahr von der Königin gebaut, ist etwa so groß wie ein Handballen und hängt meist in Schuppen oder Sträuchern. Die Filialnester werden dann im Sommer und meist in mehr als zehn Metern Höhe in Bäumen gebaut. „Ihre heimische Verwandte, die Europäische Hornisse, nutzt dagegen wettergeschützte Hohlräume wie Baumhöhlen, Nistkästen, Dachböden oder Rollladenkästen.“
Wer eine Asiatische Hornisse oder ihr Nest entdeckt, sollte auf keinen Fall selbst tätig werden, wie Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) aus NRW, vor wenigen Wochen zu wa.de sagte. Der einzelne Stich ist für die meisten Menschen abgesehen vom Schmerz zwar ungefährlich. Doch der „Einwanderer“ setzt dabei eine Duftmarke frei, die den Gestochenen als Angreifer markiert. Die Folge: zahlreiche weitere Stiche – auch abseits des Nestes.
Neue Zahlen zeigen: Asiatische Hornisse breitet sich rasant in NRW aus
Um dem Problem trotzdem Herr zu werden, appellierten zahlreiche Städte in den vergangenen Wochen an ihre Bevölkerung, mögliche Sichtungen zu melden, zuletzt beispielsweise in Dortmund. In den meisten Kommunen ist das bei der Unteren Naturschutzbehörde möglich. Alternativ können Entdeckungen der Asiatischen Hornisse auch über das Neobiota-Portal gemeldet werden. Im besten Fall reichen Melder dabei ein Belegfoto und bei einzelnen Tieren auch die Abflugrichtung mit ein.
Die gesammelten Daten lassen keinen anderen Schluss zu: Die Asiatische Hornisse breitet sich rasant aus – auch in NRW. Nachdem das Tier 2020 mutmaßlich aus Belgien in die Bundesrepublik eingewandert ist, hat sich das Insekt seinen Weg mittlerweile durch weite Teile des Landes gebahnt. Allein von Januar bis Mai 2024 gab es bereits 109 Sichtungen, wie das LANUV auf Nachfrage der dpa mitteilte. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum war es noch keine einzige.
Rubriklistenbild: © ABACAPRESS/Imago

