VonAnna Katharina Küstersschließen
Nematoden sind sowohl Schädlinge als auch Nützlinge. Einige Fadenwürmer lassen Gemüsepflanzen verkümmern, andere bekämpfen Dickmaulrüssler und Trauermücken.
Nematoden sind mikroskopisch kleine Würmer und werden daher auch Fadenwürmer genannt. Sie sind einer der artenreichsten Stämme im Tierreich und treten auch dementsprechend vielfältig im Garten auf: Die einen sind Parasiten, die Pflanzen zum Verwelken bringen, die anderen sind nützliche Helfer gegen Schädlinge. Wir stellen die unsichtbaren Gartenbewohner vor.
Nematoden: So sehen die winzigen Würmer aus
Nematoden sind äußerst kleine Würmchen und mit bloßem Auge (fast) nicht zu erkennen. Viele Arten sind nur unter dem Mikroskop sichtbar. Sie erscheinen meist farblos oder weiß gefärbt. Am vorderen Ende haben sie eine große muskulöse Mundöffnung, die je nach Art und Nahrung sehr unterschiedlich aussehen kann. Dort haben sie in der Regel auch kleine Fortsätze, um die Nahrung aufzunehmen oder die Umgebung zu erkunden. Wie auch Regenwürmer bewegen sie sich mit ihrer Längsmuskulatur durch das umgebende Medium.
Große Artenvielfalt: Nematoden gibt es unzählige
Bislang sind über 20.000 Arten von Nematoden wissenschaftlich beschrieben, und selbst konservative Schätzungen gehen von über 100.000 verschiedenen Arten aus. Die meisten Fadenwürmer ernähren sich von Mikroben. Andere befallen Tiere und Menschen als Parasiten, zum Beispiel Spulwürmer oder Trichinen.
Für Hobbygärtner sind zwei gänzlich unterschiedliche Gruppen von Nematoden relevant: Die einen sind gefürchtete Schädlinge, da sie Pflanzen und deren Wurzeln befallen. Die anderen fressen die Larven und Eier von Schadinsekten und sind damit äußerst willkommene Nützlinge.
Die wichtigsten Gattungen von schädlichen Nematoden
Grundsätzlich lassen sich schädliche Nematoden in oberirdische Nematoden und Wurzelnematoden unterteilen. Blattnematoden greifen besonders Zierpflanzen und Erdbeeren an und lassen diese verkümmern.
Wurzelnematoden unterscheiden sich in festsitzende und wandernde Nematoden. Letztere können sich mithilfe ihres Mundstachels durch das Gewebe bewegen. Festsitzende Nematoden hingegen dringen in eine Wurzel ein und bleiben an ihrem Standort. Dort verändern sie das umliegende Gewebe stark: So können sie sich von den eigentlich für die Pflanze bestimmten Stoffen ernähren. Gallenbildende Nematoden lösen dadurch sogar ein Anschwellen des Wurzelgewebes aus. Die verbreitetsten Gattungen von Fadenwürmern im Garten sind:
- Wandernde Wurzelnematoden: Pratylenchus, Paratylenchus, Trichodorus
- Gallenbildende Nematoden: Meloidogyne
- Zystenbildende Nematoden: Heterodera, Globodera
- Stock- und Stängelnematoden: Ditylenchus
- Blattnematoden: Aphelenchoides
Schädliche Nematoden: So greifen Fadenwürmer Ihre Pflanzen an
Im Garten halten sich parasitäre Nematoden mit Vorliebe in der Erde auf, die sie gerne feucht mögen. Meist befallen sie die Wurzeln der Pflanzen, manchmal dringen sie auch in die oberen Teile der Pflanze ein.
Dabei stechen die Fadenwürmer die Pflanzenzellen mit ihrem Mundstachel an und injizieren ihren Speichel. Dieser löst die Bestandteile der Zelle teilweise auf, sodass der Parasit den Zellinhalt aufsaugen kann. Bei starkem Befall kann dies die Pflanze nachhaltig schädigen und im schlimmsten Fall zu ihrem Tod führen. Wenn die Wurzeln befallen sind, zapfen die Parasiten oft auch die Wasserleitungen an, wodurch Pflanzen häufig vertrocknen. Nach Entdeckung des Befalls ist es meistens schon zu spät für die Pflanze.
Gut versteckte Parasiten: Wo Nematoden leben
Viele Fadenwürmer leben in der Erde und zapfen die Wurzeln von außen an. Manche graben sich aber komplett in die Wurzel der Pflanze ein, wodurch das Wurzelgewebe häufig anschwillt (Gallenbildung). Dort können sie sich verstecken und sind nur schwer von außen zu erreichen. Die Larven von einigen Nematoden können auch Zysten bilden, die mehrere Jahre ohne Nahrung überleben. Den kompletten Lebenszyklus verbringen Nematoden im Boden oder in der Wurzel einer Pflanze. Das macht sie neben ihrer geringen Größe besonders schwer zu entdecken und zu bekämpfen.
So erkennen Sie einen Befall durch Nematoden
Neben der versteckten Lebensweise und ihren ausgefeilten Überlebensstrategien sind Nematoden leider auch in der Lage, fast jede Gartenpflanze zu befallen. Ob Tomaten, Kartoffeln, Erdbeeren, Möhren, Spinat, Erbsen oder Sellerie – nahezu keine Nutz- oder Zierpflanze ist vor den winzigen Würmern sicher. Die typischen Anzeichen für einen Befall von schädlichen Nematoden sind:
- Verkümmerung der Pflanze
- Welken der Blätter
- Unregelmäßiger Pflanzenwuchs
- Mangelnde Wasserversorgung
- Bildung von Zysten
Besonders Landwirte bekommen die Auswirkungen der Fadenwürmer zu spüren. Ihre Ernte liegt bis zu 20 Prozent niedriger als ohne Nematoden. Aber auch Zimmerpflanzen sind nicht vor den Parasiten sicher. Durch den meist zunächst schleichenden Befall erfolgt die Diagnose oft sehr spät.
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So beugen Sie Nematoden in Ihrem Garten vor
Am besten beugen Sie Nematoden vor, indem Sie Anbaupausen und Fruchtwechsel betreiben. Beim Fruchtwechsel bauen Sie jede Saison ein anderes Obst oder Gemüse an, während bei Anbaupausen die gesamte Fläche ein paar Monate lang ruht. Auf diese Weise erholt sich die Erde und die Nematoden verschwinden. Denn die meisten Nematoden-Arten haben sich auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert. Verschwinden diese Pflanzen aus dem Beet, finden sie keine Nahrung mehr.
Außerdem sollten Sie Ihren Boden generell gesund halten. Halten Sie den pH‑Wert im Auge und sorgen Sie für genug organische Substanz im Boden. In gesunder Erde leben viele Bakterien und Pilze, die schädliche Parasiten automatisch in Schach halten. Zudem sind kräftige und vitale Pflanzen immer noch der sicherste Schutz gegen Krankheiten und Schädlinge aller Art.
Wenn eine Pflanze sichtbar stark von Nematoden befallen ist, entfernen Sie diese am besten sofort aus dem Boden und entsorgen die Reste im Biomüll. Werfen Sie infizierte Pflanzen besser nicht auf den Kompost, da manche Nematoden-Arten dort jahrelang überleben können. Wenn Sie den Kompost dann später in einem neuen Beet ausbringen, sind die Schädlinge gleich wieder da.
So bekämpfen Sie schädliche Nematoden
Zur Bekämpfung von Nematoden sind chemische Mittel seit ein paar Jahren nicht mehr erlaubt. Die Chemiekeulen haben zu große Auswirkungen auf umliegende Pflanzen und die Artenvielfalt im Boden. Da Nematoden hitzeempfindlich sind, ist theoretisch die Verwendung eines Dampfgeräts möglich. Für Hobbygärtner ist der Aufwand allerdings meist zu hoch.
Eine Möglichkeit zur Eindämmung bieten aber bestimmte Pflanzen. Zum Beispiel lassen sich Nematoden der Gattung Pratylenchus sehr effizient mit Tagetes eindämmen. In den Wurzeln der Studentenblume befinden sich Substanzen, die Nematoden abtöten. Die Fadenwürmer dringen in die Wurzeln der Tagetes ein, kommen damit in Kontakt und sterben ab.
Weitere Pflanzen zur Bekämpfung von Nematoden sind Senf, Zinnie oder Ringelblume. Achten Sie dabei jedoch immer darauf, die richtige Pflanze für die spezifischen Nematoden zu wählen.
Generell haben Hobbygärtner kaum eine Chance, alle Nematoden abzutöten. Meist ist es nur möglich, die Anzahl zu verringern. Regelmäßiges Bekämpfen sorgt für eine dauerhaft niedrige Population. Diese schädigt Pflanzen glücklicherweise kaum.
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Nematoden sind unverzichtbar für Ihren Boden
Doch längst nicht alle Nematoden sind schädlich für Pflanzen. Viele Fadenwürmer sind ein ganz normaler Teil des Ökosystems in Ihrer Gartenerde. Manche von Ihnen sind sogar unerlässliche Helfer bei der Kompostierung von organischem Material und tragen so zur Bodenbildung bei. Ein weiterer Grund, warum Chemiekeulen gegen Nematoden heutzutage verboten sind.
Nematoden: Nützliche Helfer im Kampf gegen Schädlinge
Nematoden leben oft als Parasiten: Das ist für viele Gärtner ärgerlich. Doch die parasitäre Lebensweise können Sie sich auch zunutze machen. Während manche Gattungen Pflanzenwurzeln anknabbern und aussaugen, machen andere das Gleiche mit Insektenlarven. Wenn Sie einen Schädlingsbefall in Ihrem Garten feststellen, können Sie dort gezielt Nematoden ausbringen, anstatt zur Giftspritze zu greifen. Das ist umweltfreundlich, gut für Ihre Pflanzen – und für Menschen und Haustiere völlig ungefährlich. Denn die hier eingesetzten Nematoden können die Körpertemperaturen von warmblütigen Lebewesen wie Menschen, Hunden oder Katzen nicht überleben.
Am beliebtesten ist ihre Anwendung gegen Dickmaulrüssler und Engerlinge. Aber auch gegen Trauermücken sind die kleinen Würmchen sehr effizient. Die Nematoden sind allerdings nur gegen die Larven der jeweiligen Schädlinge nützlich. Sie nisten sich bei den Wurzeln der befallenen Pflanzen ein. Anschließend verschaffen sie sich Zugang zu den Larveneiern und töten die eigentlichen Bewohner ab. Ein Nachteil: Den Kampf mit bereits ausgewachsenen Schädlingen können sie nicht aufnehmen.
Nematoden gegen Trauermücken: So gehen Sie vor
Gegen Trauermücken helfen Nematoden der Gattung Steinernema Feltiae, die oft unter dem Namen „SF Nematoden“ verkauft werden. Diese können Sie im Internet oder in manchen Baumärkten bestellen. Achten Sie dabei auf die Packungsgrößen. Seriöse Händler geben stets an, wie viel Erde Sie mit der entsprechenden Menge an Nützlingen behandeln können. Sie bekommen dann per Post ein Plastiktütchen mit einem weißen Pulver geliefert. Dies ist ein Tongranulat, in dem die deaktivierten Würmchen vergraben sind. Wenn Sie Wasser zugeben, löst sich das Granulat auf und die Nematoden erwachen zum Leben. Setzen Sie die Tierchen nicht sofort ein, lagern Sie das Tütchen unbedingt an einem kühlen Ort. Es ist jedoch deutlich besser, die Nützlinge so bald wie möglich auszubringen. So gehen Sie dabei vor:
- Feuchten Sie die Erde im Beet oder in den Töpfen im Voraus an.
- Lösen Sie die Nematoden in Wasser auf.
- Verteilen Sie das Wasser beim Gießen gleichmäßig über das gesamte betroffene Beet. Behandeln Sie bei Topfpflanzen auch solche, die noch nicht befallen sind.
- Nun sollten Sie die Erde feucht halten, solange Sie Trauermücken herumfliegen sehen.
Bei einem starken Befall von Trauermücken kann es zwei bis drei Wochen dauern, bis die Nematoden alle Larven abgetötet haben. Bei nur wenigen Trauermücken, sind diese meist schon nach ein paar Tagen verschwunden.
So bekämpfen Sie Dickmaulrüssler mit Nematoden
Dickmaulrüssler sind nachtaktive Käfer, die in fast jedem Garten vorkommen. Sie fressen große Kerben in die Blätter von Stauden und Gehölzen, sind aber bei geringer Population noch leicht zu tolerieren. Sie sollten jedoch handeln, wenn die Population größer wird. Das gilt vor allem für die weißen, dickfleischigen Larven des Käfers. Sie knabbern in der Erde bevorzugt die Wurzeln von Pflanzen an, wodurch diese leicht absterben. Im Handel gibt es Nematoden, mit denen Sie gegen die Larven vorgehen können. Eine Art befällt sogar die ausgewachsenen Käfer:
Gegen die Larven: Heterorhabditis bacteriophora
Die Heterorhabditis Nematoden gegen die Larven der Dickmaulrüssler sind ähnlich zu verwenden wie die SF Nematoden gegen Trauermücken. Hier erhalten Sie ebenfalls ein Plastiktütchen mit Tongranulat und deaktivierten Fadenwürmern. Lösen Sie dieses in Wasser auf und gießen Sie damit die betroffene Erde. Halten Sie die Erde stets gut feucht, solange die Nematoden aktiv sind. Der beste Zeitpunkt für den Einsatz ist hier zwischen Mitte April und Anfang Juni, oder von September bis Mitte Oktober.
Gegen die Käfer: Steinernema carpocapsae
Die Nematoden gegen die erwachsenen Käfer werden meist in Form von speziellen Fangbrettern verkauft. Die Rillen in diesen Brettern sind mit einem Gel bestrichen, das Nematoden enthält. Sie legen das Brett einfach unter die befallenen Gehölze, auf die Erde. Wenn die Käfer sich tagsüber darunter verstecken, dringen die Nematoden in sie ein und töten sie. Die Anwendung ist allerdings nur zwischen Mai und September sinnvoll, wenn die ausgewachsenen Käfer unterwegs sind.
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Engerlinge in Beet und Rasen: Wann sind Nematoden sinnvoll?
Der umgangssprachliche Begriff Engerling steht für eine breite Palette an Käferlarven. Diese sehen zwar alle weißgrau, dick und fleischig aus – entwickeln sich aber trotzdem zu unterschiedlichen Käfern.
Während die Engerlinge von Maikäfern, Junikäfern und Gartenlaubkäfern Schädlinge sind, gehören die Larven von Nashornkäfern und Rosenkäfern zu den Nützlingen im Garten. Letztere sind in Deutschland sogar durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Das heißt: Es ist verboten, „sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“.
Bevor Sie die Engerlinge in Ihrem Beet oder unter Ihrem Rasen mit Nematoden bekämpfen, fragen Sie sich also unbedingt: Um welche Art von Käferlarven handelt es sich überhaupt? Hier gibt es außerdem große Unterschiede bei dem geeigneten Zeitpunkt der Bekämpfung gibt.
Wenn sich schädliche Engerlinge zu sehr in Ihren Beeten ausbreiten, können Sie diese auch mit Nematoden bekämpfen. Hier bieten sich vor allem die Arten Heterorhabditis bacteriophora und Heterorhabditis downsei an. Beide Arten kommen in Plastiktütchen, die Sie in Wasser auflösen, um damit das befallene Erdreich zu gießen. Wie bei den anderen Nematoden-Arten, ist hier wichtig, die Erde im Wirkungszeitraum stets feucht zu halten. Die Bodentemperatur sollte außerdem stabil über 12 Grad Celsius liegen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Nematoden
Was sind Nematoden?
Nematoden sind winzige Würmer, die in feuchten Umgebungen leben. Sie ernähren sich oft parasitär von Tieren oder Pflanzen, andere Arten fressen zum Beispiel Mikroben.
Wie sehen Nematoden aus?
Nematoden sehen aus wie kleine Würmer. Sie sind aber meist so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Unter dem Mikroskop erscheinen sie farblos oder weiß gefärbt.
Wann sollte man Nematoden ausbringen?
Der beste Zeitpunkt zum Ausbringen von Nematoden hängt stark von der jeweiligen Art der Nematoden und des zu bekämpfenden Schädlings ab. Lesen Sie vor der Anwendung unbedingt die Packungsbeilage und lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten. Pauschal lässt sich lediglich sagen, dass die Erde feucht und nicht kälter als 12 Grad Celsius sein sollte.
Quellen
https://www.dlr.rlp.de/Internet/global/Themen.nsf/959755734FCB912AC1256FC100528C42/$FILE/Virus%C3%BCbertragende-Nematoden-Rheinland-Pfalz.pdf
https://orgprints.org/id/eprint/6115/2/6115-02OE478-lk-nrw-frankenberg-2004-nematoden-broschuere.pdf
https://av.tib.eu/media/15483
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