VonSebastian Oppenheimerschließen
Der Wasserstoff-Traum bei Stellantis ist beendet: Die Entwicklung an der Brennstoffzelle wird eingestellt. Der Konzern setzt künftig voll auf Hybrid-Antriebe und Batterie-Elektroautos.
Es gibt kaum einen großen Autohersteller, der sich in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht mit den Themen Wasserstoff und Brennstoffzelle beschäftigt hat. In regelmäßigen Abständen wurden stolz Prototypen präsentiert – durchgesetzt hat sich die Antriebsform im Pkw bis heute nicht. Zwar existiert eine handvoll Autobauer, die tatsächlich Brennstoffzellenfahrzeuge in die Serie gebracht haben, dazu gehören beispielsweise der Hyundai Nexo und der Toyota Mirai. Doch die Absatzzahlen dieser Autos waren zuletzt mehr als ernüchternd: Gerade einmal etwas mehr als 2.100 Brennstoffzellen-Autos wurden im ersten Quartal 2025 weltweit verkauft. Nun sieht auch Stellantis – einer der größten Autokonzerne der Welt – keine Hoffnung mehr für die Technik. Die Entwicklung an der Brennstoffzelle wird eingestellt.
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Stellantis: „Der Wasserstoffmarkt bleibt ein Nischensegment“
Normalerweise beerdigen Autobauer solche Projekte eher im Stillen – bei dem riesigen Autokonzern, zu dem mehr als ein Dutzend Marken gehört, darunter Opel, Fiat, Peugeot, Citroën, Alfa Romeo, Jeep und Chrysler, hat man sich anders entschieden. „Der Wasserstoffmarkt bleibt ein Nischensegment ohne Aussichten auf mittelfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit“, sagt Jean-Philippe Imparato, Chief Operating Officer für Enlarged Europe bei Stellantis. „Wir müssen klare und verantwortliche Entscheidungen treffen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und die Erwartungen unserer Kunden mit unserer Offensive bei elektrischen und hybriden Personen- und leichten Nutzfahrzeugen zu erfüllen.“ Damit endet auch die Serienproduktion der wasserstoffbetriebenen Pro-One-Transporter in Hordain, Frankreich, und Gliwice, Polen.
Zu hohe Kapitalanforderungen, zu wenige H2-Tankstellen
Wie das Unternehmen erklärt, erwarte man nicht, dass sich wasserstoffbetriebene leichte Nutzfahrzeuge vor Ende des Jahrzehnts flächendeckend etablieren. Die Kapitalanforderungen seien zu hoch, außerdem sehe man die Notwendigkeit stärkerer Kaufanreize. Ein weiteres großes Problem ist laut Stellantis die „begrenzte Verfügbarkeit von Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur“. Weltweit waren Ende 2024 laut H2stations.org gerade einmal 1.160 Wasserstofftankstellen in Betrieb. Und der Trend zeigt nach unten: Vor nicht allzu langer Zeit wurde bekannt, dass in Österreich alle öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen schließen. Im vergangenen Jahr hatte der Betreiber Shell sämtliche seiner Wasserstofftankstellen für Pkw in Kalifornien geschlossen – in Großbritannien war man bereits 2022 ausgestiegen.
Wasserstoff im Pkw: Kaum Chancen für die Zukunft
Dass sich Wasserstoff im Pkw-Bereich überhaupt noch durchsetzen kann, wird von Experten schon lange stark bezweifelt. Kritisiert wird unter anderem der schlechtere Wirkungsgrad der Brennstoffzelle gegenüber Elektroantrieben. Auch Polestar-Chef Michael Lohscheller erklärte im Interview mit IPPEN.MEDIA, dass er nicht daran glaube, dass Wasserstoff im Pkw noch eine Chance habe. Allerdings könne die Technik künftig möglicherweise noch eine Chance bei schweren Lkw haben, so Lohscheller, der auch einst Chef des Lkw-Startups Nikola war. Auch die immer weiter steigenden Reichweiten von Elektroautos und die sinkenden Ladedauern lassen viele Argumente für die Brennstoffzelle verblassen.
Noch sind nicht alle Hersteller vom Wasserstoff-Zug abgesprungen: BMW hatte im vergangenen Jahr bekanntgegeben, gemeinsam mit Toyota bis 2028 ein Brennstoffzellenauto auf den Markt zu bringen.
