BVB-Idol verlangt großen Umbruch: Das könnte die „Streichliste“ sein
VonLars Pollmann
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Der BVB ringt um einen versöhnlichen Saisonabschluss. Folgen danach große Umbau-Projekte im Kader? Die potenzielle „Streichliste“ in Dortmund.
Dortmund – Borussia Dortmund hat vom FC Barcelona die Grenzen schonungslos aufgezeigt bekommen!
Mit dem 0:4 gegen den spanischen Tabellenführer im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales ist der BVB zwar in bester Gesellschaft, weil Barça diese Saison zum Beispiel schon gegen Atlético Madrid, Real Madrid und den FC Bayern Torfestivals gefeiert hat. Doch ein wirklicher Trost kann das nicht sein. Schließlich wird auch in der Bundesliga der große Rückstand auf die Spitze immer wieder deutlich.
Am Dienstagabend (21 Uhr) geht es für Dortmund nur noch um einen ehrenvollen Abschied aus der Champions League. Für wie lange? Das ist die große Frage. Nur Optimisten glauben noch an eine Qualifikation zur kommenden Saison. Wenn der BVB die Königsklasse tatsächlich verpasst, muss der Klub im Sommer kluge Entscheidungen treffen, um es bei einem einmaligen Ausrutscher zu belassen.
BVB-Legende Weidenfeller: „Kovač trifft jetzt die wenigste Schuld“
Für viele Beobachter steht fest, dass es einen radikalen Umbruch braucht. Neben den üblichen Transfers ziehen viele auch in Zweifel, ob es mit Sportdirektor Sebastian Kehl und Trainer Niko Kovač weitergehen kann, wenn Dortmund womöglich sogar überhaupt nicht europäisch vertreten sein sollte. Sportchef Lars Ricken stellte hingegen dieser Tage den Umfang des Umbruchs beim BVB öffentlich infrage und verteilte Garantien an Kehl und Kovač.
Sein ehemaliger Mannschaftskamerad Roman Weidenfeller reiht sich in das Camp derer ein, die in Dortmund deutliche Veränderungen fordern. „Du müsstest den Kader aussortieren“, sagte der langjährige BVB-Torwart beim TV-Sender Sky. „Das wird, glaube ich, schwer. Niko Kovač trifft jetzt die wenigste Schuld. Er ist der richtige Mann am richtigen Fleck. Es ist unheimlich schwierig, in so ein Konstrukt extern als Trainer reinzukommen.“
Aus Sicht von Weidenfeller muss also vor allem beim spielenden Personal ein Großreinmachen stattfinden. Doch um welche Spieler geht es konkret? Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, hat eine potenzielle Streichliste zusammengestellt.
Julian Brandt ist das Symbol des BVB-Niedergangs
Der BVB hat nach dem Abgang von Marco Reus im Sommer letzten Jahres Julian Brandt als neues Gesicht der Mannschaft auserkoren. Der Mittelfeldmann bekam die Rückennummer 10, wurde zum Vizekapitän ernannt und war beispielsweise auch Zugpferd der Marketingmaßnahmen auf der Asien-Tour im Juli 2024.
Offensichtlich ist Brandt aber damit überfordert, beim BVB mehr als ein talentierter Spieler zu sein. „In Brandt war ich mal richtig verliebt. Das ist einer der besten Kicker, die Deutschland in den letzten Jahren hatte. Nur spielt der keinen seriösen Profifußball mehr auf dem Niveau“, wurde Reporterlegende Marcel Reif nun bei Sky deutlich.
Wenn es Dortmund mit einem Umbruch Ernst ist, ist der bis 2026 unter Vertrag stehende Brandt der erste Anwärter, bei dem ein Abschied vollzogen werden muss.
Der BVB feierte sich 2022 dafür, Niklas Süle ausgerechnet vom FC Bayern ablösefrei geholt zu haben. Drei Jahre später kann sich der Rekordmeister ins Fäustchen lachen. Der Abwehrmann kassiert beim BVB fürstlich ab, zeigt aber keine Leistung. Als vermeintlicher Führungsspieler gekommen, ist (Ex-)Nationalspieler Süle trotz beachtlicher körperlicher Transformation nur noch ein Schatten seiner selbst.
Der 29-Jährige muss sich entscheiden, ob er kommende Saison seinen Top-Vertrag aussitzen will, oder sportlich nochmal angreift. Beim BVB scheint der Weg zurück zu fußballerischer Relevanz schwer vorstellbar, auch wenn Trainer Kovač als Fan von Süle gilt. Wegen des Gehalts kann Dortmund nicht damit rechnen, dass Süle den Verein ein Jahr vor Vertragsende verlässt.
Macht der BVB bei Emre Can den gleichen Fehler nochmal?
Emre Can hat sich nach der dauerhaften Versetzung in die Innenverteidigung auf hohem Niveau stabilisiert und sorgt unter anderem dafür, dass Süle derzeit keine große Rolle spielt. In der Rückrunde ist Can einer der zwei, drei stärksten BVB-Profis und drängt sich vielleicht sogar für eine unerwartete Vertragsverlängerung auf.
Das alles hat Dortmund aber schon mal erlebt und sich zu Entscheidungen verleiten lassen, die im Nachhinein gewiss nicht unumwunden als die richtigen einzuschätzen sind. Als Can das letzte Mal eine starke Halbserie spielte, wurde sein Vertrag verlängert und stieg er zum Kapitän auf. Langfristig kommt für diese Rolle beim BVB eigentlich nur Nico Schlotterbeck infrage.
Wenn der BVB darüber nachdenkt, Cans 2026 auslaufenden Vertrag zu verlängern, begeht er womöglich den gleichen Fehler nochmal.
Bei Moukoko und Haller droht dem BVB ein Millionengrab
Die Leihstürmer Youssoufa Moukoko (OGC Nizza) und Sébastien Haller (FC Utrecht) könnten bei der FIFA-Klub WM in den USA das Aufgebot des BVB erweitern. Durch das Extra-Transferfenster, das die DFL eingerichtet hat, können beide Spieler rechtzeitig zurückgeholt werden. Eine große BVB-Zukunft haben sie nicht.
Bei Moukoko besteht die Mini-Hoffnung darauf, dass ein Klub an das Potenzial des einstigen Wunderkinds glaubt, bei Haller läuft es eher auf eine Vertragsauflösung hinaus. Nach derzeitigem Stand muss Dortmund beide Spieler kommende Saison bezahlen: Sie sollen schlappe 18,5 Millionen Euro verdienen!
Auch Leihverteidiger Soumaïla Coulibaly (Stade Brest) kehrt im Sommer derweil wohl nur kurzzeitig zurück und sollte endgültig abgegeben werden.
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An den Durchbruch von Reyna glaubt in Dortmund niemand mehr
Bereits auf der Suche nach einem neuen Klub soll sich Giovanni Reyna befinden. Das einstige Top-Talent hat den nächsten Schritt beim BVB auch wegen Verletzungen nie geschafft. An den plötzlichen Durchbruch glaubt niemand mehr, deshalb wird sich Reyna im Sommer wohl eher still verabschieden.
Das ganz große Ablösepotenzial bringt der US-Amerikaner nicht mehr mit. Für die hohen Einnahmen müssen andere sorgen.
Kandidaten sind Karim Adeyemi, Jamie Gittens oder auch Gregor Kobel. Grundsätzlich steht dieses Trio eher nicht auf der Streichliste des BVB. Wenn aber die Einnahmen aus dem Europapokal fehlen sollten, bleibt Dortmund nichts anderes übrig, als einige Spieler zu Geld zu machen. Das Ablösepotenzial ist bei Adeyemi, Gittens und Kobel derzeit wohl am höchsten.