„So ein Mist“

„Böse Unterstellung“: Boomer-Opa reagiert auf Kritik an Erziehungsstil

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Als wir über problematische Großeltern-Sprüche schreiben, bekommen wir Leserpost. Ein Großvater liefert den Grund für unseren Artikel gleich mit – einer hält dagegen.

Wenn es um Großeltern geht, dann gibt es einige Dinge, die Eltern beachten sollten, um eigene Verletzungen aus der Kindheit nicht wieder zu spüren oder ihre Kinder davor zu schützen, sagt uns eine Pädagogin. Daraufhin bekommen wir mehrere Leser-E-Mails. „Das ist ja eine böse Unterstellung, dass Großeltern heute noch solche Sprüche drauf haben“, schreibt der Boomer-Großvater Christoph Much vom Bodensee.

Ein anderer Leser liefert den Beweis, dass Großeltern verletzende Sprüche sagen, jedoch gleich mit: Er macht sich über den Begriff „Red Flags“ und die Pädagogin lustig und schreibt, dass es bei ihm im Nordwesten die plattdeutsche Weisheit gebe: „Mesters Kinner und Pastors Vieh – gedeihen selten, meistens nie.“ [Anm. der Red.: Mester = Begriff für Lehrer]. Kinder bräuchten Ansagen, findet er und sieht in den aktuellen Erziehungsstandards den Grund, dass die Zahl psychisch kranker Kinder so hoch sei. Heutige Eltern hätten einfach keine Lust, Konflikte mit den Kindern auszufechten.

„Ich bin selbst Großvater und ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der noch solch einen Mist verbreitet“, reagiert ein Großvater auf Kritik am Erziehungsstil von Boomer-Großeltern. (Symbolbild)

Boomer-Großvater reagiert auf Sprüche wie: „Ein deutscher Junge weint nicht“

„Ich bin selbst Großvater und ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der noch so einen Mist verbreitet“, sagt Much BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Seiner Meinung nach sind solche Sprüche längst Geschichte. Auch der Spruch „Ein deutscher Junge weint nicht“. Den kennt der 67-Jährige vor allem aus der Schule: „An meinem Gymnasium gab es Lehrer, die noch Nazi-Ideologien weitergegeben haben.“

Ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, als Lehrermangel herrschte und viele dieser Pädagogen wieder eingestellt wurden. „Das war prägend, aber es hatte nichts mit meinem Elternhaus zu tun“, sagt Much. Bei ihm hätten selbst seine Großeltern solche Thesen nicht mehr vertreten. Seine Eltern hätten einen „eher modernen, antiautoritären Erziehungsstil“ gelebt.

Ein Boomer-Großvater erzählt, dass er seinem Enkelkind nie sagen würde, es müsse seinen Teller leer essen. (Symbolbild)

„Informiere mich noch intensiver, seit ich Großvater bin“

Much ist vor 17 Monaten Großvater geworden. Er betreut sein Enkelkind an mehreren Tagen die Woche und scheint das genaue Gegenteil der egoistischen Boomer-Großeltern zu sein, von denen manche Millennials sprechen. „Ich informiere mich viel über Erziehung – schon immer, aber jetzt noch intensiver, seit ich Großvater bin. Ich lese Artikel, vergleiche das mit meiner eigenen Kindheit und überlege, wie ich darauf reagiere.“ Das wichtigste sei für ihn, dass „Kinder ihre Gefühle äußern können. Sie sollen wissen, dass immer jemand da ist, der sich kümmert“, sagt er. Diese Sicherheit sei in der Anfangsphase enorm wichtig.

Der Boomer-Opa sieht es als seine Aufgabe, „wirklich für meinen Enkel da zu sein. Jetzt als Großvater kann ich mir die Zeit nehmen und mich ganz darauf konzentrieren.“ Alle Großeltern in seinem Umfeld seien „mitgewachsen“, wie er sagt. „Sie haben diese neuen Prinzipien drauf und reflektieren, was sie in ihrer eigenen Kindheit erlebt haben. Sprüche wie ‚Wenn du deine Füße unter unseren Tisch streckst, dann…‘ oder Ähnliches hört man heute kaum noch.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pond5 Images

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