Kostete „wahrscheinlich Millionen“

Teure Rettungsaktion: Warum nach der „Titan“-Katastrophe wohl niemand für den Einsatz zahlen muss

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Teure Rettungsaktion: Warum bei der „Titan“-Katastrophe niemand für die Bergung zahlen muss.
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Zwei Milliardäre sollen sich an Board der verunglückten „Titan“ befunden haben. Nun stellt sich die Frage, wer das finanzielle Risiko der Katastrophe tragen muss.

München – Die Katastrophe um die verschollene „Titan“ sorgt weiter für Aufruhr. Nachdem mehrere Einzelteile am Meeresboden gefunden wurden, war klar, dass das U-Boot implodiert ist. Die Insassen der Titan sind verstorben. Nun gibt es immer mehr Kritik an dem Unternehmen OceanGate, das den Tiefsee-Tourismus mit seinen Tauchgängen überhaupt erst ermöglichte. Zahlreiche Sicherheitsbedenken sollen bereits bei früheren Tauchgängen aufgefallen sein.

UnternehmenOceanGate
SitzEverett, USA
Gründung2009
GründerStockton Rush und Guillermo Söhnlein

Kritik wird nun auch bei der Frage laut, wer im Falle einer solchen Katastrophe für die Kosten der Rettungsmaßnahmen aufkommen sollte. Denn nur die reichsten Menschen können sich solcherlei Extrem-Expeditionen leisten, wie sie von der Titan durchgeführt wurden. Die Passagiere an Bord des Tauchbootes zahlten laut Bericht der New York Times (NYT) jeweils 250.000 Dollar für die einmalige Erfahrung: Die fünf Menschen, die auf tragische Weise ihr Leben verloren, waren auf dem Weg zum Wrack der Titanic.

Titan-Katastrophe: Der Rettungsversuch kostete „wahrscheinlich Millionen“

„Diese Leute haben viel Geld für etwas bezahlt, das außerordentlich riskant ist und von dem man sich nur schwer erholen kann“, meint Chris Boyer, Geschäftsführer einer gemeinnützigen Organisation in den USA, die sich auf die Rettung von Menschen aus der Wildnis spezialisiert. Eine Rettungsaktion wie die der Titan, so Boyer gegenüber der NYT, müsse „wahrscheinlich Millionen kosten“.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Etwa eine Stunde und 45 Minuten, nachdem die Titan zu Wasser gelassen wurde, empfing das Mutterschiff kein Signal mehr von ihr. Die Küstenwache wurde daraufhin informiert. An Bord des U-Bootes sollen sich vier Touristen und ein Kapitän befunden haben – unter ihnen auch der milliardenschwere britische Geschäftsmann Hamish Harding. Insgesamt seien nach Informationen des Magazins Insider mindestens zwei Milliardäre an Board gewesen sein.

Rettungseinsatz für die Titan-Passagiere: Bei Fahrlässigkeit können Einzelpersonen haften

An den Rettungsmaßnahmen, die für die Titan und ihre Passagiere eingeleitet wurden, waren sowohl die amerikanischen, kanadischen als auch französischen Behörden mit großem Aufwand beteiligt. Neben der Küstenwache war auch die US-Marine involviert. In den USA hängen Durchführung und Finanzierung von Rettungsmaßnahmen der Küstenwache und anderer Organisationen davon ab, wo genau man sich verirrt, sagte Boyer der NYT weiter. In einigen Bundesstaaten müssten demnach auch Einzelpersonen für Rettungseinsätze zahlen, wenn ihr Verhalten sich als fahrlässig erwiesen habe.

Admiral Paul Zukunft, ehemaliger Leiter der US-Küstenwache, erklärte gegenüber der Washington Post jedoch, dass von dem Unternehmen OceanGate, das die Touren mit dem Tauchboot Titan anbot, keine Rückerstattung an die US-Regierung zu erwarten sei. „Es ist nicht anders, als wenn eine Privatperson hinausfährt und ihr Boot sinkt. Wir fahren raus und bergen sie. Wir lassen sie nicht im Nachhinein mit der Rechnung sitzen“, sagte Zukunft der Post.

Es ist nicht bekannt, ob OceanGate Expeditions, das Unternehmen, das die Exkursion zu den Ruinen der Titanic angeboten hat, von seinen Teilnehmern den Abschluss einer Reiseversicherung verlangt hat. Ob der millionenschwere Rettungseinsatz also letztlich durch Steuergelder aus den USA finanziert wird, bleibt offen. (na)

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