„Alarmierendes Signal“

„Seit Jahren zu niedrig“: Problem an den Schulen verfestigt sich

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Deutschland ist bei der Bildung knauserig. Ein Bildungsexperte nennt die Konsequenzen und wo wir sie heute schon spüren.

Frankfurt – Bei Schulen ist Deutschland vergleichsweise geizig. 9,3 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben 2023 wurden in Deutschland in Bildung investiert. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am 24. November veröffentlicht wurde. Österreich und die Schweiz liegen der Studie zufolge fast 50 Prozent darüber. 

Ein Bildungsexperte hält eine stetig wachsende Heterogenität der Leistungsniveaus unter Schülern und Schülerinnen für ein „alarmierendes Signal“. (Symbolbild)

Wie der EU-Bericht „In Bildung investieren 2025“ zeigte, flossen 2023 in den EU-Ländern national durchschnittlich 9,6 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben in Bildung. Deutschland blieb mit seinem Wert also unter dem EU-Durchschnitt. „Wir stehen vor einer Verfestigung des Problems“, sagt Thomas Kiefer BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Er ist Bereichsleiter Beruf, Bildung und Netzwerke im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). „Deutschland tritt beim Thema Bildungsinvestitionen auf der Stelle. Statt einer Trendwende sehen wir eine Stagnation.“

Einige Schulen in Deutschland „entsprechen nicht einem modernen Lernort“

In erster Linie zeigten sich die niedrigen Investitionen am Sanierungsstau bei Gebäuden und Infrastruktur von deutschen Schulen. „Einige Schulen arbeiten unter Bedingungen, die einem modernen Lernort nicht entsprechen“, sagt Kiefer. Digitalität bleibe „für viele Schulen ebenfalls ein Dauerthema“, sagt der Bildungs-Experte. „Aus Sicht des VDI ist die Lage ernst. Diese Quote ist seit Jahren zu niedrig“, sagt Kiefer BuzzFeed News Deutschland.

Vor allem, weil die Anforderungen im Bildungssystem gleichzeitig kontinuierlich ansteigen würden und der Sanierungsstau immer größer werde. „Dringend nötige Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere bei Digitalisierung, MINT-Förderung und Berufsorientierung, bleiben hinter den Zielmarken zurück“, kritisiert er. „Schulen brauchen mehr Personal und bessere Ausstattung.“

Experte sieht „alarmierendes Signal“ bei Schülern und Schülerinnen in Deutschland

Die jüngste Pisa-Studie habe erneut „erhebliche Defizite“ bei Mathematik und Naturwissenschaften offenbart. Hinzukomme eine stetig wachsende Heterogenität der Leistungsniveaus unter Schülern und Schülerinnen und eine abnehmende Chancengerechtigkeit. „Für ein hoch entwickeltes Industrieland ist das ein alarmierendes Signal“, sagt Kiefer über die Schulpolitik.

Das eigentliche Problem werde seiner Meinung nach nicht erkannt: „Es geht um die konsequente Investition in unsere eigene Zukunftsfähigkeit. Qualifizierte Nachwuchskräfte müssen dabei nicht nur Matheverständnis aufweisen, sondern Lese- und Textkompetenz haben. Investitionen in alle Bildungsbereiche sind unumgänglich, um dann den MINT-Bereich zu stärken“; sagt er. Auch, weil Hochschulen und Forschungseinrichtungen global um Talente konkurrierten. „Bildungsausgaben sind keine Kosten, sondern strategische Zukunftsinvestitionen.“ (Quellen: eigene Recherche, IW-Studie, EU-Bericht „In Bildung investieren 2025“)

Rubriklistenbild: © photothek/IMAGO

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