VonJana Stäbenerschließen
Auf einem Rewe-Parkplatz bemerkt eine zweifache Mutter ein Schild mit einem „uralten Piktogramm“. Die Supermarktkette rechtfertigt sich.
„Irgendwie nervt mich sowas ja schon ein bisschen: Wieso heißt das nicht Familienparkplatz?“, fragt die zweifache Mutter und Pädagogin Emily Johnson. Sie hat im Herbst 2024 ein Schild auf einem Rewe-Parkplatz fotografiert, das eine Zeichnung einer Mutter mit Kind zeigt. Darunter steht „Mutter + Kind“. Es steht auf dem Parkplatz des Rewe-Markts Bitterlich im Walzbachtal (Baden-Württemberg), wie Johnson BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA sagt.
„Wieso ist da immer noch dieses uralte Piktogramm von der Frau im Kleidchen, die das Kind an der Hand hält? Irgendwie wird hier ja mal wieder nur das Bild von der Frau mit den typischen, uns zugeschriebenen Aufgaben unterstrichen: Mutter, übernimmt die Einkäufe, kümmert sich ums Kind, ist am Nachmittag zu Hause, und und und“, kritisiert Johnson auf ihrem Instagram-Kanal @kindergeplauder.
„‚Darf ich hier überhaupt parken?‘ fragte mein Mann neulich scherzhaft, als wir uns mit unseren beiden Kindern in diese Parklücke vor dem Schild stellten“, schreibt sie. Ihrer Meinung nach sind solche Schilder nicht mehr zeitgemäß, weil sie implizieren, dass Väter „ja eh nicht großartig mit ihren Kindern die Einkäufe übernehmen“.
Mutter+Kind-Schild auf Rewe-Parkplatz – Unternehmen äußert sich
Wir fragen den Rewe-Markt Bitterlich an, wo und wann er das Mutter+Kind-Schild erworben hat, und warum man sich gegen Familienparkplatzschilder entschieden hat. Als wir keine Rückmeldung erhalten, gehen wir auf Rewe selbst zu und fragen, was das Unternehmen seinen Partnern bezüglich Mutter-Kind und Familienparkplatz-Schildern rät.
Bei der zentralen „empfohlenen Beschilderung“ von Eltern-Kind-Parkplätzen, orientiere sich Rewe an den Schild-Piktogrammen 239 bis 242 der Straßenverkehrsordnung für Fußgänger (siehe Bild unten). Auf diesen Gehweg-Schildern ist ebenfalls eine Frau mit Kind an der Hand abgebildet. Diese Darstellung führe „hierzulande zu keinen Fehlinterpretationen“, rechtfertigt sich ein Sprecher gegenüber BuzzFeed News Deutschland.
Von so gekennzeichneten Fußgängerwegen, Fußgänger-Fahrradwegn und Fußgängerzonen würden sich alle Personen angesprochen fühlen, die zu Fuß unterwegs seien. Vergleichbar verhalte es sich mit dem Mutter-Kind-Parkplatz-Schild: „Jedem Straßenverkehrsteilnehmer ist bekannt, welchem Zweck der Parkplatz dient und welchen Personen dieser vorbehalten sein soll“, sagt er.
Branchen-Insider beobachtet immer mehr Familienparkplatz-Schilder beie Rewe, Aldi und Co.
Johnson ist skeptisch. Was würden sich die Menschen wohl denken, wenn auf einem Parkplatz-Schild bei Rewe „Vater + Kind‘“ stehen würde? „Ich wäre irritiert“, schreibt sie. Auch andere Eltern sind empört: „Stimme 100 Prozent zu! Familienparkplatz wäre ein neutraler Begriff dafür“, kommentiert eine Person. „Fände es auch schön, wenn es hier Elternparkplatz heißen würde“, findet eine Frau. Bei ihrem Supermarkt sei das so. „Da sollte wohl mal das Schild ausgetauscht werden.“
Sind heutzutage Familienparkplatz-Schilder die Norm und Schilder mit diesem „uralten Piktogramm von der Frau im Kleidchen“ nur noch die Ausnahme? Wir fragen bei Bremicker Verkehrstechnik nach, einem der größten Schilder-Hersteller der Branche.
„Leider ist das Schubladendenken noch in vielen Köpfen der Gesellschaft vorhanden“, sagt Jörg Wolters, einer der beiden Geschäftsführer, BuzzFeed News Deutschland. Zu den Stückzahlen kann er uns keine detaillierte Auflistung geben. „Aber vom Gefühl würde ich von einer Verschiebung in Richtung ‚Familienparkplatz‘ ausgehen.“ Bei neueren Supermärkten seien meist Familienparkplätze ausgewiesen – oft einfach nur mit einem Kinderwagen-Symbol.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar



