VonJana Stäbenerschließen
Er kommt ohne Lebensmittel vom Supermarkt zurück, weil die „Einkaufswagen noch angebunden“ waren. Strategische Inkompetenz kann einige Formen annehmen.
„Er konnte nicht wickeln, weil er nicht wusste, wo vorne oder hinten bei der Windel ist.“ „Er kann den Kindern nicht die Zehennägel schneiden, weil er Angst hat, dass er daneben schneidet.“ „Der Mann einer Bekannten sollte mal einkaufen gehen und kam total irritiert zurück. Er sagte, der Laden war noch zu, die Einkaufswagen seien noch angebunden gewesen.“
Was in all diesen Erzählungen von Frauen vorkommt: strategische Inkompetenz. Indem eine Person etwas schlecht macht oder sagt, sie kann es nicht, manipuliert sie die andere Person, die Aufgabe selbst zu erledigen. Dieses Verhalten „treibt Frauen in den Burnout“, schreibt Jenni Kuzu Anfang April 2025. Sie ist es, die all diese Beispiele für strategische Inkompetenz in einem Instagram-Beitrag gesammelt hat (siehe unten).
Warum viele Männer „besser in strategischer Inkompetenz“ sind
In den Kommentaren unter Kuzus Beitrag wird deutlich, wie viele Frauen diese strategische Inkompetenz erleben. „Beim Lesen merke ich, wie ich ein Magengeschwür bekomme“, schreibt eine. „Bin – unter anderem deswegen – seit einer Woche mit drei Kindern unter fünf Jahren alleinerziehend und so glücklich“, kommentiert eine andere. „Happy to be single“, schreibt eine weitere.
„Viele Männer sind besser in strategischer Inkompetenz“, sagt die Diplom-Psychologin und Paartherapeutin Yvonne Beuckens BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Das heißt, dass sie Tätigkeiten absichtlich unzureichend erledigen, um in Zukunft nicht mehr gefragt zu werden. Doch der Grund dafür sei nicht das Geschlecht, sondern die Sozialisation, die Frauen oft zum Kümmern und Rücksichtnehmen anhalte.
„Deshalb übernehmen sie schneller Aufgaben im Haushalt. Mit der Gewohnheit schleifen sich dann ungesunde Muster ein: Wer etwas häufiger macht, bekommt mehr Routine und erledigt es besser und schneller“, sagt sie. Wenn der Partner dann übernehme, falle es schwer, geduldig zu bleiben. Also übernehme oft die Frau wieder, fühle sich verantwortlich, mische sich ein und hat dadurch auch weniger Freizeit. „Der Partner wird verunsichert – und lässt es lieber ganz. Diese Kreisläufe sind ungünstig.“
Strategische Inkompetenz: „Vorgetäuschte Hilflosigkeit ist mehr als nur Faulheit“
Die systemische Paartherapeutin Julia Henchen sagt bei SWR 3, dass strategische Inkompetenz Paarbeziehungen erst mal nicht gefährdet, sondern „ganz normal“ sei. Alle Menschen würden das tun, hätten gelernt, so einfach an Dinge zu kommen, die sie wollen würden. Vor allem, wenn ein Paar darüber spreche, offen damit umgehe, sei es sogar eher gut für die Beziehung. „Aber ja, es kann zum Beziehungskiller werden, wenn es manipulativ wird“, sagt sie. Ist das in vielen deutschen heterosexuellen Beziehungen so?
Sebastian Tigges, der mit seiner Frau Marie Nasemann immer wieder über die Verteilung von Care-Arbeit spricht, findet schon. „Diese vorgetäuschte Hilflosigkeit ist mehr als nur Faulheit – sie ist ein System“, schreibt er im März 2025 auf Instagram. Männer würden gesellschaftlich dazu erzogen, in bestimmten Bereichen inkompetent zu bleiben, während Frauen trainiert würden, diese Lücken zu füllen. „Als Männer müssen wir diese Strategie bewusst erkennen und ablegen [...] wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht wirklich inkompetent sind“, fordert er.
Wichtig sei, über die Aufgabenverteilung im Haushalt zu sprechen, sagt Beuckens BuzzFeed News Deutschland. „Wer ist wofür zuständig? Was liegt wem? Was ist wem wichtig? Es ist wichtig, dass man nach der Aufteilung die Zuständigkeitsbereiche des anderen respektiert“, sagt sie.
Die Paar-Therapeutin hat noch einen weiteren Tipp: „Wichtig ist, sich klarzumachen: Ich bin mehr zu Hause, weil ich mehr Care Arbeit übernehme – aber das heißt nicht, dass ich für alles im Haushalt verantwortlich bin. Dafür braucht es ein Bewusstsein bei beiden Partnern und vielleicht auch die Bereitschaft, dass beide Partner in Elternzeit gehen. Wenn beide länger zu Hause waren, können beide auch Haushaltsroutinen entwickeln.“
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