„Im Verborgenen“

Fake-Brotgeruch und 8 andere Tricks, mit denen uns Supermärkte „gezielt“ beeinflussen

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Rechtshänder-Regale und ätherische Öle: Supermarkt-Betreiber haben einige Strategien, damit wir mehr kaufen als wir brauchen.

Für die einen ist der Gang in den Supermarkt das Highlight des Tages, für die anderen bedeutet der Lebensmitteleinkauf nur Stress, besonders nach Feierabend mit Kindern. Schnell den Einkaufswagen schnappen, ein Brot an der Backstation holen und ab zum Nudel-Regal, bevor es an die SB-Kasse geht. Dabei ahnen viele nicht, dass sie nicht nur an diesen SB-Kassen im Verborgenen getrackt werden, sondern auch ihr Verhalten im Supermarkt „gezielt“ gesteuert wird.

Wie Supermärkte ihre Kunden beeinflussen

„Wir hören immer wieder von Verbrauchern, die sich getäuscht fühlen“, sagt Antje Warlich von der Verbraucherzentrale Niedersachsen BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Etwa durch irreführende Preisschilder oder Angebote, die an der Kasse plötzlich anders berechnet werden.

Doch nicht immer ist sind die „Einkaufsfallen und Verführungen“, wie sie Verena Müller von der Verbraucherzentrale Sachsen nennt, so dreist. Die beiden Verbraucherschützerinnen zählen Tricks auf, mit denen Supermärkte uns beim Einkauf eher unterschwellig beeinflussen, ähnlich wie beim Buffet im Hotel.

1. Beim Einkaufwagen

Einkaufswagen sind so gebaut, dass der Inhalt leicht aus dem Sichtfeld rutscht, erklärt eine Verbraucherschützerin. (Symbolbild)

„Viele Einkaufswagen sind so gestaltet, dass Produkte durch die leichte Neigung beim Schieben schnell aus dem Blickfeld rutschen“, sagt Müller BuzzFeed News Deutschland. Außerdem lasse sich ein gut gefüllter Wagen extra leichter bewegen, was „unbewusst dazu anregt, mehr zu kaufen.“

2. Mit ätherischen Ölen

Der frische Brotgeruch an Backstationen stammt nicht immer von frisch gebackenen Brötchen. (Symbolbild)

Der Duft von frisch gebackenen Sonntagsbrötchen am Backautomaten ist nicht nur „gezielt darauf ausgerichtet, den Appetit zu wecken und den Kauf zu fördern“, wie Müller sagt, sondern ist nicht mal immer echt: „Oft täuschen künstliche Aromen über die Lüftung beziehungsweise Klimaanlage den frischen Brotgeruch vor“, ergänzt Warlich. „Es gibt für fast alle Lebensmittel künstliche Düfte: von Banane über Brot bis hin zu Krabben. Diese ätherischen Öle werden gezielt eingesetzt, um uns zu beeinflussen.“

3. Meisterhaftes Farb- und Lichtspiel

„Buntes Obst und Gemüse am Eingang vermittelt Frische und Qualität, und spezielle Lichtverhältnisse lassen Lebensmittel frischer erscheinen – etwa rötliches Licht für Fleisch oder kühles weißes Licht für Fisch“, sagt Müller BuzzFeed News Deutschland. Warlich spricht davon, dass größere Supermärkte „regelrechte Einkaufserlebnisse“ kreieren würden. Die Musik im Hintergrund helfe dabei. „Obst und Gemüse werden präsentiert wie auf einem Markt, mit Licht und Feuchtigkeit, damit alles frischer wirkt.“

4. Strategische Umwege

Supermärkte sind so aufgebaut, dass Kunden und Kundinnen möglichst viele Umwege laufen müssen, um an möglichst vielen Produkten vorbeizulaufen. (Symbolbild)

Wichtige Grundnahrungsmittel wie Milch und Butter, die bei nahezu jedem Einkauf benötigt werden, seien in vielen Supermärkten am hinteren Ende des Ladens platziert. So seien Kunden und Kundinnen gezwungen, Umwege zu gehen und dabei mehr möglichst lange im Supermarkt zu bleiben, viel zu sehen und zu kaufen, erklärt Müller.

Dass die Obst- und Gemüseabteilung meist am Eingang sei, liege nicht nur daran, dass man danach mit gutem Gewissen Süßes und Ungesundes kauft. Es bewirke auch, dass Kunden den Einkauf in „entspannter Stimmung“ starten würden und „entschleunige“, sagt Müller. „Der marktstandähnliche Aufbau sorgt für eine einladende Atmosphäre, die zum Kauf animiert.“

5. Rechtshänder-Regale in Supermärkten

Rechtshänder werden beim Einkaufen im Supermarkt mehr beeinflusst als Linkshänder. (Symbolbild)

Was wohl viele wissen ist, dass teurere Markenprodukte im Supermarkt auf Augenhöhe stehen, während die günstigeren Produkte oft oben oder unten im Regal einsortiert sind. Experten sprechen auch von Bück- oder Streckware. Doch nicht nur das: Teurere Produkte würden, da die meisten Menschen Rechtshänder seien, meist in der rechten Regelhälfte eingeräumt, sagt Müller.

Auch die im Regal sichtbaren Preise können täuschen: „Viele Kunden fragen uns: ‚Warum ist mein Einkauf an der Kasse teurer, als ich dachte?‘ Oft liegt das an falschen Preisschildern oder Angeboten im Regal, die nicht korrekt ausgezeichnet sind“, sagt Warlich. Grundsätzlich entstehe der Preis erst an der Kasse, wo auch der Kaufvertrag zustande komme. Das wüssten viele nicht. „Aber wenn sich solche Fälle häufen, sollte man das unbedingt bei den zuständigen Behörden melden“, sagt die Verbraucherschützerin aus Niedersachsen und rät, immer den Kassenzettel zu kontrollieren.

6. Bei unseren Kindern mit „Quengelware“ bei Aldi, Penny und Co.

Auch Kinder werden beim Einkaufen beeinflusst. (Symbolbild)

„Produkte, die für Kinder ansprechend sind, wie Süßigkeiten oder Joghurt mit bunten Designs, werden gezielt in Kinderhöhe platziert“, weiß Müller. Auch an den Kassen finden sich solche Kinder-Produkte, die auf impulsive Käufe ausgelegt seien. „Sie werden häufig als Quengelware bezeichnet.“ Nicht nur Kinder würden so beeinflusst – auch Erwachsene griffen hier nicht selten spontan zu, wenn es an der Kasse mal wieder ein wenig länger dauere.

7. Mit Mogelpackungen im Supermarktregal

Mogelpackungen, bei denen der Inhalt schrumpft, aber der Preis gleich bleibt, seien eine gängige Praxis in Supermärkten, sagt Müller. Mit ihnen beeinflussen zwar nicht die Marktbetreiber, dafür aber die Hersteller die Kunden. „Auch minderwertigere Zutaten bei gleichen Preisen gehören zu den sogenannten Skimpflations-Tricks. Diese Methoden sind zwar nicht illegal, jedoch versteckte Preiserhöhungen“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Beim Einkauf sollten Kunden daher stets auf den Grundpreis und die Zutatenliste achten, „um nicht in diese Falle zu tappen“.

8. Mit „cleveren Systemen“, die „im Verborgenen“ arbeiten, steuern uns Supermärkte

Kundenkarten und Supermarkt-Apps wirken auf den ersten Blick wie ein Gewinn, schließlich gibt es mit ihnen Rabatt und Prämienpunkte. Doch die Supermarkt-Ketten sammeln durch sie auch „wertvolle Daten über das Einkaufsverhalten“ ihrer Kunden. „Es ist beeindruckend, wie clever diese Systeme im Verborgenen arbeiten“, ergänzt Warlich. Die Daten würden zur gezielten Kundenbindung und für personalisierte Werbung genutzt, was oft dazu führe, dass wir noch mehr Dinge kaufen würden als wir eigentlich bräuchten.

9. Mit Rabattaktionen beeinflussen uns Rewe, Lidl und Co.

Mit Rabatt-Aktionen und Punkte-Sammeln beeinflussen uns Supermärkte unbewusst. (Symbolbild)

„Es lohnt sich, mit offenen Augen durch den Supermarkt zu gehen. Angebote, Rabatte oder Sonderaktionen sind nicht immer so günstig, wie sie auf den ersten Blick wirken“, sagt Warlich BuzzFeed News Deutschland. „Cleveres Neuromarketing spricht das Gehirn mit Sätzen wie ‚Nur heute!‘ oder ‚Schnäppchen!‘ sofort an. Wir denken: ‚Das brauche ich jetzt unbedingt!‘ Aber stimmt das und ist es wirklich billiger?“ Oft lohne sich ein Blick auf den Grundpreis. Beispielsweise sei eine Großpackung nicht automatisch günstiger als eine kleinere Packung.

Das Problem: Oft würden Sonderangebote so platziert, dass der Preisvergleich nur schwer möglich ist, was „gezielt Impulskäufe auslöst“, sagt Müller. Teure Marken-Nudeln mit Tomatensoße beispielsweise würden häufig als „Stopper-Produkte an auffälligen Stellen im Laden präsentiert“, wo ein Preisvergleich aufgrund der Entfernung zu Vergleichsprodukten mit erhöhtem Aufwand verbunden wäre.

Wie können Kunden der Beeinflussung im Supermarkt entgehen?

Die beiden Verbraucherschützerinnen sind sich einig: Um der Beeinflussung im Supermarkt zu entgehen, helfe eine gut geplante Einkaufsliste. „Einer meiner wichtigsten Tipps ist, einen Einkaufszettel zu schreiben und sich daranzuhalten. Das klingt banal, aber so lassen sich Impulskäufe, die dem Supermarkt-Betreiber mehr bringen als einem selbst, vermeiden“, sagt Warlich. Und: Niemals hungrig einkaufen gehen! „Wer hungrig einkaufen geht, lässt sich schneller von Angeboten verführen“, sagt Müller.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Martin Wagner

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