VonUlrike Hagenschließen
Vom frisch verabschiedeten Rentenpaket 2025 profitieren entgegen aller Kritik sämtliche Versicherten, auch die jüngsten. Das zeigt eine neue Analyse von Wirtschaftsforschern.
Frankfurt/Berlin – „Generationenverbrechen“ oder gerechte Reform? Das Rentenpaket 2025 der Regierung unter Friedrich Merz (CDU) musste sich in den vergangenen Monaten harter Kritik aussetzen. Doch eine neue wissenschaftliche Analyse zeigt nun: Das Renten-Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung benachteiligt junge Menschen nicht überproportional. Alle Generationen profitieren von der geplanten Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent. Selbst die Jüngsten gewinnen durch die geplanten Reformen – und das sogar noch mehr als beim gescheiterten Ampel-Konzept.
Die Debatte wird hochemotional geführt: Zuletzt hatte der Geschäftsführer der arbeitgeberfinanzierten Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Torsten Alsleben, das Gesetzesvorhaben, am Rentenniveau festzuhalten, einen „finanzpolitischen Sündenfall“ und „Generationenverbrechen“ genannt. Doch die am Dienstag (25. November) veröffentlichte Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung räumt mit dem weit verbreiteten Vorurteil der Generationenungerechtigkeit auf.
„Unbegründete Sorgen“: Studie belegt – alle Generationen profitieren vom Rentenpaket 2025
Für ihre Studie analysierten die Forscher um den wissenschaftlichen IMK-Direktor Sebastian Dullien mit dem dynamischen Rentenversicherungsmodell die Auswirkungen des geplanten Rentenpakets 2025 auf verschiedene Geburtsjahrgänge. Das überraschende Ergebnis: „Alle heute Erwerbstätigen sowie junge Menschen, die aktuell noch vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen, erhalten im Verhältnis zu ihren Beiträgen überproportional mehr Rente.“
Sämtliche untersuchten Generationen – von den Geburtsjahrgängen 1940 bis 2010 – profitierten somit von der geplanten Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent. Die aktuellen Pläne von Union und SPD brächten vor allem für die jüngsten Kohorten – ab etwa Geburtsjahr 2000 – dabei sogar deutlich höhere Renditen als das ursprüngliche Ampel-Konzept.
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Der Wirtschaftsforscher erklärt: „Wenn Kritiker wie die jungen Abgeordneten der Union die ‚Haltelinie‘ beim Rentenniveau als nicht generationengerecht bezeichnen, basiert das auf einer Fehlannahme.“ Auch die jüngsten Geburtsjahrgänge erhielten absehbar auch inflationsbereinigt mehr aus der Rentenversicherung, als sie über ihr Leben einzahlen: „Die Renditen aus den Beiträgen unterscheiden sich zwischen den Generationen nicht groß.“
Ein Kippen des Rentenpakets hätte die wirtschaftliche Erholung in Deutschland gefährdet.
Je nach Geburtsjahr und Geschlecht lägen mit der Stabilisierung des Rentenniveaus die Renditen des Beitragsteils, der in den Rentenanspruch fließt, bei 3,1 bis 4,5 Prozent: „Das ist für alle Geburtsjahre ab etwa 1960 knapp 0,1 Prozentpunkt mehr als ohne Stabilisierung.“
Auch bleibe die Belastung in einem verkraftbaren Rahmen. Die Zahlungen des Bundes an die Rentenversicherung würden danach durch das Rentenpaket langfristig um etwa 0,3 zusätzliche Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts steigen. Bestehe trotz der moderaten Belastung die Sorge, dass der Bundeshaushalt mit den Zuschüssen überfordert sei, so könne mittelfristig ein größerer Anteil der Stabilisierung durch höhere Beiträge statt durch Bundeszuschüsse finanziert werden, ergänzen Dullien und sein Team.
Der aktuelle Kompromiss ist ein Beitrag zu Stabilität und Vertrauensbildung. Sorgen, dass das Paket zu Generationenungerechtigkeit führt, sind unbegründet, wie unsere Berechnungen zeigen.
Selbst bei einer Beitragsfinanzierung würde durch die Niveaustabilisierung die Renten-Rendite für alle Geburtsjahrgänge von den 1940ern bis 2005 steigen, wenn auch weniger deutlich: „Da höhere Beiträgen auch höhere Leistungen und mehr Kaufkraft in der Bevölkerung gegenüberstehen würden, hätten steigende Rentenbeiträge grundsätzlich gesamtwirtschaftlich auch keine negativen Wachstums- oder Beschäftigungseffekte.“
„Beitrag zu Stabilität und Vertrauensbildung“: Studie widerlegt Generationenvorwürfe des Renten-Pakets
„Insofern ist der aktuelle Kompromiss ein Beitrag zu Stabilität und Vertrauensbildung“, führt Dullien gegenüber Ippen.Media am Freitag (28. November) aus: „Es ist gut, dass die Koalition sich geeinigt hat, das Rentenpaket 2025 in der aktuellen Form zu verabschieden. Ohne das Paket wäre es ab nächstem Sommer zu fallenden Sicherungsniveaus bei den Renten gekommen.“
Die aktuellen Prognosen für eine konjunkturelle Erholung im kommenden Jahr setzten auf einen Zuwachs des privaten Konsums, so Dullien. Ein Absenken des Rentenniveaus hätte das Risiko mit sich gebracht, dass der Privatkonsum spürbar gedämpft worden wäre. Zum einen, weil die Menschen Angst um ihre Altersabsicherung bekommen hätten – oder weil sie als Rentnerinnen und Rentner schlicht dadurch weniger Geld zur Verfügung gehabt hätten: „Kurz: Ein Kippen des Rentenpakets hätte die wirtschaftliche Erholung in Deutschland gefährdet“.
Kompromiss öffnet Tor für eine Folge-Reform
Mit dem jetzigen Kompromiss sei jedoch nicht das Tor für eine Folge-Reform verschlossen: „Im Gegenteil: Eine Kommission soll Vorschläge erarbeiten“. Wenn Reformen dann ab den 2030ern griffen, hätten die Menschen bis dahin ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen. Zentral sei, dass die Kommission die Belange aller Generationen und die gesamtwirtschaftlichen Rückwirkungen von Reformverschlägen angemessen berücksichtige: „Generell gilt: Auskömmliche Alterseinkommen sind wichtig für eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung.“
Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

