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Mit über 2.500 US-Dollar pro Feinunze hat der Goldpreis einen historischen Höchstwert erreicht. Zwei Hauptgründe für die hohe Nachfrage werden genannt. Dabei spielt Angst nicht unbedingt eine Rolle.
London – Der Höhenflug von Gold scheint kein Ende zu nehmen. Innerhalb eines Jahres ist der Goldpreis um etwa 30 Prozent gestiegen. Jetzt hat das Edelmetall erneut einen Rekordwert von mehr als 2500 US-Dollar erreicht. Warum so viele Investoren aktuell in Gold anlegen, bleibt auch für Analysten teilweise ein Rätsel. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsansätze. Angst spielt dabei allerdings nur eine untergeordnete Rolle.
Gold derzeit auf Rekordhoch – zwei Erklärungen dafür gibt es
Bereits am Freitag verzeichnete die Londoner Börse einen Goldpreis von 2500 US-Dollar pro Feinunze – ein Rekordwert. Eine Feinunze entspricht 31,103 Gramm und dient als Maßeinheit für Edelmetalle und deren Preise. Aktuell liegt der Preis sogar noch höher, bei 2528 US-Dollar oder 2278 Euro je Feinunze.
Warum die Preise für das edle Metall derzeit nur steigen, darauf haben selbst Analysten keine klare Antwort. Zwei Erklärungen werden jedoch häufig genannt. Zum einen sind die Zinsen in den USA seit einiger Zeit auf einem hohen Niveau von 5,25 bis 5,5 Prozent. Viele erwarten jedoch, dass diese bald sinken könnten, was sich auf den Wechselkurs und verzinste Anlagen auswirken würde. In beiden Szenarien gewinnt zinsloses Gold an Attraktivität, da es im Vergleich zu Anlagen mit fallenden Zinsen oder schwächerem Dollar als sicherer Wertspeicher gilt.
Ein weiterer Aspekt ist die weltweit zunehmende Nachfrage nach Gold. Laut dem World Gold Council (WGC) haben sowohl Notenbanken weltweit als auch private Investoren in Indien und China kürzlich ungewöhnlich große Mengen an Gold gekauft. Privatanleger hingegen zeigten sich zurückhaltender. Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank erklärte im Update Wirtschaft auf tagesschau24: „Zum einen ist der Goldanteil in den Währungsreserven dieser Schwellenländer noch vergleichsweise gering – deutlich geringer als in den Industrieländern. Daher besteht die Notwendigkeit, zu diversifizieren und den Dollar-Anteil zu reduzieren.“
Angst oder Gier – Geopolitische Spannungen erhöhen Nachfrage nach Gold
Auch geopolitische Gründe hat der steigende Goldmarkt. Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Groep, erklärte in einer Notiz, die von Bloomberg aufgegriffen wurde, dass der Goldpreis in diesem Jahr voraussichtlich weiter steigen wird. Sie führt dies auf die anhaltend hohe Nachfrage nach sicheren Anlagen zurück, die durch geopolitische Unsicherheiten wie die laufenden Kriege und die bevorstehenden US-Wahlen angeheizt wird. „Gold wird in Zeiten der Instabilität tendenziell attraktiver, wenn sich die Anleger in sichere Anlagen flüchten, um sich gegen das Wirtschaftsklima, geopolitische Spannungen oder die Inflation abzusichern“, erklärt sie.
Der Fear and Greed Index (zu Deutsch Angst-und-Gier-Index) des globalen Händlers für Edelmetalle HM Bullion zeigt, dass die aktuelle Nachfrage nach Gold eher durch Gier als durch Angst bestimmt wird. Mit einem Wert von 85, wobei 100 extreme Gier signalisiert, deutet der Index darauf hin, dass Händler eine positive Aussicht auf zukünftige Preise haben und entsprechend stark kaufen, um möglichst hohe Gewinne später zu erzielen. Während die Anleger möglicherweise keine Angst empfinden, vertritt der Multimilliarden-Investor Warren Buffett eine eher skeptische Ansicht: Er glaubt, dass eine Investition in Gold oft allein von Angst getrieben ist.