Einigung nicht in Sicht

Trotz neuem Angebot: GDL ruft zum Mega-Streik bei der Bahn auf

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Die Lokführergewerkschaft GDL will die Bahn ab Mittwochfrüh bestreiken – für sechs Tage. Es drohen tausende Zugausfälle in Deutschland.

Update vom 22. Januar, 9:20 Uhr: Jetzt droht ein echter Mega-Streik bei der Bahn. Die Lokführergewerkschaft GDL will die Deutsche Bahn von Mittwoch (24. Januar), 2 Uhr, bis Montag (29. Januar), 18 Uhr, bestreiken. Das am Freitag neu unterbreitete Angebot der Bahn wurde von der GDL abgeschmettert. „Mit dem dritten und angeblich verbesserten Angebot hat die Deutsche Bahn AG erneut gezeigt, dass sie ihren bisherige Verweigerungs- und Konfrontationskurs unverdrossen weiter verfolgt – von Einigungswillen keine Spur“, begründete die GDL die Entscheidung in der Nacht zum Montag. Zugreisende müssen sich auf massive Einschränkungen einstellen.

Nach Streik-Drohung der GDL: Bahn legt neues Angebot vor

Update vom 19. Januar, 11:38 Uhr: Nach mehreren Tagen Funkstille hat die Deutsche Bahn der Lokführergewerkschaft GDL am Freitag (19. Januar) ein neues Angebot vorgelegt. Die Besonderheit: Erstmals bietet die Bahn eine Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich an. Lokführer und Zugpersonal sollen demnach ab dem 1. Januar 2026 nicht mehr 38, sondern nur noch 37 Stunden arbeiten müssen – bei gleichem Gehalt. Wer seine Arbeitszeit nicht kürzt, bekomme laut Bahn 2,7 Prozent mehr Geld. Zudem biete man in Summe 13 Prozent mehr Gehalt, so die Bahn.

Ob das reicht, um die GDL wieder an den Verhandlungstisch zu holen, bleibt abzuwarten. Noch hat sich die Gewerkschaft nicht zum neuen Angebot geäußert. Eigentlich fordert die GDL eine Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden, bei vollem Lohnausgleich. Noch vor einer Woche drohte GDL-Chef Claus Weselsky mit neuen Streiks, die „länger und härter“ werden könnten. Ob diese nun abgewendet sind, wird sich zeigen.

Nächster Bahnstreik soll „länger und härter“ werden – was bisher bekannt ist

Aktualisierte Erstmeldung vom 15. Januar: Köln – Drei Tage lang standen die meisten Züge der Deutschen Bahn im Januar schon still. Vom 10. bis zum 12. Januar hatte die Lokführergewerkschaft GDL die Bahn bestreikt. Und schon zum Ende des Streiks brachte GDL-Chef Claus Weselsky weitere Arbeitskämpfe ins Gespräch. Lassen sich neue Streiks noch abwenden? Der aktuelle Stand zum Tarifstreit zwischen Bahn und GDL.

Wird es einen neuen Bahnstreik der GDL geben?

Aktuell spricht vieles dafür. GDL-Chef Claus Weselsky hatte schon direkt zum Ende des jüngsten Streiks mit weiteren Arbeitskämpfen gedroht, sollte die Bahn nicht „zur Besinnung kommen“. Weselsky betonte: „Tun sie das nicht, wird die nächste Arbeitskampfmaßnahme folgen. Sie wird länger sein und sie wird das Unternehmen noch härter treffen.“

Der jüngste Streik dauerte im Personenverkehr fast drei Tage lang. Im Güterverkehr hatten die Lokführer sogar für 72 Stunden die Arbeit niedergelegt. Ein möglicher nächster Streik dürfte damit sogar noch länger werden. Schon im Dezember 2023 hatte Weselsky mit Bahnstreiks zwischen drei und fünf Tagen gedroht. Gut möglich also, dass ein weiterer Streik vier oder gar fünf Tage lang werden könnte.

Wann könnte die GDL wieder streiken?

Das ist im Moment noch völlig unklar. Aber Weselsky sagte am Wochenende der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten im Hinblick auf neue Streiks: „Ich glaube nicht, dass ich mir viel Zeit lasse.“ Sollte es keine Annäherung zwischen Bahn und GDL geben, wäre also schon in den kommenden Wochen ein weiterer Bahnstreik denkbar.

ICEs der Bahn auf dem Abstellgleis – so sah es beim letzten Streik vielerorts in Deutschland aus.

Droht bald auch ein unbefristeter Bahnstreik?

Bislang nicht. Weselsky hat zuletzt mehrfach betont, dass die GDL derzeit nicht in einen unbefristeten Streik treten wolle. Die Auswirkungen seien zu groß, sagte der Gewerkschaftsführer. Möglich wäre das aber theoretisch, denn die GDL hat ihre Mitglieder im Dezember in einer Urabstimmung über längere Arbeitskämpfe abstimmen lassen. Mit großer Mehrheit wurde das bejaht.

Kann ein neuer Bahnstreik noch verhindert werden?

Ja, beispielsweise, wenn Bahn und GDL wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das hatte die Bahn zuletzt gefordert. Dafür müsste die Bahn aber wohl ein Angebot machen, das die GDL als Verhandlungsgrundlage sieht. Das jüngste Angebot der Bahn wurde von der Gewerkschaft regelrecht abgewatscht, obwohl es darin auch um die Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter ging.

Das Problem: Die Bahn bot ein Wahlmodell an, in dem Beschäftigte finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, wenn sie sich für weniger Arbeitszeit entscheiden. Die GDL fordert aber eine Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Könnte eine Schlichtung im Tarifstreit helfen?

In der Vergangenheit gelang das bei verschiedenen Tarifrunden öfter. Unter anderem bei den festgefahrenen Verhandlungen im öffentlichen Dienst im Frühjahr 2023. Bei Bahn und GDL sieht es aktuell aber nicht nach Schlichtung aus.

Weselsky hatte sich am Wochenende gegen eine Schlichtung ausgesprochen. Über „grundsätzliche Angelegenheiten“ lasse sich nicht schlichten, sagte er der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. „Die Frage, ob ich einen Tarifvertrag für Fahrdienstleiter kriege, gebe ich in keine Schlichterhand“, so Weselsky weiter.

Worum geht es im Tarifstreit zwischen Bahn und GDL?

Die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn verhandeln über einen neuen Tarifvertrag. Die Gespräche haben Anfang November begonnen. Es kam aber schnell zur Eskalation. Die GDL hatte die Verhandlungen schon nach der zweiten Runde Ende November für gescheitert erklärt. Schon dreimal kam es zu Streiks der Lokführergewerkschaft – Anfang November, Anfang Dezember und zuletzt Anfang Januar.

Die GDL fordert für ihre Mitglieder mehr Geld und eine Inflationsausgleichsprämie. Kernpunkt für die Gewerkschaft ist aber die Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die GDL will den Job angesichts des großen Personalmangels so auch wieder attraktiver machen, wie Claus Weselsky bereits im Herbst im Interview mit Ippen.Media sagte. Die Bahn lehnt das bislang ab. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Lennart Preiss/dpa & Bihlmayerfotografie/Imago

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