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Der Traum vom Eigenheim platzt: Immer weniger Deutsche können sich eine Immobilie leisten

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Der Glaube daran, ein eigenes Haus oder eine Wohnung finanzieren zu können, sinkt laut einer aktuellen Umfrage. Dabei kann es sich lohnen, genau nachzurechnen.

München - Nach den Krisenjahren 2022 und 2023 mit hohen Zinsen und viel Unsicherheit im Markt hat die Nachfrage nach Immobilien zuletzt wieder angezogen. „Die Preise in Deutschland sind seit Januar 2024 um rund fünf Prozent gestiegen“, sagte Jörg Utecht, Vorstands-Chef des Baufinanzierers Interhyp Gruppe. Der Grund seien neben der gestiegenen Nachfrage auch das gleichzeitig vergleichsweise knappe Angebot.

Immobilienmarkt: Seit 2024 haben die Immobilienpreise wieder angezogen

Der Immobilienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach stark verändert. In der Niedrigzinsphase gab es günstige Kredite, gleichzeitig überstieg die Nachfrage nach Immobilien deutlich das Angebot. In der Folge schossen die Preise in die Höhe. In den darauffolgenden Krisenjahren 2022 und 2023 folgte hingegen eine gegenteilige Entwicklung: Plötzlich war Angebot da, aber keine Nachfrage mehr - die Immobilienpreise sanken. Seit 2024 hat sich der Markt nun wieder gedreht.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Interhyp-Leistbarkeitsstudie. In dieser repräsentativen Umfrage gaben 55 Prozent der Befragten an, sich eine Immobilie in ihrer Region leisten können. Ein Team hatte für die Studie rund 1000 Menschen zwischen 25 und 65 Jahren befragt, die auf der Suche nach einer Immobilie sind oder in den vergangenen fünf Jahren ein Haus gekauft haben.

Steigende Immobilienpreise schrecken Käufer ab

Wer sich heute eine Wohnung in Deutschland kaufen möchte, muss dafür im Schnitt 2887 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Das geht aus der aktuellen Statistik des Postbank-Wohnatlas 2025 hervor, über den der Focus berichtet. Vor acht Jahren waren es nur 1757 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen sind seitdem also um rund 64 Prozent angezogen. Das ist deutlich mehr als die allgemeine Inflationsrate. Im Allgemeinen zahlen Sie für Güter heute nur rund 29 Prozent mehr als vor acht Jahren.

Auch wenn aktuell mehr als die Hälfte der Interhyp-Befragten der Meinung sind, einen Immobilienkauf finanziell stemmen zu können, liegt dieser Wert doch rund vier Prozentpunkte geringer als vor vier Jahren. Die steigenden Immobilienpreise lassen viele potenzielle Käufer am Traum vom Eigenheim zweifeln. „Unsere Studie zeigt, dass sich die Einschätzung der Leistbarkeit weiterhin stark an den Immobilienpreisen orientiert“, erläutert Utecht. Auf die Frage „Woran machen Sie die Einschätzung fest, wie gut oder schlecht Sie sich eine Immobilie leisten können?“ antworten 52 Prozent (2024: 54 Prozent) der Befragten „anhand der Höhe der Immobilienpreise (in meiner Region)“.

Weniger Angebot auf dem Immobilienmarkt: Der Traum vom Eigenheim platzt

Und auch das Angebot an Immobilien wird als kleiner empfunden: Weniger Befragte (- 5 Prozentpunkte) geben an, dass es aus ihrer Sicht wieder mehr Angebote auf dem Markt gebe. Dabei machen sich die Deutschen die Entscheidung für einen Immobilienerwerb nicht gerade leicht. Die Zahl der Hausbesitzer liegt hierzulande mit 47 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (69 Prozent), berichtet der Spiegel.

Überraschend ist, dass weniger als ein Drittel der Befragten angab, sich die tatsächliche Finanzierung eines Hauskaufs durchgerechnet zu haben. Viele Interessierte lassen sich also von vornherein von den steigenden Immobilienpreisen abschrecken, ohne genauer hinzusehen. Zwar mag der Zeitpunkt nicht ideal sein, aber es könnte schlechter sein: In manchen Regionen haben die Preise die alten Höchststände noch nicht wieder erreicht.

Immobilienpreise in Bayern ziehen davon

In den 400 deutschen Städten und Landkreisen unterscheiden sich die Preissteigerungen erheblich. Wer etwa in Bayreuth zu lange mit dem Wohnungskauf gezögert hat, der dürfte das jetzt bitter bereuen. Seit 2016 hat sich der Quadratmeter hier von 1023 auf 3175 Euro gesteigert. Das ist ein Plus von 210 Prozent, womit Bayreuth deutscher Spitzenreiter ist. Dicht dahinter liegt der ebenfalls in Bayern gelegene Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, wo die Preise von 687 auf 2114 Euro pro Quadratmeter stiegen. Ersteres war weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt, letzteres entspricht diesem nun. Der Anstieg liegt damit bei 208 Prozent.

Warum es gerade diese beiden Regionen getroffen hat, lässt sich nur schwer begründen. Bayreuth profitiert davon, dass die Immobilienpreise in Mittelstädten mit maximal 100.000 Einwohnern im untersuchten Zeitraum mit 72 Prozent stärker stiegen als im Bundesdurchschnitt. Der Landkreis Wunsiedel führt seine Preissteigerungen selbst auf einen starken Anstieg der Beschäftigung in der Region zurück – allerdings liegt dieser im Bundesvergleich nicht sonderlich hoch.

Bauzinsen spielen bei der Entscheidung für einen Immobilienkauf eine wichtige Rolle

Das Niveau der Bauzinsen spielt für die Entscheidung über einen Eigenheimerwerb eine wichtige Rolle. Das Niveau lag nach Interhyp-Aussage im Jahr 2023 weit über vier Prozent, inzwischen liegt es bei rund 3,6 Prozent (bei zehnjähriger Zinsbindung). „Natürlich ist der Zins ein wichtiger Baustein einer Immobilienfinanzierung - aber eben nur ein Baustein“, sagt Jörg Utecht. „Auch die gewählte Zinsbindung, die Tilgungshöhe oder die Einbindung möglicher Fördermittel spielen eine wichtige Rolle. Genauso wie die individuelle Lebensplanung.“

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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