VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Russlands Öl-Exporte auf dem Seeweg schwächeln massiv. Dafür sind neue US-Sanktionen verantwortlich. Der Kreml sucht noch nach Lösungen.
Moskau – Ukrainische Drohnenangriffe, westliche Sanktionen und dann ist da auch noch die Opec+: Russlands Ölsektor steht unter Beschuss aus allen Richtungen. Kürzlich kamen auch noch neue US-Sanktionen hinzu, die zwei der wichtigsten russischen Ölunternehmen treffen. Während die russische Regierung einen Ausweg sucht, brechen die Einnahmen aus dem Ölexport weiter ein. Aktuelle Zahlen zeigen, wie ernst es ist.
Öl-Exporte mit traurigem Negativ-Rekord – Rückschlag für Russlands Wirtschaft
In der Woche zwischen dem 3. und 9. November sollen die russischen Öl-Exporte auf dem Seeweg auf ein neues Dreimonatstief gefallen sein. Das Center for Pricing Indices, eine russische Agentur für Exportpreise, teilte mit, dass diese Ausfuhren im Schnitt auf 320.000 metrische Tonnen pro Tag gesunken sind – ein so niedriges Niveau war seit Mitte Juli nicht mehr verzeichnet worden. 23 Tankschiffe hätten Russland in dieser Woche verlassen, während es normalerweise zwischen 26 und 28 sind.
Der Grund dafür: Angeblich ist Moskau dabei, hektisch alternative Routen zu planen, nachdem die USA zwei der wichtigsten und größten Ölkonzerne Russlands unter neue Sanktionen gestellt haben. So berichtete es die Zeitung Kommersant Business. Konkret handelt es sich um Lukoil und Rosneft, die zusammen rund die Hälfte der russischen Ölförderung ausmachen. Ende Oktober hatte US-Präsident Donald Trump die beiden Konzerne sanktioniert, was derzeit für einen Run auf die ausländischen Assets von Lukoil sorgt.
Die aktuellen Schwierigkeiten beim Öl-Export auf dem Seeweg sollen allerdings nicht für einen Zusammenbruch des Sektors führen. Ökonomen gehen nur von kurzfristigen Störungen aus, berichtete die russische Exilzeitung Moscow Times. Die neuen US-Maßnahmen erlauben es Schiffseigentümern, für den Transport von russischem Öl höhere „Risikoprämien“ zu verlangen.
Schattenflotte soll Öl-Exporte weiter hochhalten – Sanktionen drücken auf Russlands Wirtschaft
Das Center for Research on Clean Energy and Air (CREA) zeigt in seinem neuesten Monatsbericht ebenfalls die Probleme im russischen Ölsektor. Im Oktober sind die monatlichen Exporteinnahmen des Kremls um vier Prozent eingebrochen, verglichen mit September. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen auf 524 Millionen Euro pro Tag. Nach CREA-Angaben sind sie damit so niedrig wie seit Beginn der Invasion im Jahr 2022 nicht mehr.
Auch im Oktober machten sanktionierte Frachtschiffe der sogenannten Schattenflotte ein Großteil der Exporte aus. Sie transportierten 44 Prozent der Ausfuhren – 38 Prozent entfielen auf Schiffe der G7+-Staaten (eine Art Gegenentwurf zu den G7, allerdings mit hochgradig instabilen Ländern). Die restlichen 18 Prozent übernahmen nicht-sanktionierte Schiffe der Schattenflotte.
Preisdeckel auf Putins Öl – so will der Westen Russlands Einnahmen beschneiden
Wie immer schlägt CREA, um Russlands Einnahmen weiter zu beschneiden, einen härteren Preisdeckel auf russische Öl-Exporte vor. Ursprünglich betrug dieser 60 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Zu einem höheren Preis hatten Schiffe das Öl nicht mehr transportieren dürfen, weil sie sonst nicht mehr an den Westen verkaufen oder westliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen durften. Später senkten sowohl die EU als auch weitere Industriestaaten den Deckel auf 47,60 US-Dollar. CREA will einen Deckel in Höhe von 30 US-Dollar.
Ein solcher Preisdeckel würde für weitere Einbrüche in Russlands Ölsektor sorgen. Wäre schon seit Beginn der EU-Sanktionen ein Preisdeckel von 30 US-Dollar verhängt worden, hätte das Russlands Einnahmen aus dem Ölexport um 40 Prozent einbrechen lassen. Allein im Oktober hätte der Preisdeckel Russlands Einnahmen um 36 Prozent geschwächt.
Trump gegen Putin – Sanktionen bringen Lukoil in Schwierigkeiten
Die aktuellen Umschichtungen in den russischen Transportrouten ist ein direktes Resultat aus neuer US-Sanktionierung. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Ölriesen Lukoil und Rosneft sanktioniert hatte, brach ein wahrer Rush auf die ausländischen Assets von Lukoil los. Das Unternehmen steht vor dem Dilemma, entweder verkaufen zu müssen oder Enteignungen hinzunehmen. Mitte November wurde bekannt, dass eine vorher geltende Deadline für diese Verkäufe (21. November) auf den 13. Dezember ausgeweitet werden soll. (verwendete Quellen: CREA, Kommersant business, Moscow Times) (laernie)
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