„Es ist nicht viel Zeit“

Trump verzögert Putin-Strafe: Massive Wirtschaftssanktionen gegen Russland kommen doch später

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Russland erzielt Milliarden durch seine Öl-Exporte. Die USA zielen auf diese Einkommensquelle ab. Neue Sanktionen folgen später als ursprünglich angedacht.

Washington, D.C./Moskau – Der verzweifelte Ausverkauf beim russischen Öl-Giganten Lukoil geht weiter. Nachdem die USA drastische Sanktionen auf Lukoil und einen zweiten Mega-Konzern gelegt hatten, begann in Russland die Suche nach Käufern – andernfalls droht die Enteignung. Es geht um Assets in Milliardenhöhe. Allerdings gibt es dabei gute Nachrichten für Kreml-Chef Wladimir Putin: US-Präsident Donald Trump geht einen kleinen Schritt zurück.

Aufatmen in Russlands Wirtschaft – Öl-Konzern erhält mehr Zeit von Trump

Die USA gewähren Lukoil einen Aufschub beim Verkauf seiner ausländischen Assets. Diese soll bis zum 13. Dezember laufen. Im Laufe der ersten Novemberhälfte hatte das Interesse an diesen Assets drastisch zugenommen. Unter anderem hatten sich potenzielle Käufer aus den USA, Europa und vom Persischen Golf gemeldet. Bis zum 21. November hatte der Konzern ursprünglich Zeit für alle Verkäufe gehabt.

Donald Trump in Washington (Symbolfoto). Mit dem Verkauf von Öl-Exporten macht Russland Milliarden. Die USA greifen diese Einkommensquelle an. Neue Sanktionen kommen später als gedacht.

„Bis zum 13. Dezember ist nicht viel Zeit“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Jeremy Paner, einen ehemaligen Offiziellen des U.S. Office of Foreign Assets Control. „OFAC denkt, dass sie potenzielle Käufer damit autorisieren, ihren Platz in der Schlange zu behalten, aber der tatsächliche Abschluss des Deals wird viel länger als diese 30 Tage brauchen, selbst bei einem Schnellverkauf.“

Angeblich kommt diese Verzögerung wegen einer Bitte vonseiten Lukoils. Der russische Megakonzern war in Verhandlungen mit mehreren möglichen Käufern eingetreten. Eine Option für diese Verkäufe wäre eine Struktur, in der der Primärkäufer die meisten von Lukoils Assets kaufen würde und diese durch mehrere kleinere Transaktionen ergänzt.

USA verkünden Mega-Sanktionen – Putins Öl-Konzern steht vor großen Abverkäufen

Was steckt dahinter? Ende Oktober 2025 hatten die USA in einem unerwarteten Schritt die zwei russischen Öl-Konzerne Lukoil und Rosneft unter Sanktionen gestellt. Zusammen stellen sie rund die Hälfte der Kapazitäten für die russische Ölproduktion. Lukoil kommt dabei schlechter weg als Rosneft – im Gegensatz zum staatlich gehaltenen Rosneft handelt es sich dabei um einen privaten Konzern, der über viele Jahre teure Assets im Ausland aufgebaut hatte.

Diese Assets drohen jetzt enteignet zu werden. Unter anderem geht es um Ölfelder im Irak, um Tankstellen auf dem Balkan, Ölraffinerien in Europa oder Pumpstationen. Schon jetzt, Stand Mitte November, gibt es dabei erhebliche Unterbrechungen. Bulgarien hat per Gesetz eine russische Raffinerie enteignet, Kasachstan evaluiert einen Einkauf der Lukoil-Assets und auch in Moldau hält Lukoil Teile an der Flughafen-Infrastruktur. Der Treibstoffriese Shell hat offenbar Interesse an Unterwasser-Infrastruktur in Ghana und Nigeria, berichtete der britische Guardian unter Berufung auf Reuters-Informationen.

Bei all diesen Verkäufen steckt Lukoil in einer erheblichen Zwickmühle. Sollten diese nämlich fehlschlagen oder nicht zustande kommen, droht die Enteignung per ausländischem Staat. Das berichtete Sergei Wakulenko vom Carnegie Russia Eurasia Center und früherer Chefstratege beim russischen Ölriesen Gazprom Neft. Und immer droht Ärger vonseiten der USA – zum Beispiel hatte Lukoil schon versucht, seine Assets an den Schweizer Ölhändler Gunvor zu verkaufen, was das US-Finanzministerium aber wegen einer angeblichen Nähe zum Kreml nicht zuließ.

Russlands Wirtschaft braucht die Öl-Exporte – Sanktionen und Ukraine greifen Sektor an

Das Chaos um Lukoil und Rosneft ist für Russlands Wirtschaft eine Katastrophe. Mit Öl- und Gasverkäufen macht der Kreml seine Milliarden; ein erheblicher Anteil des russischen Haushaltseinkommens stammt aus diesen Exporten. Dementsprechend hatte sich der Westen früh darauf verlegt, genau diesen Sektor mit Sanktionen kleinzuhalten. Über die Jahre – und nachdem klar wurde, wie anpassungsfähig Russland hier ist – hatten die ukrainischen Verbündeten diese Sanktionen immer weiter angezogen.

Zusätzlich hatten die Ölpreise generell einen gewissen Einbruch erlebt, der sich über große Teile des Jahres 2025 zog. Der Grund dafür ist das Ölförderkartell Opec+. Dieses hatte eine Förderbegrenzung, die seit längerer Zeit gilt, schrittweise wieder aufgehoben, sodass die Ölmenge auf dem Markt größer wurde.

Zugleich bombardiert die Ukraine seit August gezielt russische Öl-Infrastruktur, was zu einer Treibstoffkrise geführt hatte. Wegen der extremen Engpässe im Inland hatte Russland Exportbeschränkungen aufgelegt, was zu einem weiteren Einbruch bei den Exporten geführt hat. Laut dem Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) brachen die russischen Exporte für fossile Treibstoffe im Oktober um vier Prozent gegenüber dem September ein (auf 524 Millionen Euro pro Tag). So niedrig waren sie seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht gewesen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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