Frankfurter Rundschau vor Ort

„Über Monate gelogen“: Protest gegen Bürgergeld-Aus und Milliarden-Betrug – selbst aus der Koalition

  • schließen

Das Bürgergeld soll enden – die Merz-Regierung will schärfere Sanktionen durchboxen. Wieso der Gegenwind sogar aus eigenen Reihen kommt.

Berlin – Das Bürgergeld steht vor dem Aus. Bürgergeldempfängerinnen und -empfänger müssen bald mit deutlich schärferen Sanktionen rechnen. Die schwarz-rote Koalition brachte am Donnerstag den Gesetzentwurf zur Abschaffung des Ampel-Gesetzes in den Bundestag. Die neue Grundsicherung soll das Bürgergeld ersetzen. Doch es formiert sich ein breites Bündnis gegen den Plan. Sozialverbände und Opposition rufen zum Protest auf. Besonders pikant: Selbst an prominenter Stelle der SPD wird gegen die eigene Koalition geschossen.

Jan van Aken (Die Linke) und Timon Dzienus (Die Grünen) halten vom geplanten Bürgergeld-Aus der schwarz-roten Koalition nichts. Sie kritisieren, dass der Staat woanders viel mehr Geld sparen könnte.

Noch vor der Bundestagsdebatte zum Bürgergeld-Aus luden die großen Sozialverbände und Gewerkschaften (AWO, Diakonie, DGB, Deutscher Mieterbund, Paritätischer Gesamtverband, Sozialverband Deutschland, Volkssolidarität, Sozialverband VdK, ver.di) zum Protest. Am kalten und verregneten Donnerstagmorgen versammelten sich die Verbandsspitzen mit einem wuchtigen Plakat vor dem Reichstagsgebäude. „Sanktionen kosten die Wohnung. Organisierter Steuerbetrug kostet Milliarden“ war dort zu lesen.

Linken-Chef zum Bürgergeld-Aus: „Mich regen Friedrich Merz und seine Grundsicherung richtig auf“

Vor Ort waren auch Politikerinnen und Politiker von Grünen und Linken. Die Regierungsparteien waren ebenfalls eingeladen – doch nur ein SPD-Sozialpolitiker schlich einmal kurz an der Demo vorbei und schnell ins Parlament hinein. Der organisierte Widerstand gegen das Sanktionspaket sei besonders in der SPD schlecht angekommen, sagt ein Mitveranstalter vor Ort. Die Hauptstadtpresse hingegen hatte großes Interesse an der Protestaktion.

Die Idee des Unions-Wunschgesetzes ist, mehr Menschen in Arbeit zu bringen und Kosten zu sparen. Dafür werden Sanktionen bei verpassten Terminen verschärft, das Bürgergeld kann komplett gestrichen werden und die Arbeitsvermittlung soll in den meisten Fällen Vorrang vor Qualifizierungen haben. Kritikerinnen und Kritiker sagen: Die Reform bestraft ohnehin benachteiligte Menschen noch mehr – ohne den ausgegebenen Zielen überhaupt näher zu kommen.

Protest vor dem Bundestag: Sozialverbände und Gewerkschaften riefen am Donnerstagmorgen zur Demo gegen das Bürgergeld-Aus auf.

„Die neue Grundsicherung droht, Armut, Angst und Bürokratie massiv zu vergrößern“, klagt etwa Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland wies im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media vor Ort auf die Gefahr hin, dass durch geplante Vollsanktionen Menschen statt Unterstützung vielleicht ein Verlust der Wohnung droht und man durch den falschen Fokus auf wenige Totalverweigerer Millionen Menschen zu Unrecht diskreditiere.

Die Beteiligten wollten deutlich machen, dass Sozialbetrug im Bürgergeld medial zwar große Aufmerksamkeit hat – in der Realität aber ein verhältnismäßig kleines Thema ist. „Mich regen Friedrich Merz und seine Grundsicherung richtig auf“, sagte Linken-Chef Jan van Aken im Gespräch mit unserer Redaktion. „Durch Steuerbetrug von Superreichen geht uns tausendmal mehr Geld durch die Lappen als durch Sozialbetrug. Ich finde beides scheiße – aber für jede Klage über Sozialbetrug muss man dann auch 1000 Mal über Steuerbetrug klagen.“

Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz
Vor dem ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl im Bundestag war die Stimmung bei der Union noch bestens. NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz. Der wirkte entspannt und lächelte. Kurz darauf kippte die Stimmung. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn
Auch beim eigentlichen Koalitionspartner der CDU herrschte vor dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl im Bundestag noch eine gelöste Atmosphäre. SPD-Parteichef Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn. Klingbeil soll im schwarz-roten Kabinett unter Merz den Posten des Finanzministers übernehmen. Dafür muss der CDU-Chef aber erst einmal die Kanzlerwahl gewinnen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Bei der Wahl des Bundeskanzlers waren auch Prominente anwesend. Auf der Besuchertribüne im Bundestag zu sehen waren unter anderem Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), Astronaut Alexander Gerst (hinten) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf (rechts). © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Da schien die Welt noch in Ordnung: Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab im Bundestag bei der Kanzlerwahl seinen Stimmzettel ab.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Eine erste Krisenrunde? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU, Mitte) sprach kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl mit Angehörigen des Bundestagspräsidiums.  © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Dann war es so weit: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) verkündete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl. Friedrich Merz erhielt in geheimer Abstimmung 310 von 621 abgegebenen Stimmen und damit sechs weniger als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Sie hatte sich ihren ersten wichtigen Arbeitstag als Bundestagspräsidentin sicher anders vorgestellt: Julia Klöckner leitete die Sitzung, in der das Parlament den Bundeskanzler wählen sollte. So fiel der CDU-Politikerin auch die Aufgabe zu, die Niederlage ihres Parteichefs Friedrich Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zu verkünden. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Union hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft: Friedrich Merz (CDU) zwischen Alexander Dobrindt (CSU) und Jens Spahn (CDU).  © Michael Kappeler/dpa
Jens Spahn und Friedrich Merz
Nachdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl verkündet hatte, unterbrach sie die Sitzung. Im Plenarsaal des Reichstags wurde es kurz hektisch. Fraktionsvorsitzender Jens Spahn kam mit Friedrich Merz und weiteren CDU-Politikern zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Danach war erst einmal Pause angesagt: „Sitzungsunterbrechung“ stand nach dem ersten Wahlgang auf einem Bildschirm im Plenarsaal im Bundestag. Die Kanzlerwahl war zunächst vertagt. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Im ersten Wahlgang brachten CDU, CSU und SPD die Kanzlermehrheit nicht zustande. Es galt, Fragen zu klären. Der designierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD, Mitte) suchte dabei auch das Unions-Fraktionsbüro auf. © Michael Kappeler/dpa
Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz
Gesprochen hat Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz (CDU). In der Union wurde vermutet, dass die fehlenden Stimmen aus der SPD gekommen seien. Doch aus Klingbeils Umfeld hieß es, es gebe keine Hinweise auf Abweichler in den eigenen Reihen. Darauf deute auch das Mitgliedervotum von 85 Prozent für den Koalitionsvertrag hin. „Auf uns ist Verlass.“ © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour
Kurz nach seiner Niederlage im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl befindet sich Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour. Der ehemalige Vorsitzende der Grünen ist ebenfalls Abgeordneter des Bundestags. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Schloss Bellevue
Eigentlich sollte Friedrich Merz nach der Kanzlerwahl und als frisch gewählter Regierungschef ins Schloss Bellevue fahren, um sich dort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vereidigen zu lassen. Doch die geplante Zeremonie musste nach der überraschenden Pleite von Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zunächst verschoben werden.  © JOHN MACDOUGALL/AFP
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz, verfolgte die Niederlage ihres Mannes im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl auf der Besuchertribüne des Bundestags. Beistand erhielt sie dort von den gemeinsamen Töchtern Carola Cluesener (2.v.l.) und Constanze Merz (l.). Die Stimmung der Frauen aus der Familie Merz dürfte nach Bekanntgabe des Ergebnisses nicht die Beste gewesen sein. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Angela Merkel zu Gast im Bundestag
Das Amt, das Friedrich Merz anstrebt, hatte Angela Merkel ganze 16 Jahre inne. Als Bundeskanzlerin führte die damalige CDU-Chefin in dieser Zeit gleich mehrere Koalitionen. Einen ersten Wahlgang verlor sie bei der Kanzlerwahl genausowenig wie ihre Vorgänger. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik bislang nur Friedrich Merz gelungen. © Imago
AfD Parteichefin Alice Weidel
Selbstredend versuchte die AfD, das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl medial für sich auszuschlachten. „Herr Merz sollte direkt abtreten und es sollte der Weg geöffnet werden für Neuwahlen in unserem Land“, forderte Parteichefin Alice Weidel. Diese Forderung kommt nicht überraschend. Die AfD, die vor kurzem vom Verfassungsschutz in ihrer Gesamtheit als rechtsextremistisch eingestuft wurde, liegt in vielen aktuellen Umfragen gleichauf mit der CDU. © Christian Thiel/imago
AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland
Noch im Plenarsaal beriet sich AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland. Der ehemalige Vorsitzende der Rechtspopulisten ist der älteste Abgeordnete des Bundestags. Doch auch für ihn ist die Situation, dass ein Kanzlerkandidat wie Friedrich Merz seine Wahl im Bundestag verliert, neu. © IMAGO/Frederic Kern
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs bei der Kanzlerwahl ließ auch den 51 Jahre alten CDU-Politiker, der als enger Vertrauter von Merz gilt, zunächst ratlos zurück. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken
Beim historischen Debakel von Friedrich Merz war auch der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, anwesend. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl sei aber nicht nur ein Niederlage für Friedrich Merz, sondern auch für seinen designierten Vizekanzler, SPD-Chef Lars Klingbeil. Er wisse nicht, wie es nach dieser „Klatsche für Merz und Klingbeil“ nun weitergehen würde. „Vielleicht war es nur ein Schuss vor den Bug“, mutmaßte Van Aken im Gespräch mit dem ZDF. Es sei aber auch denkbar, dass Merz sogar die eigene Partei nicht hinter sich habe bringen können. © IMAGO/Emmanuele Contini
Frankfurter Börse
Die politische Unsicherheit durch das Scheitern von Friedrich Merz (CDU) im ersten Wahlgang zum Bundeskanzler machte sich auch an der Börse bemerkbar. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sackte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zunächst spürbar ab. Gegen 11.30 Uhr notierte der Index bei rund 22.900 Punkten und somit rund 300 Punkte niedriger als anderthalb Stunden zuvor.  © Arne Dedert/dpa
Kanzlerwahl - Pressestatement CSU
Nach dem Scheitern von CDU-Chef Friedrich Merz im ersten Durchgang der Kanzlerwahl warnte der CSU-Vorsitzende Markus Söder in einem Statement in München vor unkalkulierbaren Folgen für Deutschland und die Demokratie. Die Gefahr eines Scheiterns der neuen Regierung könne „ein Vorbote von Weimar sein, denn die Folgen sind unabsehbar“, erklärte Söder. © Sven Hoppe/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Grünen wollen Merz mit ihren Stimmen nicht zur Kanzlerschaft verhelfen. „Wir sagen ganz klar: Bündnis 90/Die Grünen werden Friedrich Merz nicht wählen“, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann (rechts) nach einer längeren Sitzung ihrer Fraktion im Bundestag. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge (links) verwies darauf, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nun „Herrin des Verfahrens“ sei und einen Vorschlag unterbreiten müsse, „wie schnell es möglich ist, in einen zweiten Wahlgang einzusteigen“. © Sebastian Gollnow/dpa
Olaf Scholz bezeichnete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl als „absurd“
523354871.jpg © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Trotz seiner überraschenden Pleite im ersten Wahlgang zeigte sich Merz danach entschlossen, erneut anzutreten. Dafür soll er große Rückendeckung seiner Fraktion bekommen haben.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Noch am 6. Mai hat der Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit einen zweiten Wahlgang für die Wahl des Bundeskanzlers am Nachmittag angesetzt. Die Fraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken hatten dies nach dem gescheiterten ersten Wahlgang gemeinsam beantragt. Nach einer kurzen Debatte machten sich die Abgeordneten auf den Weg, um ihre Stimme abgeben zu können. © Sebastian Gollnow/dpa
Kanzlerwahl
Im zweiten Anlauf wurde Merz dann doch im Bundestag zum zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er erhielt in geheimer Abstimmung 325 Ja-Stimmen und damit neun mehr als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. Merz nahm die Wahl an. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, und ich nehme die Wahl an“, sagte er auf eine entsprechende Frage von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. © Tobias Schwarrz/AFP
Kanzlerwahl
Erster Gratulant nach der Wahl war der bisherige Bundeskanzler Olaf Scholz. Jetzt steht dem Regierungswechsel ein halbes Jahr nach dem Bruch der Ampel-Koalition nichts mehr im Wege. Merz muss aber im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch die Ernennungsurkunde erhalten und ist erst dann auch rechtlich gesehen Bundeskanzler.  © Ralf Hirschberger/AFP

„Dass das Bürgergeld so unbeliebt ist, kommt von der jahrelangen Hetze dagegen“, meint van Aken. „Hätte Friedrich Merz genauso euphorisch gegen Steuerbetrug von Superreichen gefeuert, würden die meisten Menschen sich darauf konzentrieren und erkennen, dass es dort mehr Geld einzusparen gibt.“ Wenn es der Bundesregierung wirklich um Geld ginge, so der Parteichef, würde sie gegen Steuerbetrug vorgehen. „Aber es geht Merz und Co. nicht um das Geld, sondern darum, die Ärmsten der Armen noch zu drangsalieren.“

Streit ums Bürgergeld: SPD-Politikerin schießt gegen eigene Koalition

Auch der Grüne-Sozialpolitiker Timon Dzienus ist vor Ort und hält die geplanten Sanktionen für „maßlos übertrieben“, wie er im Gespräch vor dem Reichstagsgebäude erzählt. „Die Koalition droht mit Wohnungslosigkeit und Totalsanktionen, die sogar Kinder treffen. Das wird nicht eine Person mehr in Arbeit bringen, sondern nach Methode Merz Angst verbreiten“, sagt Dzienus.

Der Grüne kritisierte CDU und CSU scharf: Man habe eine lange und schäbige Kampagne gegen das Bürgergeld erlebt, die die Menschen gegen die Grundsicherung aufgebracht hat. „Die Union hat versprochen, damit 30 Milliarden Euro zu sparen. Jetzt ist von dieser Erzählung rein gar nichts übrig geblieben. Die Union hat über Monate gelogen. Wenn man wirklich Milliarden sparen wollte, sollte man sich um bezahlbares Wohnen oder den Steuerbetrug kümmern, anstatt kleine Leute zu gängeln.“

Nur kurz nach dem Protest ging im Bundestag der Gesetzentwurf zum Bürgergeld-Aus in die erste Lesung. Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) verteidigte den Entwurf: „Wir müssen arbeitsuchenden Menschen mehr Chancen auf dem Weg zurück zum Arbeitsmarkt bieten“, sagte sie im Plenum. „Neue Chancen schaffen, das ist das zentrale Ziel.“ CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann betonte, mit dem Gesetz endlich stärker gegen Schwarzarbeit im Bürgergeld-Kontext vorgehen zu wollen.

Aufsehen erregte der Redebeitrag der SPD-Abgeordneten und Obfrau im zuständigen Ausschuss für Arbeit und Soziales, Annika Klose. Die Sozialdemokratin sagte, sie „ertrage es nicht mehr, dass immer wieder auf Bürgergeldbeziehenden rumgehackt wird“. Klose beklagte „faktenfreie Debatten“, die bewusst an der Realität vorbei gingen. Die Parteilinke Klose sprach von bewusster politischer Stimmungsmache gegen das Bürgergeld. Da mit Bas die eigene Parteichefin den Entwurf zur Abschaffung des Bürgergelds ins Parlament gebracht hat, wurden Kloses Aussagen besonders in Unionsreihen teils wie eine Oppositionsrede aufgefasst. (Verwendete Quellen: Eigene Gespräche vor Ort, Bundestagsdebatte)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ epd/ Mike Schmidt/ dts Nachrichtenagentur

Kommentare