VonJulian Baumannschließen
Ein Durchbruch in den Tarifverhandlungen bringt den Beschäftigten an vier Unikliniken in Baden-Württemberg ein Zukunftspaket mit mehr Geld und Entlastungen.
Stuttgart - Nach langwierigen Verhandlungen, die insgesamt 13 Runden umfassten, konnte die Gewerkschaft ver.di Baden-Württemberg endlich ein positives Ergebnis für die Mitarbeiter der vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm erzielen. Die umfangreiche Tarifkommission hat am Donnerstag, 4. Juli, die Entscheidung getroffen, eine Befragung der Mitglieder durchzuführen und empfiehlt ihnen einstimmig, das erzielte Ergebnis anzunehmen, wie die Arbeitnehmergewerkschaft in einer Pressemitteilung schreibt. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge profitieren rund 30.000 Beschäftigte von dem Ergebnis.
Die Arbeitgeber haben ihre bisherige Blockadehaltung in Bezug auf Zeit- und Entlastungsregelungen aufgegeben. Dies geschah im Zuge einer dritten Warnstreikwelle, bei der auf ihrem Höhepunkt von Montag bis Mittwoch über 2.000 Mitarbeiter ihre Arbeit niederlegten. Dank dieser Aktionen konnte die Gewerkschaft in allen vier Bereichen des geforderten Zukunftspakets zufriedenstellende bis sehr gute Kompromisse erzielen. Auch die IG Metall hat kürzlich mehr Geld und einen Inflationsausgleich für rund 30.000 Mitarbeiter in Baden-Württemberg ausgehandelt.
Mehr Geld, freie Tage und Inflationsausgleich für Mitarbeiter der Unikliniken in Baden-Württemberg
Bei den Beschäftigten der vier genannten Universitätskliniken in Baden-Württemberg soll das Gehalt in zwei Stufen um mindestens acht Prozent angehoben werden. Zudem wird eine einmalige Inflationsausgleichsprämie von 1.050 Euro pro Mitarbeiter ausbezahlt. Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Schritten um insgesamt 175 Euro, wobei Auszubildende eine Inflationsausgleichszahlung von 1.505 Euro erhalten. Darüber hinaus werden Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit sowie Bereitschaftsdienst deutlich angehoben.
Die Tarifergebnisse im Überblick:
- Entgeltsteigerung von 4,3 Prozent, mindestens 160 Euro, ab Oktober 2024 und von weiteren 3,7 Prozent ab Oktober 2025
- Entgeltsteigerung von 100 Euro ab August 2025 und weiteren 75 Euro ab April 2026 für Auszubildende.
- Inflationsausgleichsprämie von 1.050 Euro (für Azubis 1.505 Euro).
- Ab fünf Jahren Betriebszugehörigkeit: Zwischen ein und vier zusätzliche freie Tage, die wahlweise ausgezahlt, in Freizeit genommen oder auch auf einem Langzeitkonto angespart werden können.
(Quelle: Pressemitteilung ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg vom 5. Juli 2024)
„Die dritte und dreitägige Warnstreikwelle hat uns den Durchbruch in den Verhandlungen ermöglicht“, erklärte Jakob Becker, Verhandlungsführer von ver.di. „Mit ihrem Arbeitskampf haben die Kolleginnen und Kollegen die strikte Blockade ihrer Arbeitgeber bei allen Zeitfragen gelöst.“ Das jetzt vereinbarte Paket bringe sofort mehr Geld und eine Entlastung durch mehr Zeit sowie eine verbindlichere Ausbildungsqualität. „Mit den zusätzlichen freien Tagen und der Wahlmöglichkeit zwischen Geld und Freizeit betreten wir echtes Neuland bei den Unikliniken im Land“, so Becker.
Ausgleichsmechanismus soll Pflegekräfte an den Unikliniken entlasten
Konkret soll zur Entlastung der Pflegekräfte ein neuer Ausgleichsmechanismus eingeführt werden. Bis zur automatisierten Umsetzung dieses Mechanismus wird ein pauschaler Entlastungsbetrag gewährt, der wahlweise in freie Tage pro Jahr umgewandelt werden kann. Dies entspricht einem Äquivalent von fünf Tagen. Zusätzlich werden nach Betriebszugehörigkeit gestaffelt bis zu vier weitere freie Tage pro Jahr für alle Mitarbeiter eingeführt. Diese können ausgezahlt, als Freizeit genommen oder auf ein bestehendes Langzeitkonto gebucht werden.
Eine Pflegekraft mit 15-jähriger Betriebszugehörigkeit profitiert somit von sieben zusätzlichen freien Tagen und einer Gehaltserhöhung von über acht Prozent. Zudem wurden eine Erhöhung des Umfangs der Praxisanleitungen und weitere deutliche Verbesserungen für Auszubildende vereinbart. Der Einigung waren massive Proteste vonseiten der Gewerkschaft vorausgegangen, die von den Arbeitgebern mitunter stark kritisiert wurden. BW24 hatte bereits über eine jährliche Sonderzahlung berichtet, über die sich tausende Mitarbeiter der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg freuen können.
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