VonGerhard Königerschließen
Am 20. und 21. April wird um die Stadt gekämpft. Den geplanten Luftangriff verhindert ein schweres Gewitter, doch der Beschuss mit Geschützen zerstört Gebäude und tötet Menschen.
Ellwangen. Am 6. April 1945, ein Freitag, erlebt die Stadt, wie Hunderte von Häftlingen aus Konzentrationslagern durch die Stadt getrieben werden. Die SS hat vor dem Anrücken der Alliierten mehrere Lager geräumt und die überwiegend polnischen Juden sollen nach Dachau gebracht werden. Die SS geht rücksichtslos vor, es bleiben 27 Tote und Sterbende zurück, die in Dalkingen in einer Sandgrube verscharrt werden. Auch im Steinbruch Neunheim bleiben Tote liegen.
Franz Brenner erlebt als 14-Jähriger, wie zwei Häftlinge, die den Wachleuten entkommen sind, sich im Fuchskeller verstecken. Bevor er ihnen etwas zu Essen geben kann, werden sie denunziert, von SS-Wachleuten abgeholt und verprügelt. Später findet man ihre Leichen in der Jagst.
Die Schlacht um Crailsheim
Amerikanische Panzer rücken am 6. April von Bad Mergentheim her in Crailsheim ein. Der Vorstoß kommt überraschend, das deutsche Militär zieht sich eilig zurück, der Fliegerhorst wird preisgegeben. Doch SS-Gruppenführer Max Simon, für den Frontabschnitt Crailsheim zuständig, zieht Truppen zusammen, auch aus der Ellwanger SS-Kaserne, greift am 8. April Crailsheim an.
Es kommt über Tage zu heftigen Kämpfen, den Donner der Geschütze hört man bis nach Ellwangen. Am 11. April ziehen sich die Amerikaner wieder nach Bad Mergentheim zurück. Crailsheim wird die einzige süddeutsche Stadt bleiben, aus der es gelingt, die Amerikaner wieder zurückzudrängen. Doch um welchen Preis: Hunderte tote Zivilisten und Soldaten und verheerende Zerstörungen in der Stadt. Militärisch war die "Heldentat" völlig bedeutungslos. Schon am 20. April rücken erneut US-Amerikaner heran. Doch dieses Mal wird Crailsheim großflächig bombardiert, bevor Soldaten die Stadt endgültig einnehmen.
Nazi-Größen fliehen in die Alpenfestung
Unterdessen werden "bevorzugte SS-Familien zu Erholungsstätten an die oberbayrischen Seen abtransportiert". Das schreibt Wolfgang Högg, der seine Chronologie über das Kriegsende in Ellwangen später als Buch veröffentlicht hat. Auch andere Augenzeugen berichten, dass sich noch hochrangige Militärs im Raum Ellwangen versteckt hielten, als die Amerikaner den weiteren Rückzug blockierten.
Ellwangen unter Beschuss
Am Freitag, 20. April 1945, feiert in Ellwangen wohl niemand mehr Hitlers Geburtstag. Seit dem Morgen rücken Panzerkolonnen der Amerikaner von Norden und von Osten heran. Ab Samstag kommt es zu Gefechten, so in Eggenrot, wo junge SS-Leute eingesetzt sind. Etliche Höfe gehen in Flammen auf. Am Sonntag, 22. April, werden die ersten Geschütze auf die Ellwanger Innenstadt abgefeuert. Amerikaner stehen in Stocken, dann Holbach und Rindelbach. Weil die SS die Stadt nicht übergeben will, wird Luftunterstützung angefordert. Doch am Nachmittag zieht ein schweres Gewitter auf, die Bomber können nicht aufsteigen.
Später sehen die Ellwanger in diesem Unwetter, das die Stadt vor dem Schicksal Crailsheims bewahrt, einen Gnadenakt der Gottesmutter vom Schönenberg. Bis heute findet jedes Jahr ein Dankgottesdienst statt.
Einige Gebäude werden zerstört
So ganz verschont bleibt die Stadt nicht: fünf Menschen kommen ums Leben, 70 Familien werden obdachlos. In der Schmidstraße setzen Granaten die "Krone" und angrenzende Gebäude in Brand. Das Palais Beroldingen geht in Flammen auf, die Kustorie. Auch in den Nordturm der Basilika schlägt eine Granate ein, explodiert aber nicht. Bis heute zeigt der Stein, mit dem der Turm repariert wurde, die Inschrift "Salve Spes" - "Es lebe die Hoffnung".
Nicht durch Beschuss, sondern durch ein Sprengkommando der SS wird die Jagstbrücke in die Luft gejagt. Dabei wird das benachbarte Eichamt so schwer beschädigt, dass es später abgerissen werden muss. Auch die Stadthalle und das Josefinum brennen nieder, wohl weil die SS, die beide Gebäude nutzte, vor dem Abzug Material vernichten will. Der Lehrer Eduard Wengert fertigt eine Serie von Zeichnungen an, die den Zustand von Ellwangen zur "Stunde Null" zeigen.
Alle Artikel der Serie zum Kriegsende auf der Ostalb
- Erster Luftangriff Ostern 1945 auf Aalen und die erste Bombe
- Aalens schicksalhafter 17. April 1945: Erinnerungen an den Bombenangriff
- Wie zwei mutige Männer Schwäbisch Gmünd vor Zerstörung bewahrten
- Wie das Dritte Reich im Frühjahr 1945 dramatisch zu Ende ging
- Wie Ellwangen am Kriegsende 1945 der totalen Zerstörung entgeht
- Der Kampf ist vorbei: Von den Siegern und den Besiegten

