Kriegsende vor 80 Jahren

Wie das Dritte Reich im Frühjahr 1945 dramatisch zu Ende ging

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Berittene Soldaten in der Ellwanger SS-Kaserne: Anfang 1945 wechselten die hier stationierten Einheiten immer häufiger.
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Wie das Dritte Reich zu Ende ging: In Ellwangen sind fünf Lazarette mit verwundeten Soldaten eingerichtet. In der SS-Kaserne stationierte Truppen werden an die Front geschickt.

Ellwangen. Wie erlebten die Menschen im Frühjahr 1945 das Ende der Diktatur? Welche Hoffnungen, welche Ängste trieb die Leute um? Wie groß war der Druck auf die Zivilbevölkerung durch NSDAP, SS, Gestapo? Diese Zeitung hat seit 1995 immer wieder Zeitzeugengespräche, Analysen, Berichte veröffentlicht. Mittlerweile gibt es nur noch wenige, die über die letzten Tage des Dritten Reiches berichten können. Doch in Tagebüchern und Chroniken wird das Kriegsende lebendig.

Die Stimmung in Ellwangen

Ende März 1945, kurz bevor die ersten amerikanischen Truppen über den Main setzen, werden 350 Mann aus der Ellwanger SS-Kaserne an die Front in den Spessart geschickt. Die gen Norden aus der Stadt rollenden Lastwagen machen den Menschen in Ellwangen endgültig klar, dass jetzt der Krieg zu ihnen kommen würde. 

Es fehlt an fast allem

Die Menschen in der Stadt sind damit beschäftigt, ihr Überleben zu organisieren. Fast in jeder Familie fehlen Männer. Väter und Söhne kämpfen an der Front, viele sind gefallen oder werden vermisst. Es sind die Alten, die Versehrten und die Frauen, die alle Arbeit leisten müssen. Nur Parteimitglieder bekommen zur Unterstützung Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge zugewiesen. In den Fabriken, auch in vielen Handwerksbetrieben wird für den Krieg und die Versorgung der Soldaten produziert. Produkte aus der Landwirtschaft gehen an die Front oder die SS, die ihre Leute gut versorgt.

Ellwangen in der NS-Diktatur: SS-Truppen marschieren durch die Adolf-Hitler-Straße.

Niemand wagt zu protestieren

Als Alte und Versehrte auch noch zum Heimatschutz, genannt "Volkssturm" herangezogen werden und gerade mal 14-jährige Schulabgänger, wie Hermann Lang, der darüber in seinem Tagebuch schreibt, in SS-Uniformen gesteckt und für den Endkampf ausbildet werden, wagen Mütter und Verwandte nicht mehr zu protestieren. Seit dem gescheiterten Hitlerattentat ist jeder Hauch von Regimekritik lebensgefährlich.

Doch das Beten können die Nazis nicht verbieten: Ab 2. April, Ostermontag kommen immer mehr zu der Novene auf den Schönenberg, tägliche Bittgebete, die Kaplan Renz angesetzt hatte. Die Aktion spricht sich schnell in der Stadt herum.

Me 262 aus Schwäbisch Hall

Große Hoffnungen auf den "Endsieg" hat die Zivilbevölkerung nicht mehr, auch wenn die Propaganda immer wieder Meldungen von erfolgreich getesteten "Wunderwaffen" verbreitet. In der Stadt hört man das Messerschmidt-Düsenflugzeug, die Me 262, am Himmel dröhnen, wenn sie zu Übungsflügen in der Luft ist. Bei Schwäbisch Hall gibt es eine geheime Endmontage dieser Flugzeuge und am dortigen Flugplatz sind Me 262 stationiert. Je näher die Amerikaner kommen, desto häufiger sind Feindflieger am Himmel und greifen strategische Ziele an. Josef Deininger wird im März 1945 Zeuge eines Luftkampfs über dem Schönenberg, eine Me 109 wird getroffen und geht bei der Schönenbergstraße zu Boden.

Feuer von Heilbronn am Nachthimmel

Seit der Landung der Alliierten in der Normandie am 12. Juni 1944 verschiebt sich die westliche Front schnell Richtung Rhein. 1944 eingezogene Schulabgänger berichten in Briefen nach Hause, wie der Kampf im Westen ist. Seit den großen Luftangriffen auf deutsche Städte kommen zudem immer mehr Ausgebombte an. Als Heilbronn am 4. Dezember bombardiert wird und brennt, sieht man den Feuerschein vom Ellwanger Schloss aus.

Verwundete und Ausgebombte

Das Ellwanger Reservelazarett, das im Oktober 1942 noch eine Kapazität von 310 Betten hatte, wird im März 1945 auf fünf Teil-Lazarette mit 800 Betten erweitert: Im Krankenhaus, in der Marienpflege, der Buchenbergschule, der Oberschule und auf dem Schönenberg hat der Chefarzt, Oberfeldarzt Dr. Rath, jetzt Verwundete liegen.

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