Kriegsende vor 80 Jahren

Erster Luftangriff Ostern 1945 auf Aalen und die erste Bombe

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Das von Bombensplitter durchsiebte Haus in der Eisenbahnstraße, wo die erste Bombe in Aalen fiel. (Archivfoto)
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Das Ziel amerikanischer Bomberpiloten war der zunächst der Aalener Gaskessel – Am Ostermontag fiel die dann die erste Bombe auf die Stadt.

Aalen. Wenn die ganz alten Aalener gefragt werden, an welches Ostern sie sich besonders erinnern, dann lautet die spontane Antwort oft: Ostern 1945. Da nämlich erlebten sie die ersten Jagdbomber-Luftangriffe auf Aalen – und am Ostermontag – im Jahr 1945 der 2. April – die erste Bombe, die im Hirschbach fiel.

Angriff auf den Aalener Gaskessel

Ein herrlich-sonniger Frühlingstag. Zum Osterspaziergang strömten viele Leute hinauf zum „Brauna“, wie die Aalener einst den Braunenberg kurz nannten. Plötzlich tiefes Brummen von Flugzeugmotoren. In niedriger Höhe stürzten sich die Jagdbomber, kurz Jabos, hinab auf die Stadt. Angriffsziel: der Aalener Gaskessel. Immer und immer wieder hämmerten die 2-cm-Bordkanonen gegen den grauen Stahlkoloss, bis Rauchwolken aufstiegen. Zu brennen gab es nicht mehr viel, weil das Gas längst abgestellt war.

Panik und Schutzsuche im Grubenwäldle

Wie gebannt verfolgten die Spaziergänger auf der Straße nach Röthardt beim sogenannten Grubenwäldle die Zerstörungswut der US-Jäger. Aber dann – plötzlich wechselten die Jabos ihren Kurs. Quer zum Hirschbach rasten sie direkt auf uns zu. Keine Frage. Die Piloten hatten die Spaziergänger entdeckt. Panik auf der Straße. Alle rannten kopflos durcheinander. Mit meinem Vater und dem Nachbarn, Lokführer Ernst Ackermann, suchten wir linker Hand im Gebüsch und unter den Bäumen Schutz. Und schon zerfetzten die ersten MG-Garben die Baumwipfel. Ich konnte die Piloten deutlich erkennen. Genauso gut müssen die uns gesehen haben – wehrlose Zivilisten. Unser Nachbar legte sich nicht auf den Boden, sondern drehte sich klug auf der abgewandten Flugrichtung hinter einem Baum.

Mehrere Anflüge aufs Grubenwäldchen

Erst nach mehreren Anflügen mit jeweiligem Beschuss ließen die Jabos vom Grubenwäldchen ab und stießen hinab auf die Alfing-Werksanlagen. Wie durch ein Wunder wurde niemand getroffen. Auf der Straße zählten wir die Einschüsse, und ich sammelte stolz die in der Sonne golden schimmernden Geschosse samt den Hülsen, was später eine Art Sport für uns Buben werden sollte. Fast jeder hängte sich alsbald einen kompletten MG-Gurt in mexikanischer Pistoleromanier über die Schulter.

Erste Bombe trifft Aalen

Am nächsten Tag – Ostermontag – brummten schon gegen 7 Uhr am Morgen wieder US-Jabos am Himmel, ohne dass die Sirenen Fliegeralarm ausgelöst hatten. Und dann gegen 10 Uhr fiel die erste Bombe in Aalen. Ziel war wohl das Reichsbahn-Ausbesserungswerk, sie detonierte aber auf einer Gartenmauer in der Eisenbahnstraße. Die Bombensplitter durchsiebten den gegenüber liegenden sogenannten „Postlerbau“.

Verletzte und Notoperationen

Weil sie gerade am Fenster stand, wurde Hildegard Merkle (später Schwarz) im Gesicht schwer verwundet. Schnell landete sie im Krankenhaus in der Jahnstraße (heute Samariterstift), wo Chefarzt Dr. Eitel eine Notoperation durchführte.

Fortdauernde Angriffe und Opfer

„Zwei- bis dreimal“, so erzählte Hilde Merkle später, „musste ich bei Fliegeralarm in den Keller geschleppt werden.“ Die Jabo-Angriffe setzten sich täglich bis zum großen Bombenangriff auf Aalen am 17. April fort und forderten zahlreiche Todesopfer, vor allem beim Lok- und Zugbegleitpersonal der Bahn. Die Piloten schossen auf alles, was sich bewegte. Nicht nur auf Züge und Autos, sondern auch auf Personen im Freien.

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