VonSascha Karowskischließen
Marlene Kadachschließen
Viele 100 000 Menschen fahren morgens zum Arbeiten nach und aus München heraus. Während der S-Bahn-Fahrt kommt da auch gern mal Frust auf.
München – München ist bekanntlich die Hauptstadt der Pendler. Über 500 000 Menschen kommen laut Statistiken von ADAC und anderen Instituten täglich in die bayerische Landeshauptstadt – aus ganz Bayern, aber auch aus Berlin oder Hamburg. Die Anzahl der von Oberbayern zum Arbeiten in die Landeshauptstadt Einpendelnden hat aber im vorigen Jahr leicht abgenommen. 2024 waren 283 461 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die einen oberbayerischen Wohnsitz außerhalb der Stadt München hatten, in der Stadt beschäftigt. Im Jahr 2023 waren es noch etwa mehr, nämlich 283 551.
Etwa halb so viele Personen hatten den umgekehrten Weg: 2024 haben 149 293 Pendelnde in der Stadt München gewohnt aber außerhalb (in Oberbayern) gearbeitet. Diese Zahl steigt sogar schon mehr als 15 Jahre – mit Ausnahme von 2020 und 2021 – kontinuierlich an.
Pendler-Statistiken für München: Ein Viertel der Einpendler kommt aus dem Kreis München, viele aus Fürstenfeldbruck
Etwa ein Viertel, der aus Oberbayern nach München Einpendelnden, kommt aus dem Landkreis München. 2024 waren es 71 448 Pendler, das entspricht 25,2 Prozent des Gesamtaufkommens. 2023 waren es noch 25,3 Prozent. Der Landkreis Fürstenfeldbruck liegt mit 37 567 und 13,3 Prozent (2023: 13,4 Prozent) auf Platz zwei. Auf dem dritten Platz rangiert der Landkreis Dachau mit 28 909, der Anteil an der Gesamtzahl liegt unverändert bei 10,2 Prozent. Das Schlusslicht bilden Altötting (1660), Eichstätt (1587) und das Berchtesgadener Land (989). Mehr Details finden Sie in der Tabelle
Aus der Stadt raus fahren die meisten Menschen ebenfalls nach Unterhaching, Grünwald & Co., also in den Landkreis, zum Arbeiten. 2024 waren es 59 Prozent und damit 88 094 Menschen (2023: 59,9 Prozent). Auf dem zweiten Platz der Auspendler liegt Fürstenfeldbruck mit 10 347 Menschen und damit fast gleichauf mit Freising, wohin 10 306 Menschen zum Arbeiten fahren. Auf den letzten Plätzen liegen Neuburg-Schrobenhausen (338), Altötting (314) und das Berchtesgadener Land (152).
Warum wir täglich nach München reinfahren? Ein Gespräch mit Pendlern aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck
Äußerlich sieht er ganz entspannt aus. Florian Sprenger, weißes Businesshemd, dunkle Brille, sitzt in der S4, nippt an einem Kaffeebecher, liest „Zorn“, einen Krimi von Stephan Ludwig. Doch innerlich brodelt es. „Heute bin ich maximal genervt von der S-Bahn“, sagt der 46-Jährige. Wegen einer Signalstörung blieb er in Pasing hängen. Und machte sich deshalb schnell wieder auf den Rückweg. „Ich fahre jetzt nach Hause und arbeite ausnahmsweise im Homeoffice.“ Schon trudelt die S-Bahn in seinem Heimatbahnhof ein. „Nächster Halt Fürstenfeldbruck“, tönt es aus den Lautsprechern.
Sprenger gehört zu den 37 567 Pendlern, die täglich aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck nach München fahren, um dort zu arbeiten. FFB liegt mit 13,3 Prozent auf Platz zwei der oberbayerischen Kreise mit den meisten Einpendelnden in die Landeshauptstadt, Spitzenreiter ist der Landkreis München. Das geht aus neuen Zahlen der Stadt hervor. Die Statistik zeigt: Tag für Tag sind Hunderttausende Leute unterwegs aus den Landkreisen in die Stadt und andersrum. Was das alles konkret und im Alltag bedeutet, erleben wir in der S4, also in einer der Pendler-Hauptlinien.
Lange Pendelzeiten: Viele nehmen die S-Bahn-Fahrt gerne in Kauf, weil sie den hohen Freizeitwert schätzen
Florian Sprenger arbeitet als Teamleiter in einem Kundenservice mitten in der Stadt. Er wohnt aber in Fürstenfeldbruck, hier ist er aufgewachsen und kleben geblieben. „Für drei Jahre war ich in Berlin“, erzählt er. Ein kurzes Intermezzo. Schnell kam er zurück. Er kann sich nicht vorstellen, woanders zu leben: „Hier wohnen alle meine Leute.“
Familie, Freunde. Und die nehmen die Pendelei nach München auch gern in Kauf. Man sei schnell in der Natur. In seiner Freizeit fährt der 46-Jährige oft mit dem Radl durchs Emmeringer Hölzl, geht an der Amper baden. „Früher bin ich jeden Tag mit dem Auto nach München in die Arbeit gefahren.“ Als sein Auto vor zwei Jahren beim TÜV durchrasselte, stieg er auf die S-Bahn um. Das Deutschlandticket wurde eingeführt. Seitdem genießt er das staufreie Leben.
Psychologie-Studentin pendelt in die Innenstadt – und kennt die Vor- und Nachteile
Am Bahnhof Fürstenfeldbruck sitzt Chiara Sauer auf einer Bank und wartet auf die nächste S-Bahn in Richtung Innenstadt. Sie muss eine Vorlesung besuchen, die 25-Jährige studiert in München Psychologie. Momentan wohnt sie noch bei ihren Eltern in Fürstenfeldbruck.
Eine Wohnung mitten in München – ausgehen, feiern – wäre zwar schön, aber zu teuer, klagt sie. Ihre Kommilitonen bezahlen zwischen 700 und 900 Euro Miete für ein WG-Zimmer. Manche schlafen erstmal ein Jahr auf der Couch bei Freunden, bis sie ein Zimmer finden. „Pendeln nervt schon“, gesteht Sauer. Für ein Seminar hin- und herzufahren: Das sei mühselig. Andererseits genießt sie die „ländliche Natur“ in Fürstenfeldbruck. „Ich komme gern raus aus der Stadt.“ Und die Zeit im Zug nutzt sie oft zum Lernen.
Zum Kellnern nach München – irgendwann vielleicht auch ohne Pendelei
Als Schankkellner im Hirschgarten jobbt Tobias Engel aus Gröbenzell. „Ich bin der, der das Bier ausschenkt“, erklärt der 20-Jährige und lehnt sich in seinem S-Bahn-Sitz zurück.
Eines Tages, wenn er mal mehr Geld verdiene, würde er schon gerne in München leben und auf die Pendelei verzichten. Mal sehen, was seine nächste Station ist.
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