VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Eigentlich sollte es um das Konzept zur Zukunftsorientierten Bodennutzung (ZoBon) gehen. Tatsächlich aber ging es am Montag einmal mehr um den Bichler Hof – und einen Schlagabtausch.
Bad Tölz – Rund 40 Interessierte waren auf Einladung von Bürgermeister Josef Janker in den „Kolberbräu“ gekommen. Er erläuterte die Entstehungsgeschichte der ZoBon – „weil ich in Leserbriefen immer wieder abenteuerliche Interpretationen lese“. Bei einer Klausurtagung im März 2015 sei über den Antrag gesprochen worden. In der Folge gründete sich eine Arbeitsgruppe aus Stadträten. Im Januar 2016 wurde die ZoBon beschlossen – „ohne Widerspruch und ohne Ergänzung“.
Kurz zusammengefasst sieht das Konzept vor, dass bei der Neuausweisung von Bauland über 5000 Quadratmetern der Stadt ein Drittel der Fläche zum Kauf angeboten werden muss – und zwar zum Zeitwert. Die Stadt kann allerdings auf dieses Drittel verzichten, wenn der Grundstücksbesitzer mit seinem Bauvorhaben ein städtebauliches Ziel umsetzt. Und dazu gehört für den Stadtrat – vor Jahren so beschlossen – auch ein Hotel beziehungsweise die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum, wie auf dem Areal am Bichler Hof vorgesehen (siehe unten).
„Wertsteigerung erzürnt Tölzer“
Grünen-Stadtrat Franz Mayer sieht das anders. Dafür, den Bau eines Hotels zu ermöglichen, sei die Verzicht-Regelung in der ZoBon nicht gedacht gewesen. „Es ging nie darum, wirtschaftliche Interessen von Grundstückseigentümern zu vertreten.“ Die Allgemeinheit trage die Folgelasten der Entwicklung rund um den Bichler Hof – investiere in Straßen, Kindergärten und so weiter. „Dafür soll ein Ausgleich geschaffen werden.“ Zudem unterstellte Mayer der Stadt erneut, dass die Regelung explizit für Grundstückseigentümer Hubert Hörmann geschaffen wurde – weil Bürgermeister und Verwaltung lange vor dem Beschluss der ZoBon um dessen Pläne wussten. Es sei eine „Lex Hörmann“, so Mayer. Was die Tölzer am meisten erzürne, sei die Wertsteigerung, die man Hörmann durch die Umwandlung von Grün- in Bauland schenke, ergänzte Thomas Maurer, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Er ist ja kein Armer. Reichen ihm denn da nicht zwei Drittel?“
An dieser Stelle reichte es Hubert Hörmann tatsächlich. Er meldete sich zu Wort, um „mit dem nebulösen Schmarrn aufzuräumen“. Er habe 2014 erfahren, dass der Bichler Hof verkauft wird und habe Kontakt zum Eigentümer Eon aufgenommen. Im Herbst 2015 war Hörmann schließlich Eigentümer des Areals. Warum er gekauft habe? „Ich habe noch nie landwirtschaftlichen Grund besessen. Und mir gefällt das Ensemble da oben extrem gut.“ Sein Plan sei immer gewesen, dort mit seiner Frau einzuziehen. „Ich bin ein Baumensch, kein Hotelier.“ Daher habe er auch die Anfrage der Stadt, den Bichler Hof zum Hotel umzubauen, abgelehnt. „Aber dann haben mir meine Madln gesagt, dass sie das machen möchten“, sagte Hörmann mit Blick auf seine Töchter Tanja und Stephanie. Er sei aber nur zu seinen Bedingungen bereit, „sich in dieses Wagnis zu stürzen“. Und das bedeutet für ihn die Querfinanzierung durch den Bau und Verkauf von Wohnhäusern – und keine Grundstücksabgabe an die Stadt. „Jeder, der das anders machen will, kann es gerne machen. Ich brauche kein Hotel.“
Hörmann spricht von „unsäglicher Hetze“
Was er „als Unverschämtheit“ betrachtet, „ist die unsägliche Hetze“ gegen seine Familie und eine Personalisierung der Angriffe. „Eine Lex Hörmann gibt es nicht.“ Ihn ärgert aber auch, „wenn erzählt wird, dass ich mit 20 Doppelhaushälften zehn Millionen Euro Gewinn mache“. Hörmann rechnete vor: Die Herstellung eines Kubikmeters umbauten Raums koste – niedrig angesetzt – 400 Euro. Eine Doppelhaushälfte umfasse etwa 1100 Kubikmeter. Runde man nach unten, „baue ich eine Doppelhaushälfte für 400 000 Euro und verkaufe sie für 900 000 Euro.“ Macht unterm Strich bei 20 Häusern zehn Millionen Euro Gewinn – „und dann zahlen Sie dafür den Höchststeuersatz“. Danach blieben fünf Millionen Euro übrig – „und davon bauen Sie kein Hotel, kein Spa und keine Chalets“.
Zumal er zunächst nur auf zwei Dritteln der Fläche zwölf Wohneinheiten bauen darf. Dieses Geld muss zu 100 Prozent in das Hotel fließen – und das müsse er der Stadt auch nachweisen. „Ich muss mich komplett ausziehen. Das hat von Euch noch nie einer machen müssen“, wandte sich Hörmann an die Zuhörer. Erst wenn der Nachweis erbracht ist, darf er das letzte Drittel seines Grunds mit weiteren acht Doppelhaushälften bebauen.
Fließt der Gewinn aus den zwei Dritteln nicht in das Hotel, muss Hörmann das letzte Drittel an die Stadt verkaufen – „für 70 Euro pro Quadratmeter“, nannte er erstmals den Preis. „Dann ist auf dem Rest aber schon Wohnbebauung realisiert“, wandte Grünen-Stadtrat Franz Mayer ein. Und das sei dann sehr wohl „ein sauberer Gewinn“. Er brauche da oben kein einziges Haus, hielt Hörmann dagegen – schon gar nicht, um den Kauf des Geländes zu finanzieren.
Mayer war es wichtig zu betonen, dass „niemand etwas gegen das Hotel hat“. Selbst der Querfinanzierung durch Wohnhäuser hätte man zugestimmt – aber die Stadt müsse eben auch irgendwie profitieren. Die Stadt werde aber kein Drittel des Areals bekommen, wandte Rathauschef Janker ein. „Hotel und Wohnen gibt es nur in diesem Paket, weil der Grundstücksbesitzer sagt, dass er nichts hergibt. Wenn man sich der Argumentation der Bürgerinitiative anschließt, gibt es kein Hotel und kein Wohnen.“
Was ist am Bichler Hof derzeit geplant?
Unterhalb des Bichler Hofs soll ein etwa ein Hektar großes Wohngebiet entstehen. Zwei Drittel der Fläche darf Unternehmer Hubert Hörmann mit 10 Doppelhaushälften und zwei Einfamilienhäusern bebauen. Den Gewinn aus dem Verkauf muss er in das Hotelprojekt Bichler Hof stecken. Entstehen soll ein 80-Betten-Haus mit Reitstall, Spa und Chalets. Um dieses Projekt kümmern sich Hörmanns Töchter Tanja und Stephanie sowie Peter Frech. Dafür, dass diese Querfinanzierung wirklich so erfolgt, sorgt ein städtebaulicher Vertrag. Erst wenn diese Forderung erfüllt und das Hotel realisiert ist, darf Hörmann das letzte Drittel seines Grunds mit weiteren acht Doppelhaushälften bebauen. Erfüllt er die Vorgabe nicht, muss er dieses Drittel an die Stadt verkaufen. Die kann die Fläche dann wiederum teurer weiterverkaufen. Der Erlös könnte dann an anderer Stelle in die Realisierung von günstigem Wohnraum fließen.
Lesen Sie auch zum Thema Bichler Hof:
Die Grünen sagen: „Es muss für alle das gleiche Prinzip gelten“
Freie Wählergemeinschaft zum Bichler Hof: „Unser Ziel ist, dass das Nein gewinnt“
Nur fünf Wahlbezirke bei Bürgerentscheid, Initiator wirft Stadt Kalkül vor
Vor dem Bürgerentscheid zum Bichler Hof: SPD-Stadträte erwarten sich vom „Nein“ am meisten Gerechtigkeit
Nach Stadtratsentscheidung: „Politische Beteiligung ist nicht gewünscht“
Tölzer Bürgermeister Janker: Flyer-Text zum Bichler Hof „führt in die Irre“
Tölzer Unternehmerverein stellt sich hinter Hotelprojekt Bichler Hof
