Skulpturenweg Weilheim

Weilheims neue Attraktion ist eröffnet: Dieser Spazierweg verändert die Stadt

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Der Raistinger Künstler Max Mirlach putzte vor der Eröffnung nochmal seine „Rote Welle“ im Au-Weiher.
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Weilheim hat eine neue, einzigartige Verbindung von Altstadt und Ammer, von Natur und Kultur: Mit rund 300 Gästen, Musik und vielen Dankesworten wurde der Skulpturenweg eröffnet. Zehn Kunstwerke, eigens für Weilheim geschaffen, laden ab sofort zu einem Spaziergang ein, der die Stadt neu erleben lässt.

Weilheim – Es war eine große, bunte und gut gelaunte Gästeschar, die sich am Dienstagnachmittag bei schönstem Feiertagssonnenschein auf den Weg machte, um Weilheims neue Attraktion zu erkunden und zu feiern: An die 300 Künstler und Kunstfreunde, Förderer, Vereinsvertreter und Lokalpolitiker waren zur offiziellen Eröffnung des Skulpturenwegs gekommen, den das Kunstforum Weilheim im Auftrag der Stadt konzipiert und erstellt hat.

„Eine Bereicherung für Einheimische und Gäste“

Aus Bewerbungen von 65 Bildhauern aus ganz Bayern hatte eine Fachjury „die zehn am besten zu Weilheim passenden Kunstwerke ausgewählt“, erklärte Stefan König, der Vorsitzende des Kunstforums, beim Auftakt vor dem Stadtmuseum. Und sie habe „sehr, sehr gut gewählt“, so sein Urteil. Was entlang dieses gut halbstündigen Spazierwegs zwischen Marienplatz und Ammer zu sehen ist, sei „eine Bereicherung für Einheimische und Gäste“. Als „Außenstehender“, so fügte der in Penzberg lebende Autor und Ausstellungsmacher hinzu, habe ihn auch begeistert, welche „Aufbruchsstimmung“ sich vor Ort durch dieses Projekt entwickelte.

Die Künstlerinnen und Künstler des Skulpturenwegs Weilheim: (v.l.) Egon Stöckle, Bernd Wagenhäuser, Basilius Kleinhans, Hermann Bigelmayr, Peter Frank, Silvia Jung-Wiesenmayer, Renato Rill, Carlotta Wirtl, Max Mirlach, Cornelia Rapp und Andrea Kreipe. Nicht auf dem Foto sind Michaela Gräper, Marinus Wirtl und Christian Tobin.

Initiiert hatten den Skulpturenweg die Stadträtinnen Angelika Flock und Marion Lunz-Schmieder, für die Realisierung sorgte ein zehnköpfiges Team um Projektleiterin Andrea Kreipe, rund 15 Förderstellen und regionale Unternehmen gaben das nötige Geld dazu (wir berichteten). Das Gesamtbudget beläuft sich auf gut 80.000 Euro; die ausgewählten Künstler bekommen jeweils maximal 4300 Euro Unterstützung, was zumeist nur die Materialkosten sind. Die Werke bleiben im Besitz der jeweiligen Erschaffer, sie sollen mindestens zwei bis drei Jahre in Weilheim stehen und dann nach und nach durch neue Objekte anderer Künstler ersetzt werden.

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Werke sollen „die Orte verändern in der Stadt und in der Au“

Schon die Wettbewerbs-Ausschreibung forderte, dass die Skulpturen mit Weilheim zu tun haben, etwa mit der Stadtgeschichte, der Au oder der Ammer. Die Ergebnisse, so beschrieb Kreipe bei der Eröffnungsfeier die Zielsetzung, sollten „die Orte verändern in der Stadt und in der Au“. Letztere habe sie durch dieses Projekt überhaupt erst kennengelernt, gestand die Projektleiterin – und sie sei restlos „begeistert von diesem Park, den Bürger für Bürger angelegt haben“.

Neben den zehn neu geschaffenen Werken wurden in den Skulpturenweg auch vier moderne Objekte einbezogen, die schon länger in der Stadt stehen, etwa die Engelssäule an der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die Bachsäule vor der Musikschule. „Es gibt natürlich auch Kunst im öffentlichen Raum neben diesem Weg“, reagierte Ragnhild Thieler, die Kulturreferentin des Stadtrates, in ihrer Rede auf kritische Stimmen diesbezüglich. Auch diese Werke, so ihr Vorschlag, sollten „neu zusammengestellt und veröffentlicht werden“.

Weilheims Kulturreferentin: „Schönheit ist wichtig für uns alle“

Die Eröffnung des Skulpturenwegs sei „ein großer Tag“ für die Stadt, sagte Thieler, „ein wesentlicher Schritt“, dem aber weitere folgen müssten. „Künstlerinnen und Künstler sind die Prediger der Schönheit“, so die Kulturreferentin, „und Schönheit ist wichtig für uns alle, Schönheit heilt“.

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Nurmehr wenige Worte brauchte daraufhin Bürgermeister Markus Loth, um den Skulpturenweg offiziell zu eröffnen. Er dankte allen Beteiligten für diese Bereicherung Weilheims, die „in besonderer Weise den Stadtraum mit dem Naherholungsgebiet Ammer-Au verbindet“, zugleich Natur und Kunst genießen lasse.

Der Stadtpfarrer hat zu einer der Skulpturen Gedichte geschrieben

Begleitet von einem feinfühligen Bläserensemble der Stadtkapelle machte sich die Gästeschar dann gemeinsam auf den Skulpturenweg. Gewitzt und zugleich gedankenvoll erläuterten Künstler und Organisatoren an jeder Station in aller Kürze, worum es ihnen mit ihren Werken geht. „Ich befasse mich gern mit Gegenständen, die nicht so oft beachtet werden“, sagte etwa Carlotta Wirtl (23) aus Peiting, die jüngste der beteiligten Künstler – ihr Objekt in der Au zeigt aneinandergereihte Wasserhähne. Ihn fasziniere die Energie, mit der auf der Ammer seinerzeit Holzstämme transportiert wurden, erklärte wenige Meter weiter Bernd Wagenhäuser. Cornelia Rapp beschrieb ihre knapp 2,50 Meter hohe Eichenstele als „moderne Ausführung eines Marterls“, das zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Natur anregen wolle. Und der Münchner Renato Rill beschrieb, dass ihn die Musik der Weilheimer Band „The Notwist“ schon 20 Jahre lang begleite – und zu seiner Installation „Scoop“ inspirierte, das aus hunderten Fahrradreflektoren besteht.

„Es wird ja in rasendem Tempo alles zubetoniert und die schönen Wiesen und Äcker verschwinden“, sagte Hermann Bigelmayr zu seinem „Denkmal für einen Grashalm“, das vor der Kreuzkirche steht und Weilheims Stadtpfarrer Engelbert Birkle zu zwei Gedichten inspirierte, die dort nun ebenfalls zu lesen sind. Gemeinsam mit der evangelischen Kollegin Sabine Nagel spendete Birkle dem Skulpturenweg am Ende des Eröffnungsrundgangs den Segen. „Möge viel Verbindendes ausgehen von diesen Skulpturen“, so der Wunsch der beiden Seelsorger.

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Ein Faltblatt zum Skulpturenweg Weilheim

mit Lageplan und Informationen zu den Werken und Künstlern liegt unter anderem im Rathaus und im Stadtmuseum Weilheim sowie in allen Tourist-Infos im Landkreis aus. In den nächsten Monaten erscheint zudem ein Katalogbuch. Noch bis zum Samstag, 7. Oktober, zeigt eine Sonderausstellung im Stadtmuseum die Entstehung des Weges sowie Entwürfe und Modelle aller Werke. Weitere Informationen: skulpturenweg.kunstforum-weilheim.de.

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