Landtagswahl

AfD schwenkt die Deutschlandfahne

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Robert Lambrou, Co-Landesvorsitzender der AfD Hessen, und Bundessprecherin Alice Weidel jubeln über die erste Prognose.
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    Jutta Rippegather
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Euphorische Stimmung bei den Rechtspopulisten in Hessen, die bei der Landtagswahl zugelegt haben.

Als AfD-Spitzenkandidat Robert Lambrou kurz nach 18 Uhr ruft: „Wir stehen in der Prognose bei 17 Prozent“ – da bricht Jubel aus im Kuppelsaal des Landtags. Hier feiert die Partei ihre Wahlparty. Es gibt Kartoffelsuppe, Würstchen, Bier, „Prinz von Hessen“-Sekt und die übliche Strategie der Selbstverharmlosung.

Fraktionschef Lambrou bezeichnet die AfD wieder als angeblich bürgerliche, freiheitliche und konservative Kraft. Trotz der Höhe des Saales ist es stickig; viele Funktionär:innen sind gekommen, stehen dicht an dicht und klatschen euphorisch.

Das sich abzeichnende Wahlergebnis ist nach Ansicht von Lambrou ein „enormer Vertrauensvorschuss“. Er hebt hervor, dass dieses Mal „viele Bürger zum ersten Mal AfD gewählt“ hätten. Die AfD sei im Westen noch nie so stark gewesen. Später kündigt er an, in den nächsten Jahren würden die ersten Bündnisse mit seiner Partei gebildet – obwohl niemand mit ihr koalieren will.

Neben ihm steht die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel. Noch während Lambrou spricht, schallen „Alice“-Sprechchöre durch den Raum.

Landtagswahl in Hessen - die Reaktionen

Hessen hat einen neuen Landtag gewählt. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.

Leitartikel:
- Ein klares Votum gegen Kanzler Scholz aus Bayern und Hessen

Reaktionen auf Landesebene:
- Boris Rhein (CDU) verspricht „Regierung der Mitte“
- Grüne fordern „lagerübergreifende Zusammenarbeit“
- SPD hofft auf Koalition mit der CDU
- Kein guter Abend für FDP und Linke
- Rechtsextreme AfD schwenkt die Deutschlandfahne

Weidel hebt zunächst Lambrous Einsatz während des Wahlkampfs hervor. Die Wahl sei ein „Denkzettel“ für die Ampelkoalition im Bund gewesen. Deutschland wolle einen politischen Wechsel; die AfD sei auf dem richtigen Weg.

Im Laufe des Abends liegt die AfD noch einiges über dem Wert von 2018, als sie 13,1 Prozent holte. Bei den Wahlkampfveranstaltungen der AfD hatte eine ähnlich euphorische Stimmung geherrscht. Die Redner:innen attackierten vor allem die Ampelkoalition im Bund und schürten Hass gegen Geflüchtete. Letztere wurden immer wieder entmenschlicht und als Gefahr dargestellt, unter anderem als „Invasion“ bezeichnet.

Unter dem großen Kronleuchter im Kuppelsaal steht der Landtagsabgeordnete Klaus Gagel mit einer großen Deutschlandfahne in der Hand. Die habe er schon vor fünf Jahren geschwenkt, als die AfD erstmals in den Landtag zog, sagt er. Und habe es jetzt wieder getan.

Auf dem Tisch steht eine geöffnete Fünf-Liter-Chianti-Flasche – das Etikett ein Konterfei von ihm samt Autogramm. „Der Siegerwein für Sieger“ steht darauf. Es gibt Superman-Quietscheentchen mit Sonnenbrille und Elvis-Tolle, auf der Brust das Logo der AfD auf dem Bauch.

Im Landtag wird die Rechts-außen-Fraktion künftig mit deutlich mehr Abgeordneten vertreten sein. Und anders als in der aktuellen Fraktion sollen auch Frauen darunter sein, versichert Gagel. „Mindestens zwei“, sagt er nach einer kurzen Denkpause und widmet sich dann wieder dem Chianti.

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