Hessens Wahlsieger CDU verspricht „Regierung der Mitte“ und hält sich alles offen
VonHanning Voigts
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Hessens Ministerpräsident Boris Rhein spricht bei der CDU-Wahlparty von einem klaren Regierungsauftrag für seine Partei.
Wiesbaden - Als die Fahrstuhltür aufgeht und der Wahlsieger herauskommt, gibt es bei der CDU kein Halten mehr. Jubel brandet auf, Mitglieder der Jungen Union wedeln mit petrolfarbenen Plakaten, aus den Boxen dröhnt „Zusammen“ von den Fantastischen Vier, der Kampagnensong der Hessen-CDU in diesem Landtagswahlkampf.
Umringt von Sicherheitsleuten, Scheinwerfern und Fernsehkameras bahnt sich ein strahlender Boris Rhein seinen Weg auf die Bühne der CDU-Wahlparty im Landtag. Ines Claus ist bei ihm, die Fraktionsvorsitzende der Christdemokrat:innen, Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Generalsekretär Manfred Pentz.
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Als Rhein, der aktuelle und wohl auch zukünftige hessische Ministerpräsident, ans Mikrofon tritt, kann er erst einmal nicht anfangen zu sprechen, weil laute Rufe erklingen: „Boris! Boris!“ Schließlich beginnt Rhein aber doch. „Es ist ein unfassbar großartiger Tag für die hessische CDU“, sagt der 51-Jährige. „Dieser 8.10. wird in die Geschichte der Hessen-CDU eingehen.“ Wieder lauter Jubel. Die CDU habe bei der Hessen-Wahl „den klaren Regierungsauftrag der Bürgerinnen und Bürger“, sagt Rhein dann. „Wir werden eine Regierung der Mitte bilden.“
Dann erinnert Rhein daran, dass die CDU Hessen nun seit 1999 regiert, und er dankt Roland Koch und Volker Bouffier, seinen beiden Amtsvorgängern, die diese „Erfolgsgeschichte“ möglich gemacht hätten. Beide sind auf der Wahlparty vor Ort. „Man hat uns als Grüßauguste verspottet“, sagt Rhein dann – ein kleiner Seitenhieb auf SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser, die ihn im Wahlkampf mit diesem Wort beschrieben hatte. Aber die CDU sei eben nah bei den Menschen und höre sich ihre Sorgen an, das sei auch die Aufgabe von Politik.
Am Ende seiner Rede äußert Rhein sich dann noch zur Lage in Israel. „Wir sind in diesen Stunden und diesen Tagen auch bei unseren Freunden in Israel“, sagt der Ministerpräsident. „Für uns ist Israel ein besonderes Land.“ Die islamistische Hamas begehe dort aktuell „furchtbare Kriegs- und Terrorakte“, man stehe fest an der Seite Israels und werde das in den nächsten Tagen auch mit konkreten Taten belegen.
CDU-Minister zufrieden mit Ergebnis und schwarz-grüner Zusammenarbeit
Die Stimmung im Saal kann die Lage im Nahen Osten allerdings zu diesem Zeitpunkt kein bisschen mehr trüben. Michael Boddenberg, hessischer Finanzminister, spricht im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von einem großartigen Wahlergebnis. „Ich glaube, wir haben damit ein deutliches Signal der Wähler, dass sie Stabilität wollen“, formuliert Boddenberg. Und er outet sich direkt als Anhänger der bereits seit zehn Jahren regierenden Koalition aus CDU und Grünen. Das schwarz-grüne Bündnis sei eine „erfolgreiche Koalition in schwierigen Zeiten“, sagt Boddenberg. Aber selbstverständlich werde es in den kommenden Tagen auch Gespräche mit der SPD geben.
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Innenminister Peter Beuth gibt sich auf der Wahlparty ebenfalls sehr zufrieden. „Man kann an den Verlusten sehen, dass die Ampel in Berlin abgewählt worden ist“, sagt er gegenüber der FR. Er sei nicht wehmütig, dass er die Landespolitik jetzt verlasse, sagt Beuth, der nicht wieder für den Landtag kandidiert hatte. Er sei zufrieden mit dem Erfolg der CDU und dass er so mit der Landespolitik abschließen könne.
Die Party geht anschließend noch weiter bei der CDU, es gibt Spundekäs, Laugenbrezeln und Wurst, die Stimmung ist bestens, die Gesichter sind zufrieden.
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