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Gregor Haschnik
Jutta Rippegather
Hanning Voigts
Die eine musste lange um den Wiedereinzug bangen, die andere ist sicher draußen.
Stefan Naas nimmt das ganze Auf und Ab mit Humor. „Wenn du in die FDP eintrittst, hast du keinen langweiligen Tag mehr“, witzelt der Spitzenkandidat der hessischen Freidemokrat:innen bei der Wahlparty seiner Partei, als gegen 18 Uhr die ersten Wahlprognosen über die Bildschirme flimmern. „Wir machen’s wieder spannend.“ Zu diesem Zeitpunkt sieht es noch gut aus für die FDP: Mit genau fünf Prozent der Stimmen würde sie wieder in den hessischen Landtag einziehen.
Bettina Stark-Watzinger, Landesvorsitzende der Liberalen und Bundesbildungsministerin, sagt zu ihren Parteifreund:innen einen prophetischen Satz: Es werde ein spannender Wahlabend werden. „Er wird wahrscheinlich länger dauern.“ Und so kommt es dann auch. Die unterschiedlichen Hochrechnungen sehen die FDP erst knapp im Landtag, später am Abend dann ganz knapp draußen.
Obwohl die Liberalen sich optimistisch geben, ist die Anspannung im Festzelt, das die FDP im Innenhof des Landtages errichtet hat, den ganzen Abend über mit Händen zu greifen. Stefan Naas gibt sich noch gegen 21 Uhr zuversichtlich: „Das wird schon.“ Und den Stimmenzuwachs der teils rechtsextremen AfD kommentiert er mit nur einem Wort: „Schrecklich.“
Zu Beginn des Wahlabends hatte Naas seiner Partei auch schon Mut zugesprochen. Man habe „einen großartigen Wahlkampf“ gemacht, auf die richtigen Themen gesetzt. Der aktuelle Bundestrend, die Stimmung gegen die Ampel in Berlin, habe es der FDP in Hessen schwer gemacht. Es blieb spannend bis zum Schluss - als feststand, dass die FDP den Wiedereinzug doch noch geschafft hat.
Landtagswahl in Hessen - die Reaktionen
Hessen hat einen neuen Landtag gewählt. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.
Leitartikel:
- Ein klares Votum gegen Kanzler Scholz aus Bayern und Hessen
Reaktionen auf Landesebene:
- Boris Rhein (CDU) verspricht „Regierung der Mitte“
- Grüne fordern „lagerübergreifende Zusammenarbeit“
- SPD hofft auf Koalition mit der CDU
- Kein guter Abend für FDP und Linke
- Rechtsextreme AfD schwenkt die Deutschlandfahne
Etwas verloren im Foyer vor dem Plenarsaal steht derweil Jan Schalauske. Der Fraktionschef der Linken wartet darauf, dass ein anderer Politiker sein Interview beendet hat. Bis kurz vor Bekanntwerden der ersten Prognosen hat Schalauske noch gehofft, dass es für die Linke im Landtag weitergeht. Daraus wird nichts mehr: „Das ist eine bittere Enttäuschung, die hessische Linke hat bis zuletzt gekämpft.“ Im Wahlkampf seien der Linken viele Sympathien bekundet worden.
Wie es jetzt weitergeht? „Der Kampf um soziale Gerechtigkeit, für eine sozialökologische Wende und gegen rechts geht weiter.“ Auf Landesebene nun halt außerparlamentarisch, in den Städten und Gemeinden auch in den Parlamenten verankert. „Es braucht eine entschiedene soziale Partei“, so Schalauske.
Wenige Minuten vorher stand er mit Elisabeth Kula, seiner Kollegin an der Fraktionsspitze, im Saal der Linken. „Es tut weh“, sagte er, richtete den Blick aber auch in die Zukunft: Die Partei solle daraus, dass sie sich so energisch gegen die Niederlage gestemmt habe, Kraft schöpfen.
Kula äußerte sich ähnlich: Die Zahlen seien bitter. Doch die Linke in Hessen „hält zusammen“, sagte Kula, die gleich darauf den Wahlkämpfer:innen dankte. Die Partei, kündigte die Fraktionschefin an, werde sich weiterhin für ihre Kernthemen einsetzen, gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen – um in fünf Jahren wieder in den Landtag einzuziehen, fügte Kula hinzu und erhielt Applaus.
Rubriklistenbild: © Michael Schick



