Bundestagskandidaten-Check: Volle Kraft für die Wirtschaft

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Der 46-jährige Lippstädter Bankkaufmann Jens Behrens ist Bundestagskandidat der SPD im Wahlkreis 145 (Kreis Soest).

Jens Behrens will für die SPD in den Bundestag – Schwerpunkte setzt der Lippstädter Bankkaufmann in Wirtschaftsthemen, Infrastruktur-Investitionen und für den Frieden in Europa.

Bei der vorgezogenen Bundestagswahl stehen aus Sicht des Kreises Soest spannende Entwicklungen an. Zwei der bisherigen Vertreter des Wahlkreises 145 werden ganz sicher dem neuen Parlament nicht mehr angehören: Hans-Jürgen Thies (CDU) stellt sich nicht erneut zur Wahl, und auch bei den Sozialdemokraten kämpft ein neues Gesicht um das Direktmandat: Der Lippstädter Jens Behrens folgt auf Wolfgang Hellmich, der in vier Legislaturperioden im Bundestag vertreten war – er war zuerst als Nachrücker und dann dreimal über die Landesliste nach Berlin gekommen. Behrens besetzt Platz 19 der Landesliste, wenn er das Direktmandat nicht erlangt, hängt alles davon ab, welches Gesamtergebnis die Sozialdemokratie im Bund erreicht.

Zuletzt glänzte der Kreis Soest gleich mit drei eigenen Bundestagsabgeordneten: Neben Thies und Hellmich war seit dem Sommer auch Fabian Griewel für die FDP vertreten. In diesem Jahr bewerben sich insgesamt sieben Kandidaten.

Wir stellen sie in einer Serie vor.

In einem Satz: Warum halten Sie sich für einen geeigneten Kandidaten für den Bundestag?
Weil ich anpacke und die Probleme der Leute wirklich löse, statt nur darüber zu reden.
Im Falle einer Koalitionsbeteiligung, welche Partei wäre Ihr Lieblingspartner? Warum?
Die, mit der wir die Wirtschaft wieder ans Laufen bekommen, notwendige Investitionen in die Infrastruktur tätigen und den Frieden in Europa garantieren können – welche das ist, ist mir erstmal egal!
Sie wollen für die Menschen im Kreis Soest in den Bundestag – welche sind die wichtigsten drei Probleme im Kreis, für die Sie sich in Berlin um Lösungen bemühen werden?
Am wichtigsten ist für mich, dass unsere Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt. Jeder Arbeitsplatz zählt! Dafür stehe ich jeden Morgen auf. Außerdem müssen wir dringend in unsere Infrastruktur investieren. Da wurde jahrelang viel verpennt. Das sieht man leider auch. Und unsere Kommunen brauchen eine finanzielle Entlastung. Sowohl der Kreis als auch die Städte übernehmen Jahr für Jahr mehr Aufgaben und haben entsprechend größere Ausgaben. Mehr Geld gibt’s dafür aber nicht – das muss sich ändern.
Die Menschen sorgen sich angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen Parteien und der Annäherung demokratischer Parteien an deren Inhalte um die Zukunft der Demokratie. Was glauben Sie, ist erforderlich, um die Demokratie zu stärken und zu schützen? 
Eine klare Haltung und die absolute Gewissheit, dass wir nicht – niemals und unter keinen Bedingungen – mit Nazis zusammenarbeiten. Also genau das, was Friedrich Merz und die CDU kläglich vermissen lassen.
Der Automobilzulieferer Magna will Arbeitsplätze streichen, gleiches gilt für Hella in Lippstadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf kommunaler Ebene, Arbeitgeber zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten? Mit welchen Argumenten wollen Sie Fachkräfte für den Kreis Soest gewinnen? 
Die kommunalen Möglichkeiten sind hier sehr begrenzt. Städte wie Lippstadt und Soest oder der Kreis können nicht gegen das insgesamt schwierige wirtschaftliche Umfeld ankämpfen. Das muss auf Bundesebene passieren. Wovon ich gar nichts halte, sind pauschale Steuersenkungen. Wenn wir die Steuern von Hella oder Magna senken, garantiert uns niemand, dass diese die höheren Gewinne in Deutschland und nicht in Bombay oder Singapur investieren. Unser Plan ist ein anderer: Der „Made in Germany“-Bonus. Damit fördern wir gezielt Investitionen in Deutschland. 10 Prozent der Investitionssumme gibt es als Steuerrückzahlung ganz unbürokratisch zurück. Eine geniale Idee, wenn Sie mich fragen.
Wenn wir unsere Wirtschaft wieder ans Laufen bekommen, bin ich zuversichtlich, dass auch die Fachkräfte in unsere Region kommen. Am Ende folgen diese eben auch dem Geld und Hella und Magna und die vielen anderen Industrieunternehmen bei uns vor Ort sind gut zahlende Arbeitgeber.
Wie möchten Sie den Mittelstand und die kleinen Unternehmen in unserer Region unterstützen? 
Der Mittelstand, das sagen mir Unternehmer immer wieder, braucht vor allem eines: Bürokratieabbau. Außerdem braucht er dringend niedrigere Energiekosten. Für die werden wir sorgen – kurzfristig indem wir die Netzentgelte deckeln, langfristig durch einen raschen und massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Die Soester Börde ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Im vergangenen Jahr sind auch die Börde-Bauern zum Protest nach Berlin gefahren. Inwiefern setzen Sie sich für die heimischen Landwirte ein? 
Wir brauchen ein klares politisches Bekenntnis zur Landwirtschaft. Eines der Hauptprobleme unserer Landwirte ist eine komplette Überregulierung bei Pflanzenschutzmitteln. Harmlose Mittel, die im Rest Europas völlig legal sind, sind in Deutschland zum Teil verboten. Stattdessen müssen unsere Landwirte auf teure Ersatzmittel zurückgreifen. Das führt zu höheren Kosten und damit im Ergebnis niedrigeren Gewinnen. Da muss sich was tun.
Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Schlusslichtern Europas. Viele Unternehmen ächzen auch im Kreis Soest unter der Last der Bürokratie oder dem Lieferkettengesetz. Wie kann die Wirtschaft mit Ihnen wieder Fahrt aufnehmen? 
Wie oben bereits gesagt: Ein deutlicher Bürokratieabbau ist dringend erforderlich. Deshalb werden wir nach der Regierungsbildung zeitnah zu einem Praxisgipfel einladen, um schnell im großen Stil Entbürokratisierungspotential zu finden. Bei zukünftigen Gesetzesvorhaben wollen wir vorher Praxischecks durchführen. Außerdem wollen wir eine Genehmigungsfiktion einführen. Das heißt, dass Anträge automatisch genehmigt werden, wenn die Behörde nicht innerhalb einer gesetzten Frist reagiert. Das gibt Bau- und Investitionsprojekten mehr Planungssicherheit. Die Wirtschaft braucht aber auch mehr Investitionen und ganz, ganz dringend niedrigere Energiekosten. Für beides werden wir sorgen.
Wie kann die Verkehrswende (Autos mit erneuerbaren Energien, besserer ÖPNV) im Kreis Soest gelingen? Ist die aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig? 
Ich bin begeisterter E-Auto-Fahrer – natürlich bin ich für die Verkehrswende. Alles andere wäre übrigens auch Wahnsinn. China und Indien werden über kurz oder lang komplett auf E-Autos umsteigen. Da darf die deutsche Industrie nicht abgehängt werden. Im Kreis Soest brauchen wir konkret einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur. Und auch hier gilt: Wir brauchen niedrigere Strompreise.
Wie stehen Sie zum Lückenschluss der Autobahn A445 zwischen Werl und Hamm-Rhynern?
Ich halte diesen Lückenschluss für zwingend erforderlich. Wie sie richtig sagen, ist es eben eine Lücke. Eine Lücke, die Menschen täglich Zeit auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Rückweg von selbiger kostet. Zeit, die diese Menschen auch alternativ mit ihrer Familie, ihren Freunden oder einfach zum schlafen verwenden können. Ich will diesen Menschen ihre Zeit zurückgeben.
In Möhnesee und Warstein sollen riesige Anlagen und Windparks entstehen. Wie stehen Sie dazu? 
Ich habe schon 2022 gesagt, dass Warstein und Möhnesee die Windparks als Chance sehen soll, nicht als Problem. Mittlerweile gibt es haufenweise Regelungen, die dazu führen, dass die Menschen vor Ort direkt von diesen Windparks profitieren. Übertreiben darf man es natürlich auch nicht. Wir brauchen einen zügigen, aber geordneten Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Ärztemangel im ländlichen Raum zu beheben? 
Jeder in Deutschland hat Anspruch auf eine erreichbare und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Helfen kann hier etwa die Entbudgetierung der Hausärztinnen und Hausärzte, die Erleichterung der Gründung von kommunalen MVZ und die Einführung der Advanced Practice Nurse und Gemeindeschwestern. Aber vor allem müssen mehr Ärzte ausgebildet werden. Der hohe Nummerus clausus (auch wenn dieser wohl bald Geschichte ist) zeigt doch, dass es viele Leute gibt, die gerne Ärzte werden würden, es aber leider nicht werden können. Da ist die Lösung für unseren Ärztemangel.
Immer mehr Menschen im Kreis Soest werden pflegebedürftig. Wie wollen Sie sich dieser Herausforderung von Berlin aus im Kreisgebiet stellen?  
Im ersten Schritt wollen wir private Pflegeversicherungen in den Risikostrukturausgleich einbeziehen, um eine faire Finanzierung sicherzustellen. Die Eigenanteile bei stationärer Pflege sollen auf 1 000 Euro pro Monat begrenzt werden, mit Besitzstandsschutz für derzeit stationär Pflegebedürftige. Auch häusliche Pflege soll durch ähnliche Maßnahmen unterstützt werden. Die ambulante Pflege bleibt zentral für die soziale Pflegeversicherung. Unser Ziel ist es, pflegebedürftigen Menschen zu ermöglichen, möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben. Daher setzen wir uns für mehr Zeitsouveränität und Unterstützung für pflegende Angehörige durch Familienpflegezeit und Familienpflegegeld ein.
Die Krankenhausreform hat auf den Kreis Soest erhebliche Auswirkungen, zwei große Krankenhausstandorte stehen vor Fusionen und damit vor gewaltigen Umstrukturierungen. Doch die Umsetzung hängt – in Soest wie in Lippstadt – am Förderbescheid. Wie bewerten Sie die Fusionschancen, wie werden sie sich für die Sicherung der Gesundheitsstandorte im Kreis Soest einsetzen?  
Die Fusionen in Lippstadt und Soest werden langfristig garantieren, dass wir eine hochwertige Gesundheitsversorgung vor Ort behalten. Sorgen mache ich mir eher um kleinere Standorte wie Geseke. Auch hier ist man grundsätzlich auf einem guten Weg. Mir ist aber wichtig, dass der Kreis alles tut, damit es auch so bleibt. Ich bin gerne bereit, mit meinen Mitteln dazu beizutragen.

Kandidaten-Steckbrief

Name: Jens Behrens

Wohnort: Lippstadt

Alter: 46 Jahre

Politisch aktiv seit: 2013

Familienstand: verheiratet – 2 Söhne (17/13)

Beruf: Bankkaufmann – Filialleiter Sparkasse Hellweg-Lippe

Politisches Vorbild: Helmut Schmidt

Leitmotiv: Die Welt und das Umfeld
immer ein Stück besser machen!

Landeslistenplatz: 19

So erreichen Sie den Kandidaten: info@jens-behrens.de

Kandidaten in Serie

11. Februar: Jens Behrens (SPD)

12. Februar: Sarah Gonschorek (Grüne)

13. Februar: Fabian Griewel (FDP)

14. Februar: Christa Hudyma (Freie Wähler)

18. Februar: Roland Linnhoff (Linke)

19. Februar: Oliver Pöpsel (CDU)

20. Februar: Ulrich von Zons (AfD)

In einer Podiumsdiskussion in Warstein haben sich die heimischen Vertreter von sechs im Bundestag vertretenen Parteien gestellt und debattiert.

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