Die studierte Archäologin und Historikerin Sarah Gonschorek aus Lippstadt arbeitet zurzeit als politische Referentin im NRW-Landtag. Sie bewirbt sich für die Grünen um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis 145 (Kreis Soest).
Sarah Gonschorek will für die Grünen in den Bundestag. Die Lippstädterin möchte die Gesellschaft gerechter, digitaler und inklusiver gestalten:
In zwölf Tagen wählt Deutschland einen neuen Bundestag, sieben Kandidaten wollen im neu zusammengesetzten Parlament den Wahlkreis 145 (Kreis Soest) vertreten. Eine von ihnen ist Sarah Gonschorek. Die 36-jährige Lippstädterin bewirbt sich um das Direktmandat. Auf der Landesliste ihrer Partei besetzt sie Platz 29. Auch Gonschorek hat der Redaktion Fragen zur politischen Agenda beantwortet. Wir setzen die Kandidaten-Serie mit ihrem Beitrag fort.
In einem Satz: Warum halten Sie sich für eine geeignete Kandidatin für den Bundestag?
Mit Leidenschaft für Gleichstellungspolitik, einer zukunftsorientierten Netzpolitik und einem klaren Einsatz für soziale Gerechtigkeit bringe ich Expertise, Ideen und Entschlossenheit mit, unsere Gesellschaft gerechter, digitaler und inklusiver zu gestalten. Als Grüne setze ich mich für Klima- und Umweltschutz vor Ort und in der Region ein.
Im Falle einer Koalitionsbeteiligung, welche Partei wäre Ihr Lieblingspartner? Warum?
Nach der Wahl sind alle demokratischen Parteien, also auch wir Grüne, aufgerufen, miteinander zu reden und eine gute und stabile Regierung zu bilden, ohne die eigenen Werte zu vergessen.
Sie wollen für die Menschen im Kreis Soest in den Bundestag – welche sind die wichtigsten drei Probleme im Kreis, für die Sie sich in Berlin um Lösungen bemühen werden?
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Bundesverkehrswegeplan neu betrachtet wird und somit auch für bessere und nachhaltigere Verkehrsanbindungen, auch in der Nord-Süd Achse im Kreis sorgen. Die Sicherung der Eurobahn in unserem Verkehrsraum ist wichtig, daher dürfen wir Kommunen hier nicht allein lassen. Daneben möchte ich eine bessere digitale Anbindung, den Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetz fördern und mich für den Erhalt und Ausbau von Vereinen zur Kulturförderung und Begegnungsorten in den Dörfern und Kommunen einsetzen.
Die Menschen sorgen sich angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen Parteien und der Annäherung demokratischer Parteien an deren Inhalte um die Zukunft der Demokratie. Was glauben Sie, ist erforderlich, um die Demokratie zu stärken und zu schützen?
Um die Demokratie zu stärken und zu schützen, müssen wir gezielt gegen Desinformation und antidemokratische Propaganda vorgehen. Mit dem Digital Service Act haben wir bereits gute Antworten in der EU, diese muss weiterentwickelt und konsequenter umgesetzt werden, um Manipulation und Falschinformationen wirksam einzudämmen. Wir sehen aktuell, wie große Social Media Plattformen demokratische Prinzipien aushebeln und gleichzeitig von Russland koordinierte Angriffe auf unsere demokratische Gesellschaft durchgeführt werden. Wir brauchen mehr Begegnungs- und Diskussionsräume außerhalb des Digitalen, in denen Menschen direkt miteinander ins Gespräch kommen. Deshalb müssen wir Räume schaffen, in denen konstruktive Diskussionen wieder stärker in den Alltag integriert und Menschen aktiv beteiligt werden.
Der Automobilzulieferer Magna will Arbeitsplätze streichen, gleiches gilt für Hella in Lippstadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf kommunaler Ebene, Arbeitgeber zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten? Mit welchen Argumenten wollen Sie Fachkräfte für den Kreis Soest gewinnen?
Um Betriebe anpassungsfähig vor konjunkturellen und marktbedingten Schwankungen zu machen, braucht es flexible Lösungen und Arbeitszeitmodelle. Um Unternehmen vor Ort zu stärken, möchte ich mich sowohl für einen besseren Schutz vor Monopolbildung großer Unternehmen wie auch eine so dringend benötigte Entbürokratisierung einsetzen. Fachkräfte gewinnt man durch gute Angebote. Der Kreis Soest ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort. Mit einem Fokus auf dem Ausbau guter Infrastruktur zusammen mit der hohen Lebensqualität in unsere Region bieten wir einen guten Rahmen, um Fachkräfte zu werben.
Wie möchten Sie den Mittelstand und die kleinen Unternehmen in unserer Region unterstützen?
Ich setze mich für weniger Bürokratie, bessere Nachfolgeregelungen und eine stärkere Förderung des Handwerkes ein. Die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Ausbildung sowie faire Vergütung machen den Mittelstand zukunftsfähig.
Die Soester Börde ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Im vergangenen Jahr sind auch die Börde-Bauern zum Protest nach Berlin gefahren. Inwiefern setzen Sie sich für die heimischen Landwirte ein?
Unsere Landwirt*innen leisten einen so wichtigen Beitrag zur regionalen Versorgung und zur Pflege unserer Kulturlandschaft. Daher setze ich mich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft im Kreis Soest ein, sowohl in der ökologischen wie auch in der konventionellen, hierfür müssen wir im engen Dialog bleiben. Angesichts der Biodiversitätskrise ist es wichtig, nachhaltige Anbauweisen zu fördern, die die Artenvielfalt sichern, um unser aller Lebensgrundlage zu erhalten.
Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Schlusslichtern Europas. Viele Unternehmen ächzen auch im Kreis Soest unter der Last der Bürokratie oder dem Lieferkettengesetz. Wie kann die Wirtschaft mit Ihnen wieder Fahrt aufnehmen?
Um Deutschland wieder an die Spitze zu befördern, bedarf es Investitionen und Entbürokratisierung. Jedoch benötigen wir auch wieder die Schaffung eines Innovationsstandortes Deutschland. Dafür sollten wir internationalen Wissenschaftsteams gute Angebote machen und eine bessere Kultur für Start-Ups und auch etablierte Unternehmen vorantreiben. Durch das Investitionsprogramm in unserem Wahlprogramm möchten wir Unternehmen, die in zukunftsorientierte Märkte investieren, unterstützen und führen eine auf fünf Jahre befristete, unbürokratische Investitionsprämie von 10 Prozent für alle Unternehmen und alle Investitionen mit Ausnahme der Gebäudeinvestitionen ein.
Wie kann die Verkehrswende (Autos mit erneuerbaren Energien, besserer ÖPNV) im Kreis Soest gelingen? Ist die aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig?
Wir brauchen im Kreis Soest mehr flexible On-Demand Angebote für kleinere Dörfer und auch die Bahnstreckenreaktivierung zwischen Lippstadt und Warstein muss dringend in einem absehbaren Zeitrahmen vorangetrieben werden. Diese Investitionen in Infrastruktur sind gleichzeitig ein Hebel, um Fachkräfte zu gewinnen, da der Arbeitsort so einfacher erreichbar ist. Für einen Ausbau der E-Mobilität brauchen wir mehr Schnellladestationen.
Sarah Gonschorek möchte eine Neubetrachtung des Bundesverkehrswegeplans. Auch die Eurobahn hat sie im Blick: „Die Sicherung der Eurobahn in unserem Verkehrsraum ist wichtig, daher dürfen wir Kommunen hier nicht allein lassen“, sagt die Grünen-Politikerin.
Wie stehen Sie zum Lückenschluss der Autobahn A445 zwischen Werl und Hamm-Rhynern?
Der Bau neuer Autobahnen wie der A445 und A46 ist nicht zeitgemäß und widerspricht nachhaltiger Verkehrspolitik. Statt Eingriffe in schützenswerte Landschaften sollten Investitionen in die Optimierung der bestehenden Infrastruktur und emissionsmindernde Mobilitätskonzepte Priorität haben.
In Möhnesee und Warstein sollen riesige Anlagen und Windparks entstehen. Wie stehen Sie dazu?
Das Land steuert den Windenergieausbau gezielt: 1,8 Prozent der Landesfläche sollen bereits dieses Jahr für Windenergie reserviert sein. Dafür werden die Regionalpläne überarbeitet, auch im Kreis Soest, um eine ausgewogene Verteilung zu sichern. Jede Anlage durchläuft ein Planungsverfahren mit Umwelt- und Emissionsprüfung, sodass nur geeignete Flächen genutzt werden. Problematisch wird es, wenn Windräder außerhalb vorgesehener Bereiche entstehen – die Landesregierung erarbeitet daher klare Regeln zur Sicherung der Akzeptanz.
Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Ärztemangel im ländlichen Raum zu beheben?
Um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen im ländlichen Raum entgegenzuwirken, setzen wir auf eine bessere Vernetzung und innovative Versorgungsmodelle. Gerade im Kreis Soest können Telemedizin und digitale Lösungen ein zusätzlicher Ansatz sein, ohne die persönliche, niedrigschwellige Versorgung in Praxen zu vernachlässigen. Daneben stärken wir die hausärztlich-zentrierte Primärversorgung, um Behandlungsqualität und Effizienz zu verbessern. Neben privat geführten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Einrichtungen der Kassenärztlichen Vereinigungen fördern wir verstärkt kommunale MVZ und Primärversorgungszentren.
Immer mehr Menschen im Kreis Soest werden pflegebedürftig. Wie wollen Sie sich dieser Herausforderung von Berlin aus im Kreisgebiet stellen?
Als Kandidatin setze ich mich für bessere Pflege im ländlichen Raum ein. Kommunen brauchen mehr Handlungsspielraum, um Pflegeangebote gezielt zu stärken. Ich möchte ambulante Pflege und Pflege-WGs besser finanzieren, pflegende Angehörige mit flexiblen Freistellungen entlasten und Tages- und Kurzzeitpflege ausbauen. Zudem müssen wir mehr Fachkräfte für unsere Region gewinnen. Mit besseren Arbeitsbedingungen, neuen Rollen wie Community Health Nurses und gezielter Werbung wollen wir Pflegekräfte zurückgewinnen und die Versorgung vor Ort sichern.
Die Krankenhausreform hat auf den Kreis Soest erhebliche Auswirkungen, zwei große Krankenhausstandorte stehen vor Fusionen und damit vor gewaltigen Umstrukturierungen. Doch die Umsetzung hängt – in Soest wie in Lippstadt – am Förderbescheid. Wie bewerten Sie die Fusionschancen, wie werden sie sich für die Sicherung der Gesundheitsstandorte im Kreis Soest einsetzen?
Ich unterstütze die Fusion der Krankenhäuser in Lippstadt und Soest ausdrücklich. Sie ist ein entscheidender Schritt, um die Gesundheitsversorgung in unserer Region langfristig zu sichern.
Hier entstehen leistungsfähigere Strukturen, die eine gute medizinische Versorgung sichern, die Spezialisierung fördern und den Beschäftigten mehr Stabilität und Perspektiven bieten. Die Fusion stärkt unsere regionale Gesundheitsinfrastruktur und sorgt dafür, dass die medizinische Qualität auch in Zukunft auf hohem Niveau bleibt.
Gleichzeitig sehe ich aber auch Herausforderungen, die wir nicht ignorieren dürfen. Besonders besorgt bin ich über die Auswirkungen auf die Versorgung von Frauen nach den Fusionen. Dass selbst medizinisch indizierte Schwangerschaftsabbrüche künftig nur noch in absoluten Ausnahmefällen durchgeführt werden, bedeutet für betroffene Frauen eine zusätzliche Belastung in ohnehin schwierigen Situationen. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass diese Fusionen nicht zu Versorgungslücken führen. Eine starke, moderne Gesundheitsversorgung muss allen Menschen in unserer Region gerecht werden.
Kandidaten-Steckbrief
Name: Sarah Gonschorek
Wohnort: Lippstadt
Alter: 36 Jahre
Politisch aktiv seit: 2021
Familienstand: verheiratet
Beruf: Archäologin und Historikerin, aktuell politische Referentin im Landtag NRW
Politisches Vorbild: Ich habe viele politische Vorbilder jeweils in verschiedenen Fachbereichen, diese reichen von Petra Kelly über Alexandra Geese bis hin zu Ruth Bader Ginsburg.
Leitmotiv: Nur eine gleichberechtigte Gesellschaft kann eine starke Gesellschaft sein.
Landeslistenplatz: 29
So erreichen Sie die Kandidatin: info@sarah-gonschorek.de