Kandidaten-Check: Wohnen ist für Roland Linnhoff ein zentrales Thema

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Roland Linnhoff bewirbt sich für die Linke im Kreis Soest um das Direktmandat für den Einzug in den Bundestag.

Der Soester Roland Linnhoff ist der Kandidat der Linken für das Direktmandat im Wahlkreis 145 (Kreis Soest).

Kreis Soest – Noch sechs Tage bis zur Bundestagswahl: Der Kandidat der Linken heißt Roland Linnhoff, ist pensionierter Postbeamter und in Soest zu Hause. Er bewirbt sich für das Direktmandat im Wahlkreis 145. Einen Listenplatz hat der Kandidat nicht.

In einem Satz: Warum halten Sie sich für einen geeigneten Kandidaten für den Bundestag?
Ich möchte einfach dafür sorgen, dass es mehr soziale Gerechtigkeit gibt und meine kleine Tochter in einer Welt ohne Hass und Hetze aufwächst.
Im Falle einer Koalitionsbeteiligung, welche Partei wäre Ihr Lieblingspartner? Warum?
Alle wollen regieren, wir wollen verändern. Wir haben in der Opposition zum Beispiel den Mindestlohn durchgesetzt – der bis heute Bestand hat. Ich verspreche, im Bundestag nur Gesetzen zuzustimmen, die der breiten arbeitenden Mehrheit der Bevölkerung und den sozial Abgehängten nicht schaden, sondern nützen. Mit SPD und Grünen haben wir die Gemeinsamkeit, nicht mit den Nazis der AfD zusammenzuarbeiten.     
Sie wollen für die Menschen im Kreis Soest in den Bundestag – welche sind die wichtigsten drei Probleme im Kreis, für die Sie sich in Berlin um Lösungen bemühen?
 Im Kreis Soest, vor allem in den großen Städten Lippstadt und Soest, ist es, wie fast überall in NRW, schwierig, günstigen Wohnraum zu bekommen. Es gibt zwar Förderprogramme des Kreises, die auch im letzten Kreis-Regionalentwicklungsausschuss vorgestellt wurden. Wir finden aber, dass mit einer kreiseigenen Wohnungsbauförderungsgesellschaft, die vor allem Sozialwohnungen baut, noch mehr getan werden könnte. Der Arztlotse, der bei der Wirtschaftsförderung im Kreis angesiedelt ist, müsste noch mehr Möglichkeiten bekommen, die Gesundheitsversorgung gerade in den ländlichen Bereichen, durch Vermittlung von Ärzten in diesen Bereich, voranzubringen. Durch Förderung von Bund und Land sind hier die finanziellen Möglichkeiten zu erweitern. Zudem müssen auch kleinere Krankenhäuser erhalten bleiben, damit jeder Kreisbewohner ein Krankenhaus erreichen kann. Beim Klimaschutz die Natur nicht vergessen, versuchen, auf Bundesebene für den Erhalt unserer Wälder zu kämpfen. Gesetze so umgestalten, dass WEA nicht aus dem Naturpark Arnsberger Wald einen Industriepark machen. Auch wenn es Ländersache ist, einen Nationalpark zu errichten, über die Bundesebene versuchen, Einfluss auf den Kreis Soest zu nehmen, hier den 2. Nationalpark zu errichten. Damit wenigstens ein Bereich natürlich bleibt, ohne WEA und menschlichen Einfluss. Natur einfach machen lassen.
Die Menschen sorgen sich angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen Parteien und der Annäherung demokratischer Parteien an deren Inhalte um die Zukunft der Demokratie. Was glauben Sie, ist erforderlich, um die Demokratie zu stärken und zu schützen?
Dass die Regierung den rechten Forderungen bei Flucht und Asylrecht nachgegeben hat, hat die Rechten stärker gemacht, nicht schwächer. Dagegen braucht es eine soziale Politik für alle Menschen und massive Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, die eine Gesellschaft zusammenhält. Wir brauchen glaubwürdige Politik, die den Alltag der Menschen wirklich verbessert. Protest und Aufklärung gegen rechts sind eine Bedingung von Demokratie und dürfen nicht kriminalisiert werden.
Der Automobilzulieferer Magna will Arbeitsplätze streichen, gleiches gilt für Hella in Lippstadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf kommunaler Ebene, Arbeitgeber zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten? Mit welchen Argumenten wollen Sie Fachkräfte für den Kreis Soest gewinnen? 
Wir wollen einen Rettungsschirm für die Zuliefererbetriebe in der Automobilindustrie in Höhe von 20 Milliarden Euro. Statt neuer Fabriken für Solaranlagen boomt die Rüstungsindustrie. Öffentliche Gelder werden in den Ausbau von Bundeswehrstützpunkten gesteckt statt in zukunftsorientierte zivile Forschung und Hochtechnologie. Die Arbeitsplätze bei Magna und Hella müssen erhalten bleiben. Die Wirtschaftsförderung des Kreises Soest sollte hier aktiv werden und Gespräche mit beiden Unternehmen führen. Es sollte eruiert werden, was getan werden muss. Als BT-Abgeordneter für den Kreis Soest würde ich versuchen, hier ebenfalls Gespräche zu führen, um zu erfahren, wie die Bundesebene hier unterstützen kann. Ein gutes Umfeld mit hoher Lebensqualität, guter Bildung, guter Gesundheitsversorgung und Pflege, lebendigen Innenstädten und bezahlbarem Wohnen im Grünen zieht Fachkräfte an. 
Wie möchten Sie den Mittelstand und die kleinen Unternehmen in unserer Region unterstützen?
Wir wollen die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz, bezahlbares Wohnen, Bildung und Gesundheit steigern. Das kurbelt die Wirtschaft an.   
Die Soester Börde ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Im vergangenen Jahr sind auch die Börde-Bauern zum Protest nach Berlin gefahren. Inwiefern setzen Sie sich für die heimischen Landwirte ein? 
Die Preise im Supermarkt sind nicht nur höher, weil höhere Kosten weitergegeben werden, sondern weil die Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten mehr Profit machen. Die Verbraucher:innen und Erzeuger:innen sind beide die Verlierer:innen. Ich fordere Preiskontrollen und ein schärferes Kartellrecht. Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, müssen davon gut leben können. Dafür wollen wir Grund und Boden vor Spekulation schützen und Landwirt:innen sozial absichern. Freihandelsabkommen zeigen in die falsche Richtung.
Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Schlusslichtern Europas. Viele Unternehmen ächzen auch im Kreis Soest unter der Last der Bürokratie oder dem Lieferkettengesetz. Wie kann die Wirtschaft mit Ihnen wieder Fahrt aufnehmen?
Mit hohen Standards der heimischen Produktion können Produktsicherheit und Arbeitsplätze gesichert werden, statt mit billigen Importen. Das Lieferkettengesetz wollen wir deshalb stärken, statt es aufzuweichen. Mit einer Politik der Schwarzen Null und 100 Milliarden Euro Sondervermögen für Rüstung statt für Bildung, Gesundheit und Klimaschutz würgt man die Wirtschaft ab. Das wollen wir ändern und die Nachfrage durch die Stärkung der Massenkaufkraft steigern: antizyklische Wirtschaftspolitik.
Wie kann die Verkehrswende (Autos mit erneuerbaren Energien, besserer ÖPNV) im Kreis Soest gelingen? Ist die aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig? 
Wir müssen klimaneutral werden. Dafür muss der ÖPNV massiv ausgebaut werden. Wir wollen den Klima- und Transformationsfonds ausbauen, zum Beispiel für eine Anschubfinanzierung für neue Batterietechnologien und Energiespeicher. Autos müssen klimaneutral, leichter und günstiger werden.
 
Günstiger Wohnraum – hier geförderte Reihenhäuser im Soester Norden – steht auf der Liste des Linken-Kandidaten ganz oben.
Wie stehen Sie zum Lückenschluss der Autobahn A445 zwischen Werl und Hamm-Rhynern?
Wir sind gegen neue Straßen, sondern für mehr Bus und Bahn. Allerdings muss Hilbeck wegen des Schwerlastverkehrs dringend entlastet werden, darum würde ich für den Bau stimmen, wenn im Gegenzug Naturschutzflächen eingerichtet werden
In Möhnesee und Warstein sollen riesige Anlagen und Windparks entstehen. Wie stehen Sie dazu? 
Wie schon erwähnt halte ich es nicht für richtig, wenn für den Klimaschutz der Umweltschutz aufgegeben wird. Wir brauchen WEA, aber an anderen Standorten, dort, wo sie keine Natur zerstören. Es gibt genügend freie Flächen in Industriegebieten, an Autobahnen, auf Feldern.
Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Ärztemangel im ländlichen Raum zu beheben?
Kommunen brauchen eine verlässliche Finanzierung für die Daseinsvorsorge vor Ort. Dazu gehört die ausreichende Versorgung mit Ärzten. Es soll von den Landkreisen betriebene Gesundheitszentren und mobile Dienste mit fest angestellten Ärzt:innen und Therapeut:innen geben. 
Immer mehr Menschen im Kreis Soest werden pflegebedürftig. Wie wollen Sie sich dieser Herausforderung von Berlin aus im Kreisgebiet stellen? 
Durch Taxifahrten für Flüchtlinge in Echtrop habe ich gesehen, welches Potenzial an Arbeitskräften dort untätig herumsitzen muss. Es gibt dort Pflegekräfte, Ärzte und weitere Menschen aus dem Gesundheitswesen, die wir dringend gebrauchen könnten. Aber leider dürfen die Flüchtlinge nicht arbeiten. Statt über Anwerbeversuche aus anderen Ländern, sollten wir das Potenzial, was bereits vor Ort ist, auch nutzen, statt hier Flüchtlinge, die gerne arbeiten würden, zur Untätigkeit zu verurteilen.
Die Krankenhausreform hat auf den Kreis Soest erhebliche Auswirkungen, zwei große Krankenhausstandorte stehen vor Fusionen und damit vor gewaltigen Umstrukturierungen. Doch die Umsetzung hängt – in Soest wie in Lippstadt – am Förderbescheid. Wie bewerten Sie die Fusionschancen, wie werden sie sich für die Sicherung der Gesundheitsstandorte im Kreis Soest einsetzen? 
Es macht Sinn, in den beiden größten Städten im Kreis, in Soest und Lippstadt, jeweils einen großen Klinikstandort zu errichten, was sicher Synergieeffekte bringen wird.

Kandidaten-Steckbrief

Name: Roland Linnhoff

Wohnhort: Soest

Alter: 55 Jahre

Politisch aktiv seit: 1985 als Kernkraftgegner und als Jugendvertreter im Personalrat bei der Bundespost

Familienstand: verheiratet, ein Kind

Politisches Vorbild: mein Großvater Heinrich Linnhoff

Leitmotiv: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht (Berthold Brecht)

Landeslistenplatz: -

So erreichen Sie den Kandidaten:
roland.linnhoff@die-linke-soest.de

Kandidaten in Serie

11. Februar: Jens Behrens (SPD)

12. Februar: Sarah Gonschorek (Grüne)

13. Februar: Fabian Griewel (FDP)

14. Februar: Christa Hudyma (Freie Wähler)

18. Februar: Roland Linnhoff (Linke)

19. Februar: Oliver Pöpsel (CDU)

20. Februar: Ulrich von Zons (AfD)

In einer Podiumsdiskussion in Warstein haben sich die heimischen Vertreter von sechs im Bundestag vertretenen Parteien gestellt und debattiert.

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