Als letzter der sieben Kandidaten für den Wahlkreis 145 beantwortet Ulrich von Zons (56, Lippstadt), der für die AfD antritt, die Fragen der Redaktion.
Vier Tage vor der Bundestagswahl sind wir am Ende des Alphabets angekommen: Ulrich von Zons ist der Bundestagskandidat der AfD im Kreis Soest. Der Rechtsanwalt kommt, wie drei seiner Mitbewerber, aus Lippstadt. Auf der Reserveliste der NRW-AfD besetzt von Zons Platz 21. Hier beantwortet er die Fragen der Redaktion:
In einem Satz: Warum halten Sie sich für einen geeigneten Kandidaten für den Bundestag?
Ich halte mich für einen geeigneten Kandidaten für den Bundestag, weil ich neben der nötigen Lebens- und Berufserfahrung die Leidenschaft für politische Arbeit mitbringe und durch meine offene, kommunikative Art eine Politik vorantreiben kann, die den Bürger in den Mittelpunkt stellt.
Im Falle einer Koalitionsbeteiligung, welche Partei wäre Ihr Lieblingspartner? Warum?
Für den Fall, dass es zu Koalitionsverhandlungen kommt, könnte ich mir aktuell nur die CDU als Juniorpartner vorstellen. Trotz interner Uneinigkeit, wie zum Beispiel bei der Abstimmung zum Zustrombegrenzungsgesetz, traue ich ihr am ehesten zu, sich wieder konservativen Werten anzunähern, die derzeit nur die AfD vertritt.
Sie wollen für die Menschen im Kreis Soest in den Bundestag – welche sind die wichtigsten drei Probleme im Kreis, für die Sie sich in Berlin um Lösungen bemühen werden?
Sicherheit ist die Grundlage für Lebensqualität. Doch viele Menschen fühlen sich nicht mehr sicher, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ich will, dass sich die Menschen im Kreis Soest wieder sicher fühlen, mit einer starken Polizei, konsequenter Strafverfolgung und mehr Präsenz im öffentlichen Raum. Innere Sicherheit ist ein Grundrecht!
Bezahlbare Energie ist kein Luxus, sondern enorm wichtig für unsere Existenz und unsere Wirtschaft. Doch steigende Preise und unsichere Versorgung bedrohen Haushalte und Unternehmen. Ich setze mich für eine ideologiefreie Energiepolitik ein: Technologieoffenheit statt Verbote. Fossile Energien müssen Teil der Zukunft bleiben, denn wenige Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke könnten verlässlich mehr Strom als alle Erneuerbaren zusammen liefern.
Moderne Kernkraftwerke sind hocheffizient, sicher und sauberer als Kohle oder Gas – warum sollte man darauf verzichten? Ich will eine stabile, bezahlbare Energieversorgung, denn nur so bleibt unser Land wettbewerbsfähig.
Immer mehr Patienten im Kreis Soest warten zu lange auf Facharzttermine oder müssen weite Wege auf sich nehmen. Der Ärztemangel ist spürbar, die ambulante Versorgung ist unzureichend. Das muss sich ändern! Weniger Bürokratie könnte z.B. mehr Zeit für die Patienten bedeuten. Zudem brauchen wir mehr Medizinstudienplätze und attraktivere Bedingungen für Ärzte, um die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern.
Die Menschen sorgen sich angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen Parteien und der Annäherung demokratischer Parteien an deren Inhalte um die Zukunft der Demokratie. Was glauben Sie, ist erforderlich, um die Demokratie zu stärken und zu schützen?
Um die Demokratie zu stärken und zu schützen, müssen wir sicherstellen, dass sie von allen politischen Akteuren respektiert wird und dass ihre Werte in der Gesellschaft verankert sind. Es ist für mich unverständlich, warum sinnvolle politische Vorschläge der AfD grundsätzlich abgelehnt werden. Es kommt häufig vor, dass diese Vorschläge später von anderen Parteien als ihre eigenen Ideen präsentiert und akzeptiert werden. Mit Blick auf das Demokratieverständnis bereitet mir Sorge, dass es oft nicht um den Inhalt geht, sondern um pauschale Ablehnung einer Partei. Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut in der Demokratie und gehört für mich bei der Suche nach der besten Lösung dazu.
Der Automobilzulieferer Magna will Arbeitsplätze streichen, gleiches gilt für Hella in Lippstadt. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf kommunaler Ebene, Arbeitgeber zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten? Mit welchen Argumenten wollen Sie Fachkräfte für den Kreis Soest gewinnen?
Die Stellenstreichungen zeigen die Folgen verfehlter Wirtschafts- und Energiepolitik: Hohe Energiepreise, Bürokratie und industriefeindliche Vorgaben gefährden den Mittelstand. Ich setze mich für weniger Auflagen, den Schutz der deutschen Industrie und Steuererleichterungen für Unternehmen ein, um diese zu entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Fachkräfte gewinnt man durch bessere Ausbildung und betriebliche Anreize. Nicht nur junge Menschen brauchen Perspektiven im eigenen Land. Ein sicherer Arbeitsplatz motiviert die Arbeitnehmer und kann sich somit positiv auf die Wirtschaft auswirken.
Wie möchten Sie den Mittelstand und die kleinen Unternehmen in unserer Region unterstützen?
Ich setze mich für weniger Bürokratie, bezahlbare Energie, steuerliche Entlastungen und eine wirtschaftsfreundliche Politik ein, damit der Mittelstand und kleine Unternehmen in unserer Region nicht weiter durch staatliche Regulierungen erdrückt, sondern in ihrem Wachstum unterstützt werden. Denn sie sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Die Soester Börde ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Im vergangenen Jahr sind auch die Börde-Bauern zum Protest nach Berlin gefahren. Inwiefern setzen Sie sich für die heimischen Landwirte ein?
Unsere Landwirte sind ebenso das Rückgrat der Region und brauchen Unterstützung statt zusätzlicher Belastungen. Wir brauchen konkrete Maßnahmen. Ein Bürokratieabbau ist nur eine Maßnahme, um den Landwirten den Rücken freizuhalten, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Das Höfesterben nach dem Motto lieber wenige Große statt viele Kleine sehe ich mit Sorge. Ich stehe für mehr Fördermittel für kleine traditionelle landwirtschaftliche Betriebe, damit auch sie wieder von ihrer Arbeit leben können.
Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Schlusslichtern Europas. Viele Unternehmen ächzen auch im Kreis Soest unter der Last der Bürokratie oder dem Lieferkettengesetz. Wie kann die Wirtschaft mit Ihnen wieder Fahrt aufnehmen?
Mit weniger Bürokratie, bezahlbarer Energie und einer wirtschaftsfreundlichen Politik statt ideologischer Vorgaben, damit der Mittelstand im Kreis Soest und ganz Deutschland wieder floriert, anstatt ausgebremst zu werden.
Wie kann die Verkehrswende (Autos mit erneuerbaren Energien, besserer ÖPNV) im Kreis Soest gelingen? Ist die aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig?
Den Ausbau der Windkraft – wie in Warstein und Möhnesee geplant – lehnt der AfD-Politiker von Zons ab. Sie treibe die Energiepreise in die Höhe, ohne eine verlässliche Stromversorgung zu gewährleisten.
Eine ideologisch aufgezwungene Verkehrswende lehne ich ab. Der Individualverkehr bleibt für viele Menschen im Kreis Soest unverzichtbar. Statt Autofahrer zu gängeln, setze ich mich für bezahlbare Mobilität, Technologieoffenheit und eine bessere Infrastruktur ein. Wer E-Autos fahren will, soll das tun, aber ohne staatliche Bevormundung oder Verbrennerverbote.
Wie stehen Sie zum Lückenschluss der Autobahn A445 zwischen Werl und Hamm-Rhynern?
Ich setze mich für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ein, um Mobilität und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Der Lückenschluss der A445 kann zur Entlastung des regionalen Verkehrs beitragen und die Anbindung verbessern.
In Möhnesee und Warstein sollen riesige Anlagen und Windparks entstehen. Wie stehen Sie dazu?
Ich lehne den ungehemmten Ausbau von Windparks in unserer Region ab. Die Zerstörung des Landschaftsbildes schädigt die Natur, gefährdet Anwohner durch Infraschall und treibt die Energiepreise in die Höhe, ohne eine verlässliche Stromversorgung zu gewährleisten. Stattdessen setze ich auf eine bezahlbare, sichere und grundlastfähige Energiepolitik.
Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Ärztemangel im ländlichen Raum zu beheben?
Ich setze mich für die Weiterentwicklung und den Ausbau von Landarztstipendien ein, um Medizinstudenten zu motivieren, nach ihrem Studium in ländlichen Regionen tätig zu werden.
Immer mehr Menschen im Kreis Soest werden pflegebedürftig. Wie wollen Sie sich dieser Herausforderung von Berlin aus im Kreisgebiet stellen?
Ich setze unter anderem auf die Förderung der häuslichen Pflege und möchte pflegende Angehörige stärker unterstützen. Hierzu gehört eine bessere finanzielle und strukturelle Unterstützung für pflegende Angehörige. Ein weiterer Aspekt könnte sicherlich die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen sein, um private Investitionen in Pflegeeinrichtungen zu fördern. Schlussendlich muss der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden.
Die Krankenhausreform hat auf den Kreis Soest erhebliche Auswirkungen, zwei große Krankenhausstandorte stehen vor Fusionen und damit vor gewaltigen Umstrukturierungen. Doch die Umsetzung hängt – in Soest wie in Lippstadt – am Förderbescheid. Wie bewerten Sie die Fusionschancen, wie werden sie sich für die Sicherung der Gesundheitsstandorte im Kreis Soest einsetzen?
Eine zukunftsfähige Krankenhausreform erfordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik. Die Abhängigkeit vom Förderbescheid zeigt das Problem: Statt wirtschaftlicher Zwänge muss die Patientenversorgung im Mittelpunkt stehen. Ich werde mich in Berlin dafür einsetzen, die Krankenhausfinanzierung so zu reformieren, dass eine bedarfsgerechte und wohnortnahe Versorgung sichergestellt wird.
Kandidaten-Steckbrief
Name: Ulrich von Zons
Wohnort: Lippstadt
Alter: 56
Politisch aktiv seit: 2018
Familienstand: geschieden
Beruf: Rechtsanwalt
Politisches Vorbild: Dr. Alice Weidel
Leitmotiv: Klare Werte und klare Kante im Dienst der Freiheit und Verantwortung
Landeslistenplatz: 21
So erreichen Sie den Kandidaten: ulrich.vonzons@afd-soest.de