Welche Kampfjets und Militärflugzeuge bei „Air Defender“ dabei sind
VonNils Bothmann
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220 Militärflugzeuge aus 26 Nationen nehmen an der Übung Air Defender im deutschen Luftraum teil. Welche Flugzeuge und Kampfjets sind dabei?
Köln – Ab 12. Juni kann es durchaus sein, dass Menschen in Deutschland öfter den Blick zum Himmel richten. Denn mit dem Manöver Air Defender 2023 findet im deutschen Luftraum vom bis 23. Juni 2023 die laut Bundeswehr „bis dato größte Luftoperationsübung seit Bestehen der NATO“ statt. Die Übung wird Auswirkungen auf den Reiseverkehr in dieser Zeit haben, da Teile des deutschen Luftraums gesperrt sein werden. Ein Großteil der Flugzeuge, die an der Nato-Übung der Luftwaffe teilnehmen, ist bereits gelandet. Anwohner sollen nicht zu stark beeinträchtigt werden, da nachts kein Übungsflugbetrieb geplant ist. Außerdem werden durch den Fokus auf Nord- und Ostseegebiete bei den Flugzonen die Übungslufträume über bewohnten Arealen entlasten. Doch ohne Flugverbote und Beeinträchtigungen des Flugverkehrs wird es bei Air Defender 23 nicht gehen.
Tornado, Eurofighter, F16: Fotos zur Kampfjet-Übung „Air Defender“
F-16 und F-35, hier als Begleitpatrouille von zwei B-1B-Langstreckenbombern während einer US-südkoreanischen Militärübung, werden im Rahmen von Air Defender 2023 auch über Deutschland zu sehen sein
Air Defender 2023 werde demonstrieren, „dass die alliierten Luftstreitkräfte das Bündnisgebiet jederzeit schlagkräftig verteidigen können“, wie das Zentrum Luftoperationen der Luftwaffe in einer Pressemitteilung erklärte. Es handelt sich dabei um Verteidigungsübungen, bei welchen die „gemeinsame Reaktionsfähigkeit der Luftstreitkräfte bei einer Krisensituation“ trainiert werden. Das Szenario ist einem „Artikel-5-Beistandsszenario“ der NATO nachempfunden. Deutschland nimmt dabei seine Rolle als „kollektiver Verteidigungsknotenpunkt“ in Europa wahr.
Karte: Das sind die Übungskorridore für Air Defender 2023
Neben Kampfjets werden auch Tank- und Transportflugzeuge beim Air Defender 2023 dabei sein. Noch ist nicht ganz klar, um welche Flugzeugtypen es sich im Einzelnen handeln wird. Politiker der Partei Die Linke hatten im Februar eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zu dem Manöver gestellt, in der sie unter anderem nach einer Aufschlüsselung der teilnehmenden Flugzeuge gefragt hatten, bisher aber noch keine Antwort erhalten. Jedoch hat die Bundeswehr mittlerweile einige Modelle veröffentlicht.
Alle Infos zur Übung Air Defender 2023
Wann findet Übung statt? Vom 12. bis 23. Juni 2023
Von welchen Stützpunkten starten die teilnehmenden Maschinen? Hauptsächlich aus Jagel/Hohn (Schleswig-Holstein), Wunstorf (Niedersachsen), Lechfeld (Bayern), Spangdahlem (Rheinland-Pfalz), Volkel (Niederlande) und Čáslav (Tschechien)
Die Luftwaffe übernimmt die Führungsrolle bei dem Kampf-Manöver im Sommer. Die Bundeswehr verfügt über 28 Luftsysteme, von denen jedoch nicht alle oder nicht ausschließlich von der Luftwaffe genutzt werden. Sieben Flugzeugtypen davon werden an der Übung Air Defender 2023 teilnehmen.
Eurofighter, Tornado, A350: Diese Flugzeuge gibt es bei der Bundeswehr
Eurofighter, Tornado und mehr: Diese Kampfjets sind beim „Air Defender 2023“ dabei
Eurofighter
Tornado
Douglas A-4 „Skyhawk“
Transportflugzeuge A330 AAR
Airbus A400M
LJ35-Geschäftsreiseflugzeuge
leichte Unterstützungshubschrauber (LUH) 145
Als aktuell modernster Kampfjet der Bundeswehr wird der Eurofighter an dem Manöver teilnehmen. Das Mehrzweckkampfflugzeug ist an vier Standorten in Deutschland stationiert; jeweils zwei Maschinen dieses Typs bilden die Alarmrotte, die bei Notfällen im deutschen Luftraum schnell aufsteigen muss. Bewohner von Nordrhein-Westfalen sind den Anblick der Flieger, die mit vollem Namen Eurofighter Typhoon heißen, gewohnt: Immer wieder steigen Kampfflugzeuge für Übungen über NRW auf, um Übungsflüge abzuhalten. Grund dafür ist die Lage des Fliegerhorsts Nörvenich im Kreis Düren. Dorthin wurden im Sommer 2022 auch 25 Tornado-Kampfbomber verlegt.
Auch der Panavia 200 Tornado wird an der Übung der Air Defender 2023 teilnehmen. Allerdings ist der Jagdbomber, der seit 1998 nicht mehr produziert wird, ein Auslaufmodell: Da die noch im Bestand vorhandenen Maschinen ans Ende ihrer Lebensdauer gelangen, wird er in Zukunft durch andere Kampfjets ersetzt werden: 15 neue Eurofighter und 35 Maschinen vom Typ F-35A bestellte die Bundeswehr zu diesem. Bei Air Defender 23 werden die Tornados sich den Luftraum mit ihren Nachfolgern teilen.
Hinzu kommen zwei Douglas A-4 „Skyhawk“. Dabei handelt es sich um ein einstrahliges Kampfflugzeug aus US-amerikanischer Produktion, von denen es nur noch wenige gibt. Seit 2001 sind sechs Stück des A-4N am Fliegerhorst Wittmund (Jagdgeschwader 71) der Luftwaffe stationiert und dienen dabei als „Zieldarstellungsflugzeuge“. Als verhältnismäßig preiswerter Jagdbomber, war der A-4 für den Einsatz auf Flugzeugträgern konzipiert.
Als Nicht-Kampfjets werden auch die Transportflugzeuge A330 AAR (drei Stück) und Airbus A400M (fünf Stück) zur Betankung an der Übung teilnehmen. Letzteres wurde gemeinsam von Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich als Ersatz für Vorgängermodelle entwickelt. Die Maschine, die mit vollem Namen Airbus A400M Atlas heißt, ist ein Transportflugzeug, das große Mengen an Personal und Material befördern kann. Die Bundeswehr gibt folgende Beispiele für die mögliche Auslastung des Airbus 400M:
bis zu 114 Soldaten
ein Kampfhubschrauber Tiger
ein leichter Unterstützungshubschrauber H145M
vier Geländewagen vom Typ Wolf
ein Transportpanzer Fuchs
ein Schützenpanzer Puma
Das deutsche Aufgebot runden schließlich noch zwei LJ35-Geschäftsreiseflugzeuge und vier leichte Unterstützungshubschrauber (LUH) 145 ab.
USA, Niederlande, Japan: Diese Kampfjets stellen andere Länder für Air Defender 2023
An Kampfjets werden die USA und die Niederlande auf jeden Fall Maschinen des Typen F-35 entsenden. Letzterer wird bald auch in deutschen Beständen zu sein: Die Bundeswehr orderte 35 Maschinen des „modernsten Kampfflugzeugs weltweit“, um veraltete Maschinen in den eigenen Reihen zu ersetzen. Auch mit F-15- und F-16-Kampfjets ist zu rechnen. Hinzu kommt laut Bundeswehr auf jeden Fall ein NATO-AWACS-Aufklärer sowie erstmals auch ein Transportflieger aus Japan.
Die F-15, auch als McDonnell Douglas F-15 oder F-15 Eagle bekannt, ist seit 1974 in Serienproduktion und wurde seitdem mehrfach modifiziert. Seit 1997 wird das Flugzeug von Boeing produziert, nachdem der Konzern den vorigen Hersteller McDonnell Douglas schluckte. In ihrer Ursprungsversion ist die F-15 ein Luftüberlegenheitsjäger, doch mit der in den 1980ern entwickelten und in Produktion gegangenen Variante kann der Jet auch als Mehrzweckkampfflugzeug eingesetzt werden, die beispielsweise auch für Bombenabwürfe genutzt werden kann. Inzwischen wird das Flugzeug jedoch zunehmend durch die F-22 Raptor des Herstellers Lockheed Martin abgelöst.
Zwei Jahre nach der F-15 ging auch die F-16, auch bekannt als General Dynamics F-16 oder F-16 Fighting Falcon, in Serienproduktion. Es gibt Parallelen in der Geschichte der beiden Kampfjets. Die F-16 wurde von General Dynamics entwickelt und bis 1993 gebaut, danach übernahm Lockheed Martin – allerdings ging dem Herstellerwechsel keine Übernahme von General Dynamics voraus. In ihrer Entwicklungsphase war die F-16 lediglich als leichtes Kampfflugzeug geplant, wurde jedoch schon vor Produktionsbeginn zum Mehrzweckkampfflugzeug weiterentwickelt. Auch die F-16 ist ein Auslaufmodell. Von 2005 an wurden keine Maschinen dieses Typs mehr für die US Air Force hergestellt, 2018 auch die Produktion für den Exportmarkt eingestellt. Der Nachfolger kommt aus dem eigenen Hause: Lockheed Martin baut auch die F-35.
Besagte F-35 ist das meistgenutzte Kampfflugzeug der Welt. Den Exportschlager gibt es in drei Varianten: F-35A, F-35B und F-35C. Erstere Variante ist es, welche die deutsche Luftwaffe in ihre Reihen aufnehmen wird. Als Erstes wurde jedoch die F-35B, eine Kurzstartvariante mit Senkrechtlandekapazität, in den Dienst gestellt (31. Juli 2015), die konventionell startende und landende Version F-35A erst rund ein Jahr später, am 2. August 2016.
Flugverbot wegen Air Defender 2023 – Ausfälle im zivilen Flugverkehr drohen
Nicht immer handelt es sich bei Flügen von Kampfjets jedoch um Übungsflieger. Zuletzt begleiteten Eurofighter-Kampfjets einen Regierungsflieger zum Flughafen Köln/Bonn. (nbo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.Dieser Text wird laufend aktualisiert.