Warnung an den Ministerpräsidenten

Grüne als Insekten-Esser - Hofreiter sicher: Söder fällt auf Putin-Propaganda rein

+
Haben wenig Verständnis für die Attacken von Ministerpräsident Markus Söder (CSU): Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Mitte) und Europapolitiker Anton Hofreiter (beide Grüne).
  • schließen

Insektenburger statt Schweinsbraten: Söder unterstellt den Grünen seltsame Vorlieben. Doch die warnen: Der Ministerpräsident sollte nicht Putins Trollfabriken nachahmen.

München – Wegen ständig neuer Angriffe von Markus Söder (CSU) im Wahlkampf zur Bayern-Wahl 2023 fühlen sich die Grünen verunglimpft. Führende Politiker der Ökopartei haben dem bayerischen Ministerpräsidenten jetzt die Verbreitung von Fake-News vorgeworfen. „Söder muss aufhören, rechtspopulistische Propaganda zu benutzen“, wetterte Anton Hofreiter im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Vorsitzende im Europaausschuss des Bundestags warnte Söder davor, das Sprachrohr Moskaus zu werden.

Bayern-Wahl 2023: Söder nutzt den Wahlkampf für Attacken auf die Grünen – Hofreiter tobt

Im Wahlkampf vor der Bayern-Wahl 2023 beharken sich CSU und Grüne im Ringen um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Söder hat die Ökopartei zu seinem Hauptgegner erkoren – und fährt in den Bierzelten harte Attacken. So stellt er die Grünen immer wieder als Verbotspartei dar, die den Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben, was sie dürfen oder eben auch nicht. Neben dem Wirrwarr um das Heizungsgesetz nutzt Söder dabei auch die Debatten um deutsche Ernährungsgewohnheiten.

Grillen und Schimmelkäfer: Söder unterstellt den Grünen Vorlieben für Insekten

Bereits im März hatte Söder zu Beginn des Wahlkampfes zum Schlag ausgeholt und in der Bild behauptet: „Die Grünen diskutieren, ob man nicht lieber Insekten wie die Hausgrille oder den Getreideschimmel-Käfer essen soll.“ Doch ihm, so fügte er hinzu, sei ein „Schweinsbraten jedenfalls zehnmal lieber als ein Insektenburger“. Die zunehmenden Einschränkungen und Verbote der Grünen bezüglich Fleisch, Wurst oder Süßigkeiten seien „völlig überzogen“ und gingen „an unserer Lebenskultur vorbei“. Die Grünen haben bereits mehrfach die Berichte über Verbotsbestrebungen zurückgewiesen.

Tatsächlich sind mittlerweile immer mehr Insekten als Lebensmittel und Proteinlieferant zugelassen – aber nicht wegen der Grünen. Dies geht auf eine Entscheidung der Europäischen Union (EU) zurück. Dass Söder vor der Bayern-Wahl daraus den Slogan mache, dass die Grünen die Deutschen zum Insektenessen zwingen wollten, findet Hofreiter „unverantwortlich“. Diese Art der Politik sei „gefährlich für die Demokratie und den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, wetterte der Europapolitiker.

Insektenburger statt Schweinsbraten: Nutzt Söder die Propaganda von Russlands Trollfabriken?

Zugleich äußerte Hofreiter einen brisanten Verdacht: Diese Art der Propaganda gehe höchstwahrscheinlich auf Trollfabriken in Russland zurück. Der Grünen-Politiker bezog sich dabei auf eine Unterredung der Europaausschussvorsitzenden aller EU-Mitgliedsländer zusammen mit Beitrittskandidaten und assoziierten Mitgliedern in Madrid. Dort, so Hofreiter, hätten vor allem die Teilnehmer aus Osteuropa diese Anschuldigung erhoben. „Auch deshalb müssen Konservative aufhören, sich rechtspopulistischer Propaganda zu bedienen“, forderte Hofreiter im RND-Interview. „Wir haben in Europa zu viele Fake-News.“

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Umfragen zur Bayern-Wahl: Angriffe auf Grüne schaden Söder nicht

Die Angriffe auf die Grünen scheinen sich für die CSU aber zu lohnen. Zwar kostete die Flugblatt-Affäre um Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Söder-Partei in den Umfragen vor der Bayern-Wahl einige Prozentpunkte, doch seine Staatsregierung kann weiterhin auf eine Mehrheit nach dem Wahltag bauen.

Die Grünen indes sind in den Meinungstrend in den vergangenen zwölf Monaten weit abgerutscht und liegen weit abgeschlagen auf Platz drei hinter den Freien Wählern. Nachdem ihnen vor einem Jahr noch rund 20 Prozent prognostiziert waren, schaffen sie es derzeit nicht mehr über die 13-Prozent-Marke. In den Bierzelten und auf den Wahlkampfveranstaltungen schlägt Spitzenkandidatin Katharina Schulze eine teilweise aggressive Stimmung entgegen. Eine Veranstaltung müsste kürzlich unter Polizeischutz gestellt werden. (jkf)

Kommentare