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Fünf Optionen für Merz im Rentenstreit – zwei wären für Kanzler dramatisch

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Kanzler Friedrich Merz ringt um eine Lösung beim Streit um die Rente in Deutschland. Welche Möglichkeiten er jetzt hat – und wie realistisch sie sind.

Berlin – Während Kanzler Friedrich Merz von seiner Afrikareise zurückkehrt, bleibt das Rentenproblem in Deutschland ungelöst. Das vom Kabinett bereits beschlossene Rentenpaket der schwarz-roten Regierung läuft Gefahr, im Bundestag abgelehnt zu werden. Innerhalb von Merz‘ CDU/CSU gibt es massiven Widerstand dagegen, angeführt von der Jungen Union, die das Paket für zu teuer und zu ungerecht für nachfolgende Generationen hält. Merz hat nun mehrere Optionen – alle davon bergen erhebliche Nachteile, zwei davon wären sogar drastisch für die Zukunft von Merz als Kanzler.

Wird die Rentenfrage zu seiner Schicksalsfrage? Kanzler Friedrich Merz (CDU) bleibt als Ultima Ratio die Vertrauensfrage.

Am Donnerstag (27. November) tagt nun erneut das Kabinett. Einer Lösung im Rentenstreit sind Merz und seine Minister aber keinen Schritt näher gekommen: Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, hält am Widerstand gegen den Rentengesetzentwurf fest. Die SPD lehnt es wiederum ab, auf die 48-Prozent-Haltelinie nach 2031 zu verzichten, die in der Kritik der Jungen Union steht. Merz steht dazwischen, hat aber zuletzt signalisiert, sich an die Vereinbarung mit der SPD halten zu wollen.

Kanzler Merz hat jetzt fünf Optionen, um eine Lösung zur Rente zu erzielen

Welche Möglichkeiten bleiben Merz jetzt für eine Einigung zur Rente? Es sind fünf Optionen, die der Kanzler hat, jedoch ist keine aktuell besonders aussichtsreich. Das macht die aktuelle politische Lage in Berlin umso schwieriger:

  1. Die Junge Union gibt im Rentenstreit nach
  2. Die SPD verzichtet auf die umstrittene Haltelinie nach 2031
  3. Das Rentenpaket wird verschoben
  4. Die Linke verschafft Merz im Bundestag eine Mehrheit
  5. Merz stellt die Vertrauensfrage.

Option 1 für Merz bei der Renten: Junge Union gibt im Streit nach

In der Parteiführung der CDU und CSU hofft man offenbar, dass die Junge Union sich beschwichtigen lässt und es nicht auf ein Desaster im Bundestag bei der Abstimmung über das Rentenpaket ankommen lässt

Merz gibt sich nach außen optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir uns einigen“, sagte er nach dem G20-Gipfel in Johannesburg zu RTL. Zuvor deutete er an, die Junge Union mit einem Begleittext im Gesetzentwurf einzufangen. Diese solle festschreiben, dass das Rentengesetz nach den Reformvorschlägen der Rentenkommission eventuell noch angepasst wird. Doch selbstbewusste Statements aus der Jungen Union deuten nicht darauf hin, dass das reicht. Es sei die falsche Reihenfolge, jetzt teure Projekte gesetzlich zu beschließen, um sie dann nachträglich zu korrigieren, sagte der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, am Dienstag.

Der Rentenstreit ist inzwischen zu einer Prinzipienfrage geworden, in der es auch um die Frage geht, inwieweit sich Angeordnete dem Willen der Parteispitzen beugen: „Es kann nicht angehen, dass frei gewählten Abgeordneten verboten werden soll, über einen Gesetzesvorschlag der Bundesregierung zu diskutieren und Änderungen vorzunehmen“, sagte Winkel der Bild-Zeitung. Um in der Rentenfrage umzuschwenken, müssten die jungen Abgeordneten der Union wohl ein Angebot bekommen, das ihren Bedenken Rechnung trägt. Mehrere Medien spekulieren, ob JU-Chef Winkel ein Posten in der Rentenkommission freigehalten wird, damit er dort für seine Positionen kämpfen kann.

Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn, der dafür zuständig ist, Merz die nötigen Mehrheiten im Bundestag zu sichern, scheint auf eine Einigung zu setzen: „Wir reden jetzt vor allem viel miteinander“, sagte er am Wochenende im Interview mit dem Münchner Merkur. „Wir wollen und werden eine eigene Mehrheit haben.“ Spahn hofft offenbar, dass es der Jungen Union als Erfolg ausreicht, dass die Rentenkommission jetzt offenbar früher eingesetzt wird als geplant. Ob das so ist? Fraglich.

Option 2 für Merz bei der Rente: Die SPD gibt bei der Haltelinie nach

Mindestens genauso unnachgiebig wie die Junge Union ist die SPD beim Rentenstreit. SPD-Chef Lars Klingbeil verordnete den widerspenstigen Abgeordneten ein „Basta“ – was im Kabinett beschlossen sei, sei beschlossen. Damit zementierte er aber nur den Widerstand der Jungen Union: Das Machtwort sei unverständlich, sagte Pascal Reddig von der Jungen Gruppe der Union. Dass ein Gesetzesentwurf von Parlamentariern kritisiert werde, sei normal in einer Demokratie „und kein großer Skandal“.

SPD-Co-Chefin Bärbel Bas warnte vor einem Nachgeben gegenüber dem Unionsnachwuchs. „Kämen wir jetzt der Jungen Gruppe entgegen, bekämen wir kaum noch ein strittiges Gesetz mit der SPD-Fraktion durch“, mahnte sie. Spahn müsse die Zustimmung seiner Abgeordneten zum Rentenpaket organisieren. Auch die SPD habe sich mit vielen Punkten im Koalitionsvertrag schwergetan, aber trotzdem zugestimmt.

Einen anderen Grund, warum der SPD die Haltelinie so heilig ist, nannte der stellvertretende Chefredakteur der Welt, Robin Alexander, in seinem Podcast „Machtwechsel“: Schon bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl hätten Merz und Klingbeil sich auf einen Deal geeinigt: Die SPD verzichtet auf Steuererhöhungen, die Union gesteht die Haltelinie bei der Rente zu. Dieses Versprechen sei eines der „Fundamente dieser Koalition“, Merz somit umso mehr im Dilemma.

Option 3 für Merz bei der Rente: Rentenpaket wird verschoben

Wenn man sich nicht einigen kann, lässt man es einfach: Das ist die dritte Option, die vor allem auch Experten derzeit der Merz-Regierung empfehlen. Wegen der Belastung der öffentlichen Finanzen forderte eine Gruppe von 22 Ökonomen laut Handelsblatt den Stopp des geplanten Rentenpakets.  Stattdessen solle man zunächst eine Rentenkommission ihre Arbeit für eine grundlegende Reform machen lassen. Lege man sich jetzt schon auf enorm teure Projekte wie die Haltelinie nach 2031 und Mütterrente fest, schaffe man Vorbedingungen, die die Arbeit der Kommission erschweren.

Was dagegen spricht, ist der unbedingte Wille der Regierungsparteien, sich handlungs- und reformfähig zu zeigen. Das Rentenpaket enthält auch die Aktiv- und Frühstartrente, wo Merz endlich Nägel mit Köpfen machen will. CSU-Chef Markus Söder will vor seinen Wählern das Versprechen der erweiterten Mütterrente wahr machen. Auch die SPD setzte vor der Bundestagswahl auf das Thema sichere Renten und hat hier ebenfalls Wahlversprechen einzulösen. Jetzt wieder alles zu verschieben, wäre eine herber Dämpfer für alle drei Parteien – wenn auch die Junge Union stark dafür plädiert.

Option 4 für Merz bei der Rente: Die Linke wird zum Mehrheitsbeschaffer der Koalition

Heikel ist der Widerstand der Jungen Union für Merz auch, weil sie 18 Abgeordnete im Bundestag stellt – die Koalition aber nur einen Stimmenvorsprung von 12 Abgeordneten hat. Ohne die Zustimmung der Jungen Gruppe wird aus dem Rentengesetz also nichts. Obendrein soll es noch mehr Skeptiker in der Union geben.

Jedoch sind da ja noch die anderen Fraktionen im Bundestag. Die Grünen wollen das Rentenpaket ebenfalls ablehnen, doch die Linke zeigte sich offen. Es spreche durchaus „etwas für dieses Rentenpaket“, sagte Linken-Chef Jan van Aken. „Wir stimmen allem zu, was das Leben der Rentner und Rentnerinnen besser macht“, präzisierte van Aken, ließ aber beispielsweise nicht erkennen, ob er selbst dem Paket zustimmen würde.

Wird Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek also zu Merz‘ Retterin? Der Kanzler will sich wohl ungern von ihr retten lassen. Der Vorwurf, er mache linke Politik, würde dann erst recht auf ihn einprasseln, der Spiegel schreibt von einem „Armutszeugnis“ beim Eintreten dieses Szenarios. Nach Merz‘ verpatzter Kanzlerwahl und dem Tauziehen um Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin wäre es schon das dritte Mal, dass Merz nicht auf seine eigene Fraktion im Bundestag bauen kann.

Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz
Vor dem ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl im Bundestag war die Stimmung bei der Union noch bestens. NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz. Der wirkte entspannt und lächelte. Kurz darauf kippte die Stimmung. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn
Auch beim eigentlichen Koalitionspartner der CDU herrschte vor dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl im Bundestag noch eine gelöste Atmosphäre. SPD-Parteichef Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn. Klingbeil soll im schwarz-roten Kabinett unter Merz den Posten des Finanzministers übernehmen. Dafür muss der CDU-Chef aber erst einmal die Kanzlerwahl gewinnen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Bei der Wahl des Bundeskanzlers waren auch Prominente anwesend. Auf der Besuchertribüne im Bundestag zu sehen waren unter anderem Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), Astronaut Alexander Gerst (hinten) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf (rechts). © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Da schien die Welt noch in Ordnung: Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab im Bundestag bei der Kanzlerwahl seinen Stimmzettel ab.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Eine erste Krisenrunde? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU, Mitte) sprach kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl mit Angehörigen des Bundestagspräsidiums.  © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Dann war es so weit: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) verkündete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl. Friedrich Merz erhielt in geheimer Abstimmung 310 von 621 abgegebenen Stimmen und damit sechs weniger als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Sie hatte sich ihren ersten wichtigen Arbeitstag als Bundestagspräsidentin sicher anders vorgestellt: Julia Klöckner leitete die Sitzung, in der das Parlament den Bundeskanzler wählen sollte. So fiel der CDU-Politikerin auch die Aufgabe zu, die Niederlage ihres Parteichefs Friedrich Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zu verkünden. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Union hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft: Friedrich Merz (CDU) zwischen Alexander Dobrindt (CSU) und Jens Spahn (CDU).  © Michael Kappeler/dpa
Jens Spahn und Friedrich Merz
Nachdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl verkündet hatte, unterbrach sie die Sitzung. Im Plenarsaal des Reichstags wurde es kurz hektisch. Fraktionsvorsitzender Jens Spahn kam mit Friedrich Merz und weiteren CDU-Politikern zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Danach war erst einmal Pause angesagt: „Sitzungsunterbrechung“ stand nach dem ersten Wahlgang auf einem Bildschirm im Plenarsaal im Bundestag. Die Kanzlerwahl war zunächst vertagt. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Im ersten Wahlgang brachten CDU, CSU und SPD die Kanzlermehrheit nicht zustande. Es galt, Fragen zu klären. Der designierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD, Mitte) suchte dabei auch das Unions-Fraktionsbüro auf. © Michael Kappeler/dpa
Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz
Gesprochen hat Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz (CDU). In der Union wurde vermutet, dass die fehlenden Stimmen aus der SPD gekommen seien. Doch aus Klingbeils Umfeld hieß es, es gebe keine Hinweise auf Abweichler in den eigenen Reihen. Darauf deute auch das Mitgliedervotum von 85 Prozent für den Koalitionsvertrag hin. „Auf uns ist Verlass.“ © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour
Kurz nach seiner Niederlage im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl befindet sich Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour. Der ehemalige Vorsitzende der Grünen ist ebenfalls Abgeordneter des Bundestags. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Schloss Bellevue
Eigentlich sollte Friedrich Merz nach der Kanzlerwahl und als frisch gewählter Regierungschef ins Schloss Bellevue fahren, um sich dort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vereidigen zu lassen. Doch die geplante Zeremonie musste nach der überraschenden Pleite von Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zunächst verschoben werden.  © JOHN MACDOUGALL/AFP
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz, verfolgte die Niederlage ihres Mannes im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl auf der Besuchertribüne des Bundestags. Beistand erhielt sie dort von den gemeinsamen Töchtern Carola Cluesener (2.v.l.) und Constanze Merz (l.). Die Stimmung der Frauen aus der Familie Merz dürfte nach Bekanntgabe des Ergebnisses nicht die Beste gewesen sein. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Angela Merkel zu Gast im Bundestag
Das Amt, das Friedrich Merz anstrebt, hatte Angela Merkel ganze 16 Jahre inne. Als Bundeskanzlerin führte die damalige CDU-Chefin in dieser Zeit gleich mehrere Koalitionen. Einen ersten Wahlgang verlor sie bei der Kanzlerwahl genausowenig wie ihre Vorgänger. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik bislang nur Friedrich Merz gelungen. © Imago
AfD Parteichefin Alice Weidel
Selbstredend versuchte die AfD, das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl medial für sich auszuschlachten. „Herr Merz sollte direkt abtreten und es sollte der Weg geöffnet werden für Neuwahlen in unserem Land“, forderte Parteichefin Alice Weidel. Diese Forderung kommt nicht überraschend. Die AfD, die vor kurzem vom Verfassungsschutz in ihrer Gesamtheit als rechtsextremistisch eingestuft wurde, liegt in vielen aktuellen Umfragen gleichauf mit der CDU. © Christian Thiel/imago
AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland
Noch im Plenarsaal beriet sich AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland. Der ehemalige Vorsitzende der Rechtspopulisten ist der älteste Abgeordnete des Bundestags. Doch auch für ihn ist die Situation, dass ein Kanzlerkandidat wie Friedrich Merz seine Wahl im Bundestag verliert, neu. © IMAGO/Frederic Kern
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs bei der Kanzlerwahl ließ auch den 51 Jahre alten CDU-Politiker, der als enger Vertrauter von Merz gilt, zunächst ratlos zurück. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken
Beim historischen Debakel von Friedrich Merz war auch der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, anwesend. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl sei aber nicht nur ein Niederlage für Friedrich Merz, sondern auch für seinen designierten Vizekanzler, SPD-Chef Lars Klingbeil. Er wisse nicht, wie es nach dieser „Klatsche für Merz und Klingbeil“ nun weitergehen würde. „Vielleicht war es nur ein Schuss vor den Bug“, mutmaßte Van Aken im Gespräch mit dem ZDF. Es sei aber auch denkbar, dass Merz sogar die eigene Partei nicht hinter sich habe bringen können. © IMAGO/Emmanuele Contini
Frankfurter Börse
Die politische Unsicherheit durch das Scheitern von Friedrich Merz (CDU) im ersten Wahlgang zum Bundeskanzler machte sich auch an der Börse bemerkbar. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sackte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zunächst spürbar ab. Gegen 11.30 Uhr notierte der Index bei rund 22.900 Punkten und somit rund 300 Punkte niedriger als anderthalb Stunden zuvor.  © Arne Dedert/dpa
Kanzlerwahl - Pressestatement CSU
Nach dem Scheitern von CDU-Chef Friedrich Merz im ersten Durchgang der Kanzlerwahl warnte der CSU-Vorsitzende Markus Söder in einem Statement in München vor unkalkulierbaren Folgen für Deutschland und die Demokratie. Die Gefahr eines Scheiterns der neuen Regierung könne „ein Vorbote von Weimar sein, denn die Folgen sind unabsehbar“, erklärte Söder. © Sven Hoppe/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Grünen wollen Merz mit ihren Stimmen nicht zur Kanzlerschaft verhelfen. „Wir sagen ganz klar: Bündnis 90/Die Grünen werden Friedrich Merz nicht wählen“, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann (rechts) nach einer längeren Sitzung ihrer Fraktion im Bundestag. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge (links) verwies darauf, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nun „Herrin des Verfahrens“ sei und einen Vorschlag unterbreiten müsse, „wie schnell es möglich ist, in einen zweiten Wahlgang einzusteigen“. © Sebastian Gollnow/dpa
Olaf Scholz bezeichnete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl als „absurd“
523354871.jpg © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Trotz seiner überraschenden Pleite im ersten Wahlgang zeigte sich Merz danach entschlossen, erneut anzutreten. Dafür soll er große Rückendeckung seiner Fraktion bekommen haben.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Noch am 6. Mai hat der Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit einen zweiten Wahlgang für die Wahl des Bundeskanzlers am Nachmittag angesetzt. Die Fraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken hatten dies nach dem gescheiterten ersten Wahlgang gemeinsam beantragt. Nach einer kurzen Debatte machten sich die Abgeordneten auf den Weg, um ihre Stimme abgeben zu können. © Sebastian Gollnow/dpa
Kanzlerwahl
Im zweiten Anlauf wurde Merz dann doch im Bundestag zum zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er erhielt in geheimer Abstimmung 325 Ja-Stimmen und damit neun mehr als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. Merz nahm die Wahl an. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, und ich nehme die Wahl an“, sagte er auf eine entsprechende Frage von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. © Tobias Schwarrz/AFP
Kanzlerwahl
Erster Gratulant nach der Wahl war der bisherige Bundeskanzler Olaf Scholz. Jetzt steht dem Regierungswechsel ein halbes Jahr nach dem Bruch der Ampel-Koalition nichts mehr im Wege. Merz muss aber im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch die Ernennungsurkunde erhalten und ist erst dann auch rechtlich gesehen Bundeskanzler.  © Ralf Hirschberger/AFP

Option 5 für Merz bei der Rente: Kanzler stellt die Vertrauensfrage

Die fünfte Option wäre die Ultima Ratio des Kanzlers im Renten-Debakel: Er verknüpft die Zustimmung im Bundestag zum Rentenpaket mit seiner Zukunft als Bundeskanzler. Die Abweichler in der Union könnte er damit wohl auf Linie bringen, denn einen Regierungssturz mit anschließendem politischem Chaos in Deutschland will derzeit wohl kaum einer – außer die AfD.

Trotzdem ist dieses Szenario wohl das schlechteste für Merz: Nach nicht einmal einem Jahr als Kanzler müsste er zum äußersten Mittel greifen, um seine Fraktion auf Linie zu bringen. Das Vertrauen in die Koalition wäre erschüttert. Außerdem warten auf die Regierung noch weitere harte Reformen, zum Beispiel bei der Pflege und Krankenkasse. Merz kann nicht jedes Mal mit der Vertrauensfrage drohen. Jens Spahn sagte auf Nachfrage des Münchner Merkur, ob der Kanzler die Abstimmung zur Rente mit der Vertrauensfrage verbinden könnte, knapp: „Jeder weiß auch so, worum es geht.“ (Quellen: dpa, AFP, Spiegel, Die Welt, RTL, Handelsblatt, eigene Recherche) (smu)

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