„Krisenabgabe“

6 Gründe, warum die Jungen das Geld der Reichen brauchen

  • schließen

Die SPD will, dass Multimillionär:innen mehr Geld für die Allgemeinheit zahlen. Davon profitiert vor allem die Jugend.

Wenn es nach der SPD geht, sollen Spitzenverdiener:innen eine temporäre „Krisenabgabe“ zahlen. Spitzenverdiener:innen sind alle, die reichensteuerpflichtig sind. Die jüngsten Krisen hätten die soziale Ungleichheit in Deutschland verstärkt. Daher sollten die allerhöchsten Einkommen stärker in die Verantwortung gezogen werden, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Auch Erbschaften und Schenkungen will die SPD höher besteuern, sodass sich Multimillionär:innen (so wirst du mit Sparen zu einer) und Milliardär:innen stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen. Für 95 Prozent der Bevölkerung soll im Gegenzug die Einkommenssteuer sinken. Auch die Schuldenbremse soll reformiert werden. All das geht aus einem Entwurf für einen Leitantrag zum SPD-Parteitag im Dezember hervor.

Die SPD fordert eine „Krisenabgabe“ für Personen, die reichensteuerpflichtig sind. Davon könnten vor allem junge Menschen profitieren.

Die sogenannte Reichensteuer greift in Deutschland ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 277.826 Euro oder der doppelten Summe bei Ehepaaren. Alles, was über der Grenze liegt, wird aktuell mit 45 Prozent besteuert. Dass Menschen, die so viel verdienen, eine Krisenabgabe abgeben sollen, dürfte mit dem Koalitionspartner FDP schwierig werden. Dabei brauchen die Jungen das Geld der Reichen ganz dringend. BuzzFeed News Deutschland sammelt sechs Gründe, warum.

Abonnier‘ unsere Kanäle: Das Beste von BuzzFeed Deutschland gibt es jetzt auch auf WhatsApp und Telegram.

1. Junge Menschen brauchen bessere Bildung

Insgesamt 100 Milliarden Euro, die dank „Krisenabgabe“ und reformierter Schuldenbremse entstehen sollen, möchte die SPD investieren. Einer der Bereiche, in die die Sozialdemokrat:innen investieren möchten, ist Bildung. Wie wichtig das ist, zeigt unter anderem die Tatsache, dass Schüler:innen immer schlechter Deutsch sprechen (egal ob zugewandert oder nicht übrigens). Oder der Lehrkräftemangel, über den Lehrkräfte auf TikTok berichten.

Weil der Haushalt des Bildungs- und Forschungsministeriums 2023 von 21,5 Milliarden Euro auf 20,3 schrumpft, rechnen Expert:innen mit weniger Ausgaben im Bereich Bafög, was ein Studium wie viele andere Dinge zum Luxus machen könnte. Auch hier könnte das Geld durch die zusätzliche Reichensteuer eingesetzt werden.

2. Die Jugend braucht Digitalisierung

Dass es Geld für Digitalisierung braucht, zeigen diese Bilder. Vor allem, weil der „Digitalpakt Schule“ ausläuft. „Angesichts ausbleibender Zusagen für die Weiterführung dieses zentralen Programms sind wir in großer Sorge, dass Schulen, Schulträger und Bundesländer jetzt von der Bundesregierung allein gelassen werden“, hieß es Mitte Juli 2023 auf der Kultusministerkonferenz. Folglich ist dieser Bereich, in den das Geld der Reichen fließen soll, eine gute Investition.

3. Junge Menschen profititieren von Klimaschutz am meisten

Ein weiterer Bereich, in den das Steuergeld der Reichen fließen soll, ist der Umbau der Industrie für mehr Klimaschutz. Selbsterklärend, warum davon vor allem die jungen Menschen in Deutschland profitieren, denen der Klimawandel echt Angst macht: Sie leben noch deutlich länger mit dessen Auswirkungen.

Außerdem könnten durch den klimagerechten Umbau der Wirtschaft nach Erwartung der SPD bis 2030 eine Million neue Arbeitsplätze entstehen. „Klimaschutz ist für uns ein Jobmotor“, sagte SPD-Chef Lars Klingbeil am Montag, 6. November 2023, in Berlin. Neue Arbeitsplätze könnten etwa in der Industrie, der Baubranche oder der Energiewirtschaft geschaffen werden. Die können junge Menschen ergreifen – aber ohne Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt geht es nicht.

4. Die Jugend braucht mehr demokratische Teilhabe

Das sagt ein Experte, der nach den vergangenen Landtagswahlen in Hessen und Bayern vermutet, dass das „Gift der AfD in der Jugend angekommen“ ist. Besonders in Bayern hatte ein Großteil der U18-Jährigen für die AfD gestimmt. Dass die bayrische Regierung in ihrem neuen Koalitionsvertrag nicht auf diese Entwicklung eingeht und mehr Jugendarbeit finanziert, klagt der bayerische Jugendring an. Hierfür könnten Reichensteuern bundesweit eingesetzt werden.

5. Für die Jugend tickt die Rentenbombe

Die gesetzliche Rente wird vermutlich nicht reichen, um deinen Lebensstandard im Alter zu halten. Die Rentenbombe tickt und auf diese drei Dinge müssen junge Menschen gefasst sein. Sie müssen wahrscheinlich länger arbeiten, höhere Beiträge zur Rentenversicherung zahlen und das Rentenniveau sinkt. Bedeutet für junge Leute, dass weniger Geld übrigbleibt, um sich selbst zu versorgen. Hier wäre das Geld der Reichen gut investiert, um das Rentenniveau für die Zukunft der Jungen zu sichern.

6. Junge Menschen sind besonders von Armut betroffen

Jeder vierte junge Erwachsene in Deutschland gilt als armutsgefährdet, so das Ergebnis einer Bertelsmann-Studie von Januar 2023. „Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene sind die Altersgruppe mit dem höchsten Armutsrisiko, ohne dass dies von der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wird“, sagt Christoph Butterwegge im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. Das Geld, das über eine weitere Abgabe von Millionär:innen in die deutsche Staatskasse kommt, wäre also gut, um diese Jugendarmut zu bekämpfen.

Mehr zum Thema: Sieben Dinge, für die Deutschland weniger Geld opfert als für die Kirche

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © YAY Images/IMAGO, Shotshop/IMAGO, Collage

Kommentare