VonGiorgia Grimaldischließen
Die finanzielle Benachteiligung von Frauen hat gravierende Auswirkungen im Alter. Woher das kommt und wie du das ändern kannst.
Hast du schon mal dein Gehalt mit dem deiner Freunde oder männlichen Bekannten verglichen? Wenn du eine Frau bist, dann wirst du dich über das Ergebnis nicht sonderlich freuen, denn du verdienst im Schnitt deutlich weniger als Männer. Diese geschlechtsspezifische Lohnlücke, die mit wachsender Berufserfahrung zunimmt, heißt Gender Pay Gap. Laut Statistischem Bundesamt beträgt dieser Unterschied aktuell 18 Prozent.
Was das Vermögen mit deiner Rente zu tun
Ob jemand vermögend ist oder nicht, hängt aber nicht nur von der Höhe des Gehalts ab. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet auch Rentenansprüche zum Vermögen hinzu. Das ist problematisch. Denn dadurch wird der Gender Pay Gap, den man im Ruhestand Pension Pay Gap nennt, zwischen Männern und Frauen noch größer. Und auch arme Menschen werden dadurch benachteiligt, da sie dann vermögender wirken, als sie es tatsächlich sind. Unsere Autorin nennt noch mehr Gründe, warum man die Rente beim Vermögen außen vor lassen sollte.
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Benachteiligung für Frauen auch bei Steuern und Erbschaften
Neben Job und Rente zählen aber auch Erbschaften und Besitztümer wie Immobilien zum Vermögen. Und auch hier werden Frauen benachteiligt. Zum einen erhalten sie nachweislich deutlich weniger Schenkungen und Erbschaften. Zum anderen zahlen Frauen im aktuellen Steuersystem im Schnitt 3250 Euro mehr Schenkungssteuer als Männer, da sie aufgrund traditioneller Denkmuster häufiger Dinge vererbt bekommen, die zwar weniger wert sind, aber höher versteuert werden, zum Beispiel Immobilien oder Bargeld.
Männer erben bei Übertragung von Vermögenswerten häufiger Betriebe, die großteils (und manchmal sogar vollkommen) von der Erbschaftssteuer befreit sind und auf lange Sicht auch eine Einnahmequelle darstellen. Diese Benachteiligung von Frauen und die finanzielle Lücke, die durch Erbschaft und ihre Besteuerung entsteht, nennt man auch Gender Gift Gap beziehungsweise Gender Tax Gap. Dabei bist du, wenn du früher als mit 67 in Rente gehen willst, genau auf solche Vermögenswerte angewiesen.
Frauen gehen mit nur drei Viertel des Vermögens von Männern in die Rente
Wie gravierend die Auswirkungen des Gender Wealth Gap (Vermögenskluft) zwischen Männern und Frauen sind, zeigt eine Studie des irischen Beratungsunternehmen WTW aus dem Jahr 2022: Demnach besitzen Frauen zum Renteneintritt nur drei Viertel (77 Prozent) des Vermögens von Männern.
Im weltweiten Vergleich wies Europa den geringsten Gender Wealth Gap aller Regionen auf. Deutschland liegt mit 76 Prozent knapp unter dem europäischen Durchschnitt (77 Prozent). Die Niederlande weisen mit 70 Prozent den größten Gender Wealth Gap in Europa auf. Am besten scheidet Spanien ab: Dort beträgt der Wert 86 Prozent.
Mehr dazu: In unserem Renten-Ranking gehört Spanien zwar nicht zu den Siegern, dafür lassen aber diese 7 Länder Deutschland ganz schön alt aussehen.
3 Dinge, die du aktiv gegen die Benachteiligung tun kannst
Am effektivsten gegen strukturelle Benachteiligung wirken politische Maßnahmen und gesellschaftliches Umdenken. Aber auch im kleinen Rahmen können wir Veränderung bewirken. Speziell im Fall der Altersvorsorge raten Expert:innen dazu, aktiv selbst vorzusorgen und das schon so früh wie möglich. BuzzFeed News Deutschland hat drei Tipps, wie du das angehen kannst.
1. Nimm deinen Arbeitgeber in die Pflicht. Im Rahmen der betrieblichen Rente muss er dir Geld schenken. Wie das geht, erfährst du hier.
2. Informiere dich! Das Schlimmste, das du tun kannst, ist nichts zu tun. Finanzen, Rente und Altersvorsorge sind komplizierte Themen. Aber je früher du anfängst, dich damit zu beschäftigen, desto früher kannst du gut für dich vorsorgen. Schau mal bei TikTok und Instagram, dort bieten viele Accounts passende Inhalte dazu an.
3. Lass dich zu ETF-Sparplänen und Aktien beraten – Worauf du dabei achten musst, erfährst du hier.
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