VonJana Stäbenerschließen
Das deutsche Rentensystem hat seine Wehwehchen. Dass es besser geht, zeigen unsere europäischen Nachbarn.
Rentner:innen mit mindestens 45 Versicherungsjahren haben in Deutschland Ende vergangenen Jahres durchschnittlich 1543 Euro Rente im Monat erhalten. Das Rentenniveau liegt bei rund 50 Prozent*. Bedeutet: Wer in Rente geht, bekommt in etwa die Hälfte seines bisherigen Nettoverdiensts ausgezahlt. Es entsteht also eine Rentenlücke, die du ausrechnen und mit privater Altersvorsorge decken musst.
Mit diesem Rentensystem sind die Deutschen unzufrieden. „Die schwelende Sorge, nicht ausreichend für das Alter vorsorgen zu können, treibt viele Menschen um“, sagt Verbraucherschützerin Ramona Pop. Vor allem junge Menschen wollen es bei der Rente besser machen als Millennials und erwarteten so natürlich auch von der Politik, dass sie ihren Teil dazu beiträgt.
Dass die Bundesregierung über eine Aktienrente berät (die wir hier erklären), könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. In Norwegen und Schweden macht sie bereits rund fünf Prozent der Rentenzahlungen aus. Allgemein kann sich Deutschland von diesen sieben Ländern beim Thema Rente echt was abschauen:
1. Niederlande
Laut dem CFA Institute Global Pension Index 2023 haben die Niederlande das beste Rentensystem der Welt. Bei ihnen gibt es eine garantierte Grundrente von 1250 Euro, unabhängig davon, wie viel man in seinem Berufsleben verdient hat. Das durchschnittliche Rentenniveau liegt in den Niederlanden bei rund 90 Prozent des Nettolohnes.
2. Island
An zweiter Stelle steht Island. Dort gibt es verschiedene Säulen der staatlichen Altersvorsorge. Bedeutet: Rentner:innen bekommen eine Altersrente und eine Kinderrente. Außerdem gibt es zusätzlich zur staatlichen Rente auch eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge und staatlich genehmigte Versicherungsprodukte. In die kann jede:r investieren, auch wenn er oder sie wenig Ahnung von Aktien und ETFs hat. Das Rentenniveau liegt hier bei rund 60 Prozent.
3. Dänemark
In Dänemark gibt es ein progressives Rentenalter, das parallel zur Lebenserwartung der Bevölkerung steigt. Dieses System kann die Finanzierung der Renten zumindest zum Teil sichern und wird von der Mehrheit der Gesellschaft getragen – anders als in Deutschland, wo vielen klar ist, dass sie früher in Rente gehen wollen. Das Rentenniveau liegt hier bei rund 85 Prozent.
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4. Österreich
Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Österreich für Beamte keine Extrawurst bei der Rente. Dort hat man die beiden Systeme schon vor 20 Jahren zusammengeführt und damit deutlich höhere Renten für alle erreicht. In Österreich liegt das Rentenniveau bei rund 90 Prozent, was Österreich laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Spitzenreiter macht. Die Österreicher:innen zahlen aber auch höhere Rentenbeiträge.
5. Schweden
Schweden macht vor, wie eine Aktienrente funktionieren kann: Zusätzlich zur Umlagefinanzierung wird für die Rente in Aktienfonds investiert und Gewinne daraus kommen den Rentner:innen zugute. Auch berücksichtigt das System Beamte und Selbstständige und es gibt eine Mindestrente von etwa 900 Euro.
Davon könnte sich Deutschland zwar etwas abschauen – an vielen Stellen sei das schwedische Rentensystem jedoch ebenso ausbaufähig wie bei uns, findet der WSI-Rentenexperte Florian Blank. Das Rentenniveau liegt dort bei rund 55 Prozent.
6. Finnland
In Finnland liegt das Rentenniveau bei rund 65 Prozent, also gut 15 Prozentpunkte höher als in Deutschland. Es gibt dort die einkommensabhängige Rente, die staatliche Rente und die garantierte Mindestrente. Letztere wurde 2011 eingeführt. Sie garantiert finnischen Rentner:innen ein Mindestrenteneinkommen von 713,73 Euro pro Monat, wenn die anderen beiden Rentenformen unter diesem Betrag liegen.
7. Frankreich
Im Ranking des CFA Institutes landet unser Nachbarland zwar hinter uns – was das Rentenniveau anbelangt, zieht Frankreich jedoch weit an uns vorbei. Es liegt dort bei rund 75 Prozent. Französ:innen zahlen dafür zwar höhere Beiträge, dürfen aber relativ früh in Rente gehen. Bisher lag das durchschnittliche Rentenalter dort laut OECD bei etwa 61 Jahren. Unter großem Protest wurde die Renten-Altersgrenze 2023 auf 64 Jahre angehoben.
*Wir verwenden gerundete Rentenniveau-Werte eines OECD-Berichts von 2021, der Renten in Europa vergleicht
Rubriklistenbild: © Rolf Kremming/IMAGO, Westend61/IMAGO, Collage

