Kann man nicht ausschlagen

Wusstest du, dass dir dein Arbeitgeber Geld für die Rente schenken muss?

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Nein? Dann wird es höchste Zeit. Wie betriebliche Altersvorsorge funktioniert, und warum du sie unbedingt in Anspruch nehmen solltest, liest du hier.

„Jede Person in Deutschland braucht eine betriebliche Altersvorsorge“, sagt die Gründerin des Start-ups Penzilla, Catherine Leser, zu BuzzFeed News Deutschland. Denn: Die Rentenbombe tickt und „das deutsche Rentensystem ist am Bröckeln“. Doch obwohl alle Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge (bAV) haben, nehme sie nur die Hälfte aller Arbeitnehmer:innen in Anspruch. Ein echtes Problem, findet Leser und erklärt im BuzzFeed-Gespräch, wie sie betriebliche Altersvorsorge „wieder sexy machen“ will.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist „sexy“. Warum, erfährst du hier.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Was ist das?

Im Grunde ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) die 2. Säule des deutschen Rentensystems (das für Beamte übrigens anders funktioniert). Lange Zeit war sie eine freiwillige Zusatzleistung der Arbeitgeber. Heute haben Arbeitnehmer:innen in Deutschland gemäß § 1a BetrAVG einen Rechtsanspruch darauf, einen Teil des vereinbarten Bruttogehalts für die betriebliche Altersvorsorge zu verwenden.

Das Drei-Säulen-Modell des Rentensystems

Die Alterssicherung wird in Deutschland mit drei Säulen systematisiert: Die gesetzliche Rentenversicherung (= 1. Säule) nimmt die Aufgaben der Regelsicherung wahr. Die betriebliche Zusatzsicherung (= 2. Säule) wird von den Kassen und Pensionsfonds der betrieblichen Altersvorsorge sichergestellt. Sie soll ergänzend zur Regelsicherung hinzutreten. Die private Vorsorge (= 3. Säule) kennt man unter anderem unter dem Schlagwort „Riester-Rente“, an der sich der Staat mittels Zulagen und Steuervorteilen am Aufbau eines Altersvermögens bei den entsprechend zertifizierten Produkten beteiligt.

Quelle: Bundesministerium des Innern und für Heimat

Das wird als „Entgeltumwandlung“ bezeichnet und spart dir vor allem Steuern. Aber nicht nur das: Bis zur Beitragsbemessungsgrenze (7300 Euro Bruttogehalt im Monat) muss dein Arbeitgeber dir mindestens 15 Prozent Zuschuss zahlen, sagt Catherine Leser von Penzilla zu BuzzFeed News Deutschland. „Das ist das absolute Minimum, viele Unternehmen bezuschussen jedoch mehr.“ 

Solch ein Geschenk könne man nicht ausschlagen, findet Leser. Die Frage, ob man, um die Rentenlücke zu schließen, betrieblich oder privat für die Rente vorsorge, stelle sich nicht. „Meines Erachtens sollte man fürs Alter aus dem Vollen schöpfen, jede Option mitnehmen und beides tun“, sagt die Unternehmerin. „Eigentlich ist es ganz einfach: Du sagst zu deinem Arbeitgeber, du willst eine Entgeltumwandlung machen und der muss dir das ermöglichen.“

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Wie du bei betrieblicher Altersvorsorge „Geld geschenkt“ bekommst

Nehmen wir an, du verdienst unter 7300 Euro brutto und legst monatlich 100 Euro als betriebliche Altersvorsorge zurück: Dein Arbeitgeber legt also nochmal mindestens 15 Euro darauf. Du bekommst also 100 Euro weniger Bruttogehalt, merkst es durch die Steuerersparnis aber nur mit 52 Euro weniger netto und sparst gleichzeitig 115 Euro für deine Rente.

Und nicht nur du profitierst davon – auch dein Arbeitgeber spart, weil er weniger brutto auszahlt, was seine Lohnnebenkosten senke, erklärt Leser bei BuzzFeed News Deutschland. Außerdem fördere der Staat die betriebliche Altersvorsorge. Du bekommst also „Geld geschenkt, sowohl vom Staat als auch vom Arbeitgeber“, sagt die Start-up-Gründerin. Deswegen sei die bAV auch so ein „attraktiver Mitarbeiter-Benefit“.

Oft hake es in Unternehmen jedoch bei der Umsetzung der bAV, so Leser. Gerade in kleinen Firmen fehle es an Expertise. Gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Leser gründete die ehemalige Unternehmensberaterin deswegen das Start-up Penzilla. Sie wollen es Unternehmen leichter machen, bAV anzubieten und haben dafür eine Software entwickelt, die sich direkt mit gängigen HR-Systemen verbinden lässt.

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Millennials „fühlen“ betriebliche Altersvorsorge nicht genug

Doch nicht nur die Arbeitgeber seien schuld daran, dass so wenige Menschen eine betriebliche Altersvorsorge abschließen. „Man hat oft den Eindruck, dass in unserer Generation die Leute das Thema einfach nicht fühlen“, so Leser. Millennials können bei der Rente also einiges besser machen: Gerade Start-up-Mitarbeiter:innen hätten nicht selten eher Interesse an einer Fitnessstudio-Mitgliedschaft als an Altersvorsorge. „Erst wenn die Leute wirklich verstehen, was sie von einer bAV haben, werden sie aktiv.“

Wichtig sei auch, zu wissen, wie viele Möglichkeiten es gibt, betriebliche Altersvorsorge in Anspruch zu nehmen. „Viele setzen die bAV mit einem Versicherungsprodukt gleich. Es gibt aber verschiedene Arten, wie man bAV umsetzen kann.“ Unterstützungskassen zum Beispiel seien viel freier in der Anlage und können dadurch (ähnlich wie Aktien, die du für die Rente nutzen kannst) höhere Renditen erzielen, erklärt Leser. Hier könne die Politik weiter nachbessern, indem sie die Freiheiten von Versicherungsunternehmen weiter ausbaue.

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Rubriklistenbild: © Shotshop/IMAGO, Collage

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