VonBabett Gumbrechtschließen
Obwohl Israels Armee in der Stadt Gaza vorrückt, gelang es der Hamas, Soldaten zu töten. Auch andernorts gibt es Kämpfe - mit Toten auf beiden Seiten.
Update, 12.26 Uhr: Die israelische Armee hat angedroht, bei ihrem Einsatz in der Stadt Gaza „beispiellose Gewalt“ anzuwenden. Die Armee rief die Bewohner am Freitag auf, die Stadt Richtung Süden zu verlassen und sich dort in Sicherheit zu bringen. Zugleich gab sie die Sperrung des 48 Stunden zuvor vorübergehend geöffneten Fluchtkorridors Salah al-Din bekannt.
Erstmeldung: Gaza – Die Lage im Gazastreifen spitzt sich zu: Am Donnerstag (18. September) wurden vier israelische Soldaten im Raum Rafah durch eine am Straßenrand platzierte Bombe getötet und drei weitere verletzt, wie die Armee mitteilte. Obwohl die Hamas in Rafah infolge schwerer israelischer Bombardierungen und Kämpfe weitgehend besiegt und ihre Infrastruktur zerstört sei, gehe die israelische Armee davon aus, dass sich dort noch mehrere Dutzend Kämpfer der Hamas befinden, schrieb die Times of Israel.
Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert




Außerdem wurden zwei weitere israelische Soldaten bei einem Anschlag an einem von Israel kontrollierten Grenzübergang zwischen Jordanien und dem Westjordanland getötet. Nach Armeeangaben war der mutmaßliche Täter mit einem Lastwagen angekommen, mit dem humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert werden sollten.
Vorfall am Grenzübergang: Jordanier ersticht zwei israelische Soldaten
Der Jordanier habe auf seine Opfer eingestochen, meldete unter anderem die Times of Israel unter Berufung auf Ermittler. Sicherheitskräfte hätten den Täter „ausgeschaltet“ - was in der Regel bedeutet, dass der Mann getötet wurde. Jordanien leitete Untersuchungen zu dem Vorfall ein. Israels Armeechef Ejal Zamir riet der politischen Führung Armeeangaben zufolge, vorerst keine Hilfslieferungen für den Gazastreifen über den Landweg aus Jordanien mehr zuzulassen.
Unterdessen setzten die israelischen Streitkräfte ihr Vordringen ins Zentrum von Gaza-Stadt im nördlichen Teil des Küstenstreifens fort. Zudem sind ihre Einheiten im südlichen Bereich weiterhin in sporadische Gefechte verwickelt. Zeitgleich kamen nach Angaben medizinischer Kreise auf palästinensischer Seite erneut Dutzende Menschen ums Leben, darunter 38 allein in Gaza-Stadt.
USA blockieren Veto im UN-Sicherheitsrat: Keine Verbesserung der humanitären Lage in Gaza
Die USA unter Donald Trump blockierten unterdessen mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution zur Verbesserung der humanitären Situation. Der gescheiterte Resolutionsentwurf sollte ernste Sorge über eine drohende Hungerkatastrophe in dem blockierten Küstengebiet ausdrücken. Darüber hinaus forderte der Text die israelische Regierung auf, „sämtliche Einschränkungen für den Import humanitärer Hilfe nach Gaza sofort und ohne Bedingungen zu beenden“.
Als Israels wichtigster Verbündeter stimmten die USA jedoch als einziges Land im einflussreichsten UN-Gremium gegen die Vorlage – neben 14 Befürwortern. US-Vertreterin Morgan Ortagus rechtfertigte Washingtons Veto mit dem Argument, die Resolution hätte die Terrororganisation Hamas gestärkt.
Tausende Sprengfallen: Hamas warnt vor „Friedhof“ für israelische Soldaten
Die Hamas richtete Drohungen an die israelische Armee und verkündete, in Gaza-Stadt „Tausende von Fallen und Sprengfallen vorbereitet“ zu haben. „Gaza wird zum Friedhof für eure Soldaten werden.“ Zusätzlich seien die aus Israel entführten Geiseln über verschiedene Stadtbezirke verteilt worden. Diese Behauptungen konnten nicht unabhängig bestätigt werden.
Die trotz aller Mahnungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angeordnete Militäraktion werde dazu führen, dass keine der Geiseln nach Israel zurückkehren werde, hieß es weiter. Man werde keine Rücksicht auf das Leben der Entführten nehmen, „solange Netanjahu entscheidet, sie zu töten“, erklärte der bewaffnete Flügel der Hamas, die Kassam-Brigaden.
Übersicht: Fakten zum Krieg in Gaza
- Kriegsbeginn: 7. Oktober 2023 mit Hamas-Überfall auf Israel
- Waffenstillstand: 19. Januar 2025 in Kraft getreten, im März beendet
- Aktuelle Eskalation: Seit August 2025, neue israelische Offensive auf Gaza-Stadt
- Humanitäre Krise vor Ort: Tausende Zivilisten versuchen aus Gaza-Stadt zu fliehen, systematische Zerstörung von Infrastruktur und Wohngebieten, Hungersnot
Zur Einordnung: Israel hatte in der Nacht zum Dienstag (17. September) eine stark umstrittene Bodenoperation in der Stadt gestartet. Laut Regierungsangaben soll dort eine der letzten Hamas-Festungen zerschlagen und die Befreiung der Geiseln erreicht werden. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln. Nach israelischen Angaben könnten 20 von ihnen noch am Leben sein, bei den übrigen geht es um die Rückgabe ihrer sterblichen Überreste. Die Familien der Geiseln werfen Israels Regierung vor, durch die Offensive das Leben derjenigen zu gefährden, die noch immer in der Gewalt der Islamisten sind.
Israelische Armee: Fast die Hälfte der Einwohner hat Gaza-Stadt verlassen
Seit Start der Bodenoperation in der Stadt seien über 1200 Ziele attackiert worden, berichtete der israelische Armeesprecher Effie Defrin. Mittlerweile hätten schätzungsweise mehr als 450.000 palästinensische Einwohner die Stadt verlassen. Trotz der Kämpfe und der „Bemühungen der Hamas, die Evakuierung der Zivilbevölkerung mit Gewalt zu stoppen“, ermögliche die Armee der Bevölkerung die Flucht aus der Stadt, so der Armeesprecher. Die Menschen sollen sich in eine sogenannte humanitäre Zone im Süden begeben.
Ausbruch des Gaza-Kriegs
Der Krieg in dem abgeriegelten Küstengebiet hatte mit dem Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 begonnen. Dabei wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt. Im Zuge des dadurch ausgelösten Gaza-Kriegs wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums rund 65.000 Palästinenser in dem Küstengebiet getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.
Auch diese Angaben des Armeesprechers konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Vor der Offensive hielten sich etwa eine Million Menschen in Gaza-Stadt auf. Die israelischen Truppen rücken dort weiter in Richtung Stadtzentrum vor, wie Defrin mitteilte. Zwei Divisionen seien im Einsatz, eine weitere werde voraussichtlich in den kommenden Tagen hinzukommen. Eine Division umfasst normalerweise 10.000 bis 15.000 Soldaten.
Man bereite sich auf einen „komplexen Häuserkampf“ vor, erklärte die Armee. Im südlichen Teil des abgeriegelten Küstenstreifens sei eine weitere Division nach wie vor aktiv. „Unsere Einheiten attackieren weiterhin terroristische Infrastruktur und Hamas-Kämpfer über und unter der Erde“, sagte Defrin. (Quellen: dpa, Times of Israel) (bg)
Rubriklistenbild: © JACK GUEZ/AFP

