VonJana Stäbenerschließen
Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Klima-Gruppe laut Umfragen ab. Trägt der Protest der Aktivist:innen zum Erfolg der AfD bei?
Die Letzte Generation hat bevorstehende Proteste in Bayern angekündigt. In Städten, über das ganze Bundesland verteilt, werde es in den nächsten Wochen wiederholt zu friedlichem zivilen Widerstand kommen, schreiben die Aktivist:innen. „Wir starten am Montag in Würzburg. Von dort ziehen wir Richtung Süden. Wir werden unseren Protest bis in die Hochburg der politischen Blockadehaltung tragen. Bis an die Politik der absoluten Verzögerung heran“, heißt es in einer Pressemitteilung
Die Klimagruppe stößt mit ihren Aktionen bei Teilen der Bevölkerung auf Widerstand. So hält eine Mehrheit Razzien bei der Letzten Generation für richtig. Der ehemalige Schulleiter Wolfgang Harnischfeger findet das bedenklich. In einem Gastbeitrag bei der Berliner Zeitung äußert er Bedenken, dass die Letzte Generation zu mehr AfD-Wähler:innen führe. „Meine Sorge ist, dass sie ungewollt einen Rechtsruck produzieren“, schreibt er. BuzzFeed News Deutschland fragt einen Politikwissenschaftler, ob diese Sorge begründet ist.
| Name | Letzte Generation |
| Gründung | 2021 |
| Anzahl Mitglieder | 500 - 600 (Stand: Mai 2023) |
| Ziel | Ziviler Ungehorsam für mehr Klimaschutz |
| Forderungen | Tempolimit, 9-Euro-Ticket, Gesellschaftsrat |
| Protestaktionen | Straßenblockaden, Störungen von Veranstaltungen, Beschmierungen von Gebäuden, Verkehrsmitteln oder Kulturdenkmälern |
| Bekannte Personen | Carla Hinrichs, Klima-Shakira, Aimée van Baalen |
| Beteiligte Länder | Deutschland, Österreich und Italien |
| Dachorganisation | A22 Network |
| Finanzierung | Spenden |
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Extremismusexperte zu einem möglichen Rechtsruck durch die Letzte Generation
In seinem Artikel bei der Berliner Zeitung meint Harnischfeger, der früher Schulleiter des Beethovengymnasiums in Lankwitz war, die Mitglieder Letzte Generation werden erfolglos sein, weil sie die Mitmenschen mit ihrem Tempo überforderten. Und weil sie die soziale Komponente vergessen würden, „weil sie die Wut unterschätzen, die sie erzeugen“. Die Klimaschützer:innen schürten Panik, und die sei ein schlechter Ratgeber. „Sie hilft nur den Vereinfachern und schiebt die Gesellschaft politisch nach rechts außen. Ich will aber nicht in einer von der AfD dominierten Welt leben“, so Harnischfeger.
Tatsächlich ist die AfD auf einem Rekordhoch. Trägt die Letzte Generation, auf deren Aktionen es viele Gegenreaktionen gibt, zum Erfolg der Partei bei? Der Brühler Extremismusforscher und Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber widerspricht. „Die Auffassung, dass die Proteste der Letzten Generation einen Rechtsruck produzieren würden, ist so nicht haltbar. Dagegen spricht bereits die zeitliche Chronologie: Von einem Rechtsruck mit Wahlerfolgen für die AfD sprechen wir seit Mitte der 2010er Jahre“, so Pfahl-Traughber.
Die Letzte Generation habe erst seit 2022 auf sich aufmerksam gemacht. Ihre Aktionen, die man sehr wohl kritisieren könne, habe keinen direkten inhaltlichen Zusammenhang mit dem Erfolg der AfD. Die Partei werde aus ganz anderen Gründen gewählt. Entscheidend sei hier das „komplexe Wechselverhältnis“ zwischen innerer Übereinstimmung mit den politischen Einstellungen der AfD und der Unmut über die Politik der etablierten Parteien. „Ein Unmut über die Letzte Generation dürfte nur in einem sehr, sehr geringen Ausmaß eine beflügelnde Bedeutung zugunsten eines solchen Wahlverhaltens haben.“
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